Vdelli - Ain't Bringing Me Down
Ain't Bringing Me Down Spielzeit: 47:16
Medium: CD
Label: Jazzhaus Records, 2009
Stil: Rock / Blues Rock


Review vom 15.03.2009


Michael 'Mike' Schröder
Das letzte 'richtige' Studioalbum nahm Vdelli 2003 auf. Das Album hieß "Into The Zone" und ist heute nicht mehr zu bekommen. 2005 folgte Dog Hill Bluessessions, das live im Studio eingespielt wurde, aber eigentlich kein richtiges Studioalbum ist, da dort bis auf 2 Songs hauptsächlich Coverversionen aufgenommen wurden.
Nun erscheint das neue Album der Band ausschließlich mit eigenen Songs. Produziert hat die Platte kein geringerer als Kevin Shirley, der schon mit so klangvollen Namen wie Iron Maiden, Aerosmith, Led Zeppelin, Balck Crowes, Metallica, Dream Theater, Joe Bonamassa und vielen, vielen anderen zusammengearbeitet hat. Beste Voraussetzung also, um eine richtig gute Platte herauszubringen.
Aber lassen wir uns doch erstmal von Michael das Konzept und die Geschichte des Albums erläutern: »Das Konzept des Albums ist es, die Band einem neuen Publikum, das noch nichts von Vdelli gehört hat vorzustellen und zur gleichen Zeit den treuen Fans etwas Neues zu geben, an dem sie Freude haben.
Auch wenn die Band in Australien und einigen Teilen Europas bekannt ist, so ist der Rest der Welt doch noch immer der Musik ausgesetzt.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, das Album mit Produzent Kevin 'The Caveman' Shirley aufzunehmen, dachten wir, die beste Idee wäre, ein Album mit unserem stärksten Material zu machen, jedoch mit der Herangehensweise, als ob wir unsere erste CD aufnehmen würden.
Wir wählten unsere bisher besten Songs aus, die alle schon einmal aufgenommen wurden und kombinierten sie mit dem besten neuen Material. Die Mischung war gut und nachdem über die Trackliste entschieden wurde, machten wir uns daran, die Songs auszuarrangieren und auf Hochglanz zu polieren.

Als es Zeit war ins Studio zu gehen, machte uns der heiße Sommer in Perth schwer zu schaffen. An den meisten der elf Studiotage hatten wir über 35 Grad und an manchen Tagen sogar über Vierzig. Es muss nicht betont werden, dass es sehr heiß war, auch wenn die Klimaanlage im Dauerbetrieb lief.
Manchmal, wenn wir ein bisschen müde klangen, holte Kevin eine Flasche Tequila hervor, um die Band wieder auf Vordermann zu bringen und irgendwie hat der Trick immer funktioniert.
Der 'Caveman' war dabei behilflich, einige der Songs in die richtige Form zu bringen und andere wiederum blieben so, wie sie waren: Live getestet und von der Band während der Pre-Production ausgearbeitet.

Der Aufnahmeprozess war nicht nur eine großartige Lernerfahrung, sondern hat auch sehr viel Spaß gemacht. Es gab keine Streitereien oder Meinungsverschiedenheiten und alles drehte sich darum, das bestmögliche Ergebnis für das Album zu erzielen.
Technisch und von Bandseite betrachtet, wurde alles ganz einfach gemacht. Tatsächlich hatten wir unser Equipment so aufgebaut, als würden wir einen Gig spielen. Ric hatte sein Drumset im Hauptaufnahmeraum postiert, wo Troy und ich auch standen, während wir aufnahmen. Ich hatte meine zwei Verstärker im Gitarrenraum und Troy seinen Amp in der Bass Kabine. Was wir spielten hörten wir über Kopfhörer.

Alle Songs wurden zwei - oder dreimal live gespielt und ich habe die Vocals später darüber gelegt, genauso wie einige Gitarrenoverdubs. Die Overdubs (zumeist Kevin's Idee) waren kleine Verschönerungen, die wirklich den Unterschied zum Gesamtsound und auch qualitativ machten. Nach elf Tagen im Studio hatten wir zwölf Songs aufgenommen und abgemischt und schickten sie nach New York, wo sie gemastert wurden. Von dort aus wurden sie zu unserer Plattenfirma Jazzhaus Records nach Deutschland geschickt, um gepresst und mit dem Artwork zusammengefügt zu werden.«
Wenn die Motoren des CD-Players sich in Gang setzen, sollte man schnell noch den Lautstärke-Regler etwas nach rechts drehen, denn der Sound, der aus den Boxen kommt ist schlichtweg hervorragend. Da darf es gerne mal etwas mehr Gas sein.
Mit einem schleppenden Rhythmus und recht hart rockend kommt dann "Manhole" daher. Michael erklärt zu dem Stück: »Meine damalige Freundin war gerade bei einer Wahrsagerin gewesen, die ihr Dinge sagte, die sie bereits wusste und ihr 60 AU$ dafür abknöpfte. Ich sagte, "Gib' mir die 60 AU$ und ich sage Dir Dinge voraus, die Du bereits weißt!"
Als ich jedenfalls an der Idee des Songs schrieb, blickte ich auf meinen Schreibtisch, wo ein kleines digitales Spiel herum lag, weil es eine Uhr im Display hatte. Das Ding hatte ich, seit ich sieben Jahre alt war. Die Idee des Spiels war es, einen kleinen Mann davor zu bewahren, in Straßenlöcher zu fallen und ihm zu helfen, nach Hause zu kommen. Das Spiel hieß "Manhole".«
"Something New" besticht durch die funkigen Gitarrenlicks und geht gleich richtig rein. Der Gesang von Michael Vdelli klingt schön dreckig und authentisch. Die Rhythmusgruppe zieht sauber ihr Ding durch, immer auf den Punkt. Der Gitarrensound hat auch die nötige Portion Rotz abbekommen, während Drums und Bass sauber klingen. Ein kurzes Gitarrensolo rundet den Track ab. Auch zu diesem Track gibt es eine Geschichte: »Im Text geht es um eine Dokumentation, welche die Geschichte der Aileen Wuornos erzählt. Wuornos wurde in den USA für den Mord an sieben Männern hingerichtet. Es gibt auch einen Hollywood Film namens "Monster", der diese Geschichte erzählt. Ich habe ihn bisher noch nicht gesehen, aber diese Dokumentation sagte eigentlich alles. Es war eine sehr traurige und aufwühlende Geschichte, aber irgendwie habe ich mich dabei ertappt, dass mich ihr Irrsinn gefesselt hatte und ich die Sendung vier- oder fünfmal angeschaut hatte. Ich konnte mich nicht ganz entscheiden, ob sie mir leid tat oder sie mich anwiderte, aber ich war definitiv fasziniert davon, wie verrückt sie doch war.«
Als nächstes schlage ich "Lose Endz" als Anspieltipp vor. Hart rockend mit tollen Gitarrenriffs. Gesanglich übertrifft sich der Ausnahmegitarrist bei diesem Track selbst, der musikalisch recht abwechslungsreich rüberkommt. Da wird auch mal der Bottleneck eingesetzt oder das Wah Wah-Pedal kurz getreten. Der Sound begeistert mich immer wieder auf's neue. Klingt alles andere als überproduziert und trotzdem überragend. »Eine Geschichte über die Erkenntnis, dass Dich die Leute von Zeit zu Zeit enttäuschen - selbst enge Freunde.« Die Wut darüber kann man deutlich hören.
Ric Whittle, langjähriger Weggefährte von Michael Vdelli, beginnt "Boogie Sea" mit einem rollenden Schlagzeugintro, bevor erst Gitarre und dann der Bass einsteigen. Der Track ist ein wahres Goove-Monster und kommt locker ohne Text aus. »Die Idee zum Song kam direkt nachdem ich eine Fender Telecaster gekauft hatte. "Boogie Sea" entstand beinahe sofort nachdem ich auf der Gitarre zu spielen begann. Ric hatte eine Idee für den Mittelteil und wir arbeiteten sehr hart daran, alle Parts des Songs gut ineinander überfließen zu lassen.
Er ist jetzt einer der beliebtesten Songs im Live Set. Wir mussten den Song "Boogie Sea" nennen, weil es unser dritter Boogie ist und nach "Boogie Bee" und "Boogie A" kommt. Macht Sinn, oder?«
"Going Too Hard (For Too Long)" habe ich schon öfter bei Live-Auftritten der Band gehört. Ein Refrain, der sofort hängen bleibt, raffinierte Akkorde und ein ordentlicher Groove machen den Song zu einem weiteren Highlight auf dieser Scheibe. Das homogene Zusammenspiel der Band lässt keine Wünsche offen.
Weiter geht es mit "Could Be Good". Auch hier wieder die außergewöhnlichen Akkorde, die Vdelli so unverwechselbar machen. Hart rockend kommt einer der ältesten Songs der Band rüber. »"Could Be Good" ist einer der ersten Songs, die wir jemals aufnahmen, und derjenige, der bisher am meisten re-recorded wurde. Dieser Track hat immer sehr gut im Live-Set funktioniert, aber ich hatte nie das Gefühl, dass wir ihn im Studio ebenbürtig aufgenommen hatten. Dieses Mal spielten wir das Stück mit Selbstvertrauen in das Arrangement und ich bin über das Resultat sehr glücklich.« Dem kann ich ohne Einwände zustimmen.
Einen Boogie der härteren Art liefert die Band mit "Boogie A" ab. Auch diese Nummer kommt bei Live-Konzerten immer richtig gut. Aber nicht nur da, auch auf der Platte macht sie eine sehr gute Figur und geht sofort ins Bein. Die kurzen Slide-Einlagen kommen genauso gut rüber, wie das Slide-Solo. Eine richtig mitreißende Nummer und ein weiterer Anspieltipp dieser CD. Michael zu dem Song: »Der Song ist ein klassischer 'wie aus dem Nichts' Fall. Im Studio jammten wir an einer Idee, die ich zu Hause hatte. Heraus kam ein starker Groove mit einfachen Akkordwechseln, was sich gut anfühlte. Ich nahm den Text einer anderen Idee, fügte ihn hinzu und alles passte perfekt.
Der Text handelt davon, wieder aufzustehen nachdem man ganz allgemein im Leben mal am Boden war. Ich bin mir sicher, das passiert jedem einmal - vielleicht sogar mehr als einmal.«
Dass die Jungs es auch mal ruhiger angehen lassen können, ist für Leute, die Band kennen, schwer zu glauben. Den Beweis liefern sie mit der akustischen Nummer "Suck It Up". »"Suck It Up" ist eine wahre Geschichte und handelt davon unterhalten zu müssen, auch wenn man sich nicht danach fühlt.
Wir waren 2005 auf Tour in Europa und auf dem Weg zum größten Konzert, das wir bis dahin gespielt hatten, als im Tourbus das Telefon klingelte und mir meine Mutter mitteilte, dass mein Großvater, der mir sehr nahe stand, gestorben war. Ich kann nur sagen, dass man solche Neuigkeiten nicht gerade erfahren möchte, während man mit den anderen Jungs im Tourbus sitzt. Also musste ich es halt 'schlucken'.
Ich habe an diesem Tag viel darüber gelernt, was es heißt, ein Entertainer zu sein. Der Song ist aber nicht als 'ich arme Wurst' Story gemeint. Die Message ist 'Steh auf und mach weiter!', weil ich eben festgestellt habe, dass sich niemand wirklich dafür interessiert, was dein Problem ist, solange Du Deinen Job ordentlich machst und das Team nicht im Stich lässt.
Im Übrigen lief das Konzert damals gut für uns.«
Stakkatoartige Gitarreneinschläge gepaart mit mächtig Wut im Bauch, könnte man "Condescending Lies" vielleicht kurz umschreiben, wenn da nicht immer wieder die besonnen ruhigen Passagen im Song wären, die mit funkigen Rhythmen hinterlegt sind. So viele Gegensätze in einem Lied sind verdammt selten zu hören und verschmelzen doch zu einem gelungenen Gesamtwerk, das mit 5:05 Minuten der längste Track auf der CD ist. Wenn man die Geschichte dahinter sieht, erklärt das einiges: »Ich konnte nicht widerstehen, einen Text über den Zustand und die Vorgänge in der Welt zu schreiben und mich der Beteiligung Australiens in einer fragwürdigen Rolle, nur um sich die Gunst der USA zu verdienen, zu widmen. Ich fand besonders Condoleezza Rice abstoßend, also habe ich den Song um ihre fragwürdige Sichtweise der Welt herum aufgebaut.«
Die musikalische Richtung ist bei "Boogie Bee" sicherlich klar. In dem Song erzählt Michael über die Schwierigkeiten mit aller Macht einen Song schreiben zu wollen. Die Nummer rollt genauso gut wie die anderen beiden Boogies. Ein weiterer Beweis für die Fähigkeit der Band als eine Einheit aufzuspielen. Da passt einfach alles.
"Childhood Demons": »Die Musik zu diesem Song war für eine ganze Weile ein Thema für die Band, aber wir haben sie nie wirklich ausgearbeitet, weil das Timing des Songs in 7/8 ist, was auf der Tanzfläche nicht gerade angesagt ist.
Wir dachten, es wäre gut, den Track auf der CD zu haben, weil er doch etwas anders als der Rest ist und dem Album noch eine weitere Farbe hinzufügt. Der Text handelt von vielen Leuten, die ich kenne und die in die Falle des Exzesses geraten sind und bisher nicht wieder auf den Planeten zurückgekehrt sind. Wir warten immer noch...«
Einer der Songs, die mit jedem Durchgang besser werden und eine weitere Facette von Vdelli zeigt.
Der Titeltrack "Ain't Bringing Me Down" ist eine harte Blues Rock-Nummer, die mit einem mächtigen Slide-Sound aufwarten kann. Das Solo kommt kurz und knackig auf den Punkt. So sollte es sein. Ein würdiger Abschluss für ein rundum gelungenes Album. Ein letztes Mal erklärt uns der Künstler worum es in "Ain't Bringing Me Down" geht: »Der Text entstand nach einem heftigen Streit zu Hause, der ohne letztendliche Konfliktlösung endete. Am nächsten Tag musste ich auf eine Tour in den Nordwesten Australiens, was wirklich eine sehr einsame Gegend ist, vor allem wenn man im Gedanken zu Hause ist.
Nach ein paar Tagen hatte ich genug, mich schlecht zu fühlen und habe begonnen, einen wütenden Text zu schreiben, woraus "Ain't Bringing Me Down" entstand.«
Fazit: Ein Album, das der Band die nötige Aufmerksamkeit verleihen könnte, die sie verdient. Abwechslungsreich und verdammt gut klingend. Für mich jetzt schon ein Anwärter auf meine Platte des Jahres. Das dürfte schwer zu toppen sein. Da haben Vdelli und der Caveman ganze Arbeit geleistet!
Line-up:
Michael Vdelli (guitar, vocals)
Ric Whittle (drums, percussions)
Troy Gennoe (bass)
Tracklist
01:Manhole (3:34)
02:Something New (4:28)
03:Loose Endz (4:04)
04:Boogie Sea (4:08)
05:Going To Hard (For Too Long) (3:54)
06:Could Be Good (3:54)
07:Boogie A (3:35)
08:Suck It Up (3:58)
09:Condescending Lies (5:05)
10:Boogie Bee (3:24)
11:Childhood Demons (4:22)
12:Ain't Bringing Me Down (3:40)
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