Steve Wynn / Crossing Dragon Bridge
Crossing Dragon Bridge Spielzeit: 49:23
Medium: CD
Label: Blue Rose Records, 2008
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 03.06.2008


Tom Machoy
Es ist nicht der 'klassische' Rockmusiker Steve Wynn, dem ich zuhöre. Nicht der, der in den Spätsiebzigern mit The Suspects und in den Achtzigern mit The Dream Syndicate versuchte, sich an die Musikspitze zu spielen. Denn egal, was die Bands auch taten, sie blieben immer irgendwie vom großen Erfolg unbeachtet.
Solistisch brachte Herr Wynn in den achtziger Jahren mit Dan Stuard (Green On Red) eine Songsammlung unter dem Namen Danny And Dusty auf den Markt. In den neunziger Jahren spielte er in der Independant-Band Gutterball, neben Musikern wie Johnny Hott (House Of Freaks) und Stephen McCarthy (The Long Ryders).
2004 'bekam' Steve Wynn von Blue Rose die Tribute-Doppel-CD
From A Man Of Mysteries: A Steve Wynn Tribute. Und keine geringeren Künstler als u.a. Chuck Prophet, Transmissionary Six oder Chris Eckman (Walkabouts) spielten auf.
Seit Wynn 1990 seine Solokarriere begann, experimentierte er mit vielen unterschiedlichen Stilen auf seinen Alben. Mitspieler waren z.B. auf "Kerosene Man" Howe Gelb (Giant Sand), Steve Berlin (Los Lobos), auf "Dazzling Display" Peter Buck von R.E.M. "Here Come The Miracle", das 2001 herauskam, ist bisher sein meistverkauftes Album.
Und nun "Crossing Dragon Bridge": Die Drachenbrücke (schöne Cover- und Bookletfotos!), ist eine Sehenswürdigkeit im Herzen Ljubljanas (Sloweniens Hauptstadt), die Steve im Herbst 2007 einen knappen Monat lang täglich überquerte, um in Chris Eckmans Aufnahmestudio seine neue CD aufzunehmen. In der entstandenen Musik finden sich seine Eindrücke, die er beim Queren dieser Brücke in Ljubljana sammelte. Und das nicht nur wegen der Rahmentitel "Slovenian Rhapsody I" und "II", die die zehn weiteren Titel einfassen.
Für mich ein durchweg abgerundetes Album, das einen voller Ideen steckenden Steve Wynn zeigt, der in allen Musikkisten 'kramt' (» komplizierte Melodien, behutsamen Alternative Pop, mit programmierten Beats unterlegte Folkballaden, opulent orchestrierte Chansons und Songwriter Rock mit eingeflochtener Electronica.«) und trotz der im allgemeinen 'ruhigen' Stimmung, kraftvoll erscheint. Musik, die die Seele bewegt, die keine Langeweile bewirkt, die am Rande des Kommerzes spielt und trotzdem einer Menge Musikliebhabern viel Freude bereiten wird! Die Vielschichtigkeit der Sounds und die Unmenge an dezent aber punktiert eingesetzten Instrumenten (Banjo, Zither, Mellotron, Cembalo) und Musikern (Apollon Chamber Orchester aus Prag, Carnice Vocal Group), all das verleiht dieser CD auch eine gewisse Würde. Ein Arbeitswerk Steve Wynns, begonnen in Ljubljana, beendet in Seattle.
Die Musik der CD bewegt sich für mich irgendwie und irgendwo zwischen Tom Petty, Lou Reed und Nick Cave, wobei die 'Schwermütigkeit' der beiden Letztgenannten nicht vordergründig, ja hier eher lebensbejahend und neue Räume öffnend ist. Die präzise abgestimmte Musikalität jedes einzelnen Titels verrät nie, was als nächstes zu hören sein wird.
Da beginnt der Rahmensong bescheiden und sparsam instrumentiert, da spielt Wynn in "Love Me Anyway" rockig auf, um im nachfolgenden Titel, "She Came", folkmäßig den Konzeptalbumbogen nicht überspannen zu wollen.
Und wenn ich beim Hören von "When We Talk About Forever" an Nick Cave denke, nun ja, ziemlich monoton und gleiche Rhythmen, wer sonst noch bringt damit so ein Gefühl rüber? Das ist schon streckenweise Gänsehautmusik.
"Annie & Me" zeigt deutlich auf, woher der Rockmusiker Steve Wynn kommt - seine kalifornische Herkunft hat er hier musikalisch phantastisch umgesetzt . Es ist ein dreigeteilter Titel, mit zurückgenommenem Mittelteil, ansonsten für dieses Album schon ein richtiger 'Kracher'(!). Es sind aber für mich mehr die ruhigen Titel, die diese CD ausmachen und mir besonders gut gefallen. Z. B. "Punching Holes In The Sky": Akustische Gitarre mit einsetzender Streicherbegleitung, sich langsam steigernd, sehr gefühlvoller Gesang, ohne große Schnörkel, bei allem Gefühl doch sehr geradlinig - wirklich gelungen.
"God Doesn't Like It" hat schon fast bluesigen Charakter, den der Mundharmonika-Einsatz gegen Ende des Titels noch mehr verstärkt. Es folgt ein stark Lou-Reed-lastiger Titel (denkt mal an "Walk On The Wildside", dann wisst Ihr, was ich meine). Sehr schön arrangiert, sehr gut umgesetzt. Und bevor der Rahmen schließt, gibt es noch mal was Wunderbares mit dem Namen "I Don't Deserve This".
Würden Petty und Cave zusammenspielen, wäre dies das Ergebnis!
Besorgt Euch die CD, denn im normalen Radio wird es das sicher leider nicht geben... .
Tracklist
01:Slovenian Rhapsody I
02:Manhattan Fault Line
03:Love Me Anyway
04:She Came
05:When We Walk About Forever
06:Annie & Me
07:Wait Until You Get To Know Me
08:Punching Holes In The Sky
09:Bring The Magic
10:God Doesn't Like It
11:Believe In Yourself
12:I Don't Deserve This
13:Slovenian Rhapsody II
Externe Links: