Wishbone Ash
Live In Concert 2006, 8. Februar 2006
Bluesgarage Isernhagen
Wishbone AshWenn man sich mit der klassischen Rockmusik seit Anfang der siebziger Jahre beschäftigt, dann dauert es nicht lange, bis man auf eine Band stößt, die mit ihrer Musik eine ganz eigene Richtung einschlug. Zwei gleichgestellte Lead-Gitarren, die sich mal wild duellieren oder auch synchron zusammenspielen, bilden eine Einheit und wurden somit als 'Twin Double Lead Guitars' zum festen Begriff für Wishbone Ash.
>Wishbone AshSeit dem Jahr 2001 beginnt meine persönliche Konzertsaison immer mit dieser Band, denn seit dieser Zeit tauchen Andy Powell (guitar, vocals), "Muddy" Manninen (guitar, vocals), Bob Skeat (bass, vocals) und Ray Weston (drums) mit schöner Regelmäßigkeit in Deutschland (sprich: auch in Niedersachsen) auf. So steht also inzwischen zum sechsten Mal ein absolutes Highlight am Anfang eines jeden Jahres und verwöhnt die treue Fangemeinde des melodiösen Gitarrenrocks mit ihrer wahrhaft zeitlosen Musik.
Wishbone AshUnd nun war es wieder soweit. Nach der Anfahrt, die von starkem Sturm und heftigen Regenschauern geprägt war, füllte sich die 'Bluesgarage' dann ziemlich schnell. Und das aus gutem Grund. Da Wishbone Ash zum ersten Mal mitten in der Woche in Isernhagen auftraten, wurde der Konzertbeginn auf 21.00 Uhr vorverlegt. Ein feiner Zug von den Jungs mit besonderer Rücksicht auf die arbeitende Bevölkerung. Jedenfalls hatte dieser Termin keinerlei Auswirkungen auf den Publikumsansturm, denn schon nach kurzer Zeit wimmelte es vor der Bühne wie in einem Ameisenhaufen. Wishbone Ash hatten es also wieder einmal geschafft, die 'Bluesgarage' nahezu völlig zu füllen.
Wishbone AshGespannt war ich diesmal auf die Setlist, denn immerhin ist die neue Studio-CD für den März 2006 angekündigt, und es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn nicht der eine oder andere Titel dieses Silberlings vorgestellt werden würde. Und so kam es dann auch.. Mit "Healing" und "Dreams" gab es noch unbekannte Klänge auf die Ohren, die richtig Lust auf die kommende Scheibe machten. Dabei gab 'Muddy' Manninen eine Einlage an der Slide-Gitarre. Auch das eine absolute Rarität.
Wishbone AshAnsonsten standen bei den klassischen Ash-Songs ebenfalls etliche Änderungen gegenüber dem letztjährigen Gig an. So erklang zum ersten mal die Instrumental-Nummer "Persephone" vom Album "There's A Rub" sehr zur Freude des Rezensenten, denn dieser Titel gehört schon seit ewigen Zeiten zu meinen Favoriten. Auch gleich der Opener "Outward Bound" war neu auf der Setlist und erwies sich als würdiger Einsteiger.
Wishbone AshDas übrige Programm bot einen sehr guten Querschnitt durch die inzwischen jahrzehntelange musikalische Karriere von Wishbone Ash. Von den neueren Sachen wurde "Almighty Blues" gespielt. "Why Don't We" war dann schon etwas älter, aber fehlen durften natürlich nicht die wahren Klassiker, die inzwischen schon weit über dreißig Jahre auf dem Buckel haben. So gab es "Warrior" und "The King Will Come" schon relativ früh am Abend, während der Mitsinger "Living Proof" ziemlich am Ende des Gigs ertönte.
Wishbone AshBei der Ankündigung zu d e m Klassiker schlechthin brandete tosender Beifall auf: "Phoenix" war angesagt. Im letzten Jahr noch aus der Setlist gestrichen und durch "Rock 'N' Roll Widow" ersetzt, war er nun wieder dabei und wurde ... zu meiner einzigen Enttäuschung des Abends. Irgendwie fehlte der letzte Drive. Das Fesselnde, das diesen Song sonst immer auszeichnete, kam einfach nicht richtig rüber. Vielleicht lag das auch an dem veränderten Gitarrensolo im Mittelteil, bei dem schon fast Pink Floyd grüßen ließ. Jedenfalls war diese Version doch etwas daneben.
Wishbone AshAber so etwas passiert eben mal, und ist eigentlich auch kein Beinbruch. Das Publikum forderte stürmisch Zugaben, und die bekam es auch. Zunächst mit einem weiteren neuen Titel, der allerdings musikalisch etwas aus dem Rahmen fiel und die gewaltige Stimmung ein wenig runterbrachte. "Surfing" kann man mit seinen ruhigen Gitarrenklängen etwa in die Zeit des Instrumental-Albums "Nouveau Calls" einordnen. Musikalisch perfekt gebracht, aber doch irgendwie an der falschen Stelle platziert.
Wishbone AshDer letzte Reißer dann zum absoluten Schluss der Show: "Blowing Free" fetzte mit seinem unnachahmlichen Rhythmus und seiner unbändigen Kraft durch die Boxen und versetzte den ganzen Saal in Bewegung. Das war ein wirklich krönender Abschluss eines guten Konzertes, das diesmal zwar nicht an die Klasse seines Vorgängers aus dem Jahr 2004 (übrigens noch mit Ben Granfelt an der zweiten Gitarre) heranreichte, aber immer noch große Musik zu bieten hatte.
Wishbone AshMusikalisch waren hier wirklich erstklassige Leute auf der Bühne. Ray Weston setzte seine Drumsticks präzise ein und hatte alles fabelhaft im Griff, egal ob knüppelhart oder gefühlvoll und leise. Auch Bob Skeat am Tieftöner sprühte nur so vor Energie. Ihm stand die Spielfreude schon richtig ins Gesicht geschrieben. Skeat ist die hervorragende Ergänzung zu Ray Weston in der Rhytmussektion. Auch das Zusammenspiel zwischen "Muddy" Manninen und Andy Powell ist inzwischen fast perfekt. Im letzten Jahr passte das noch nicht so ganz, inzwischen haben sich die beiden aber offensichtlich eingespielt.
Also Leute: Wenn Wishbone Ash in Eurer Nähe spielen, dann macht Euch auf die Socken. Oder Ihr verpasst ein richtig heißes Live-Konzert!
Wishbone Ash Setlist:
Outward Bound
Warrior
The King Will Come
Healing
Ancient Remedy
Why Don't We
Persephone
Wishbone Ash Leaf And Stream
Dreams
Tales Of The Wise
Almighty Blues
Living Proof
Phoenix
Surfing
Blowing Free


Wishbone Ash Live In Concert 2006, 8. Februar 2006, Bluesgarage Isernhagen
Jürgen Bauerochse, 11.02.2006