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Nun wollen wir noch etwas tiefer in die Welten des Metals eintauchen und ein paar Erscheinungsformen betrachten, die sich nach und nach ausprägten und neue extreme Lebensformen bildeten. Alle Untergruppierungen aufzuführen würde hier zu weit führen, daher nur ein paar Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die mit typischen Klischees verbunden werden, wobei es natürlich überall auch noch anderes gibt.
Fangen wir ganz harmlos an, mit Power Metal. Dort gibt es eine Tendenz zu Sword & Sorcery, also gerne Begriffe wie Schlacht, Krieger, Schwerter, Blut etc. Dementsprechend sind die Cover häufig verziert mit Muskelpaketen, die gegen Drachen kämpfen, während sie von knapp bekleideten Damen angehimmelt werden - ähnlich wie in so einigen Fantasy-Filmen insbesondere älteren Datums.
Death Metal ist hingegen etwas für Horror/Splatter-Fans. Wie der Name schon sagt, dreht es sich hier mit Vorliebe auf verschiedene Wege, zu Tode zu kommen. Ebenso wie auch bei Filmen geht es dabei von gemäßigt bis geschmacklos, was Cover und Texte angeht. Die Musik dazu ist relativ schnell, die Instrumente meistens tiefer gestimmt und die Gesangsart möglichst tief und unheimlich, so dass es oft unverständliche Grunzlaute sind. Meist stecken recht harmlose, schlicht aussehende Typen dahinter. Bestes Beispiel: Cannibal Corpse erregten Aufsehen wegen ihrer Zombie-Metzel-Gedärm-Cover. Die deutsche Zensur schlug zu, die ersten beiden CDs sind komplett verboten, die folgenden erschienen hierzulande mit gemäßigtem Cover. Die Band selbst war recht verwundert deswegen, entpuppten sich in Interviews (und auch bei einer Live-Begegnung) als freundlich und nett - halt mit einer Begeisterung für Splatter. Ob man die nun teilt oder nicht, ist Ansichtssache.
 Untypisch und dennoch ein absolutes Highlight sind Nile. Musikalisch extremster Death Metal, teils sehr schnell, teils sehr langsam, gemischt mit alten Instrumenten und Beschwörungsgesängen. Textlich der reinste Geschichtsunterricht, mit Vorliebe natürlich für die alten Ägypter, aber auch für andere Völker und Kulturen aus dem Umkreis. Nachdem die Band oft nach den Inhalten gefragt wurde, schreiben sie nun seit der zweiten CD zu jedem Song genaue Erklärungen, z.B. was wann wo auf welchem Papyrus gefunden wurde und wozu sie das inspiriert hat. Das Ergebnis entführt in eine andere Welt und ich wünsche, dass sie das irgendwann auch optisch auf DVD umsetzten, wie dies bereits Necrophagia getan haben, welche allerdings, wie der Name 'Leichenfresser' schon vermuten lässt, wieder mehr wieder in die Splatter-Ecke tendieren.
Sie brachten eine DVD mit Filmausschnitten aus "Cannibal Holocaust" und einigen selbstgedrehten Videosequenzen als Untermalung für ihre Musik heraus. Das Teil ist allerdings echt heftig und in Deutschland und einigen anderen Ländern indiziert. Der Inhalt liegt auch teilweise jenseits meiner Geschmacksgrenze. Es wird aber niemand gezwungen sich das anzusehen und es bedeutet ja noch lange nicht, dass die Musiker auf die Straße gehen und jemanden abschlachten.
Problematischer hingegen ist Black Metal. Musikalisch gibt es verschiedene Varianten, teils rasend schnell mit hysterischem Gekreische statt Gesang, oder im Midtempo extrem schlicht gehalten und mit Keyboards unheimlich untermalt. Die Inhalte sind auch breitgefächert: Satanismus, Misanthropie, Nihilismus bis hin zu (leider auch) Faschismus. Grundgedanke ist die Ablehnung des Christentums und der Massengesellschaft. Für manche ist das Ganze nur mehr ein Horrorimage, das schocken soll. Andere sehen es fanatisch ernst. Eine Diskussion darüber würde hier zu weit führen. Manche Ansätze sind als Gesellschaftskritik durchaus wertvoll, anderes ist einfach durchgeknallt. Wichtig ist hier im Gegensatz zum Death Metal auch eine entsprechende Optik: Leder, Nieten, Ketten und oft das 'Corpse Paint' (Schminke im Stil von Kiss).
 Um auf die eingangs erwähnte Verbindung mit Serien zurückzukommen: Tyr Anasazi (aus "Andromeda") war für mich immer so etwas wie ein Black Metaller im Weltraum - der Kleidungsstil, die Arroganz etc., das passte. Ein schönes Band-Beispiel sind Immortal, bei denen das ein interessantes Konzept (welches sie in ihren Texten darstellen) hat: Sie stellen damit ihre Alter Egos dar, die als Dämonen in einer Welt des ewiges Eises leben. Untypische Vertreter waren Covenant (die sich inzwischen The Kovenant nennen müssen wegen Namensgleichheit mit einer Pop-Band). Sie erfanden den Space Black Metal und versprachen, in "Babylon 5"-Kostümen aufzutreten. Kurz darauf entdeckten sie Marilyn Manson und glichen Optik und Musik an ihn an… schade.
Häufig kommt im Black Metal auch die Liebe zur Natur vor, daraus entwickelte sich dann Pagan/Viking Metal mit heidnischen Texten (gerne über Odin) und oft passender Optik. Als Vorbild für sowohl Okkult- wie auch Pagan-Image könnte man Bathory (siehe oben) sehen, auch wenn das viele nicht zugeben. Besonderes Beispiel einer eigenständigen Umsetzung sind Amorphis, die das finnische Nationalepos "Kalevala" und ähnliches vertonen.
Eine dem Black Metal etwas ähnliche Optik gibt es im Gothic. Dies ist eigentlich auch nur ein Begriff für mehrere Spielarten, es gibt Gothic Metal der teilweise dem Black Metal ähnlich ist, es gibt Gothic Rock und elektronisch orientierte Bands… genaueres führt hier zu weit. Zu den beliebtesten Inhalten zählen Sex und Tod, was bei vielen Fans eine Begeisterung für Vampire mit sich bringt. In dem Film "Queen Of The Damned" durften dann auch einige als Statisten für ein Konzert dieser Art mitspielen.
Punk ist eigentlich eher politisch oder gesellschaftskritisch ausgerichtet, dennoch soll hier Glenn Danzig als Comicsammler und Fan alter Filme erwähnt werden. So begegnen uns auf den Covern und in den Texten seiner Bands Misfits, Samhain und Danzig immer wieder Titel oder Bilder aus alten Werken, z.B. "Plan 9 From Outer Space" oder der Monsterspinne aus "Raumschiff MR1 antwortet nicht". Einige Misftis-Cover stammen aus der Feder des deutschen Comic-Zeichners Pushhead.
Zum Abschluss noch etwas, was eigentlich mit Metal weniger zu tun hat, ich aber dennoch für erwähnenswert halte. Peter Maffay schuf mit seinem Drachen "Tabaluga" (wovon es inzwischen einige LPs/CDs, ein Musical sowie eine TV-Show gab) eine angenehme Alternative zu Heutigem wie Teletubbies oder Minimonstern - die Kinder wachsen auch mit einer klassischen Fabelgestalt auf. Finde ich irgendwie schon wichtig. Mit diesem Blick über den Tellerrand will ich den Artikel beenden. Wie bereits angesprochen, es gibt unzählige weitere tolle Ideen und viele Bands, die irgendwann mal auf einem Soundtrack waren; es ist unmöglich, sie alle zu erwähnen.
Somit sind wir am Ende der Reise angelegt, es sollten auch nur ein kurzer Einblick, paar Beispiele und Klischees sein.
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