I Am I / Event Horizon
Event Horizon Spielzeit: 46:00
Medium: CD
Label: ZeePeeTee (Eigenproduktion), 2012
Stil: (Melodic) Power Metal

Review vom 14.11.2013


Jochen v. Arnim
Schon ein bisschen länger auf dem Markt ist sie, die neue Scheibe vom früheren DragonForce-Frontmann und Mitbegründer der Band, ZP Theart. "Event Horizon" heißt das gute Stück, das exakt im Mai 2012 das Licht der Welt erblickte und sich seit einiger Zeit und wiederholt in meinem Player drehen darf. Theart war kürzlich erst mit Tank auf Tour, um deren Stammsänger Doogie White zu vertreten, der derzeit bei Michael Schenkers Temple Of Rock-Projekt stark eingebunden ist.
I Am I wiederum nennt sich Thearts neues Projekt, korrekt geschrieben i AM i, das er nach seinem Weggang wegen unüberbrückbarer musikalischer Differenzen von DragonForce aus der Wiege hob. Mit an Bord sind der polnische Gitarrist Jacob Ziemba, Neil Salmon am Bass sowie der Drummer Phil Martini. So zumindest ist es ausschließlich für die vorliegende CD von Belang, da sich das Line-up mittlerweile an einigen Positionen verändert hat. Als neuer Gitarrist ist Andy Midgley hinzugekommen, der bis zu deren Auflösung bei Power Quest in die Saiten haute. Ebenfalls aus diesem Stall kommt der jetzige Drummer Rich Smith, der eigentlich nur für ein paar Live-Shows den Vertreter mimen sollte, es aber mittlerweile dauerhaft auf den Drehhocker geschafft hat.
"Event Horizon" hat Theart in enger Kooperation mit Jacob Ziemba geschrieben und produziert. Für Mixing und Mastering zeichnet kein Geringerer als Axt-Mann Roland Grapow (ehem. Helloween, Masterplan) verantwortlich, der sich die Aufnahmen in seinem Studio zu Gemüte geführt hat und dementsprechend gibt es am Sound im Grunde auch nicht viel zu meckern.
Heavy Rock bezeichnet die Band ihren Stil, was der Sache allerdings nur im Groben nahekommt. Wir finden hier alles von althergebrachtem Power Metal über Melodic Hard Rock bis hin zu in Teilen sogar progressiven Elementen. Das klingt jetzt nach ich-weiß-nicht-was-ich-spielen-soll-also-nehme-ich-alles, aber weit gefehlt, die Sache ist durchgängig stimmig und die verschiedenen Elemente machen das Ding rund [ist ja auch ne CD - wobei das Teil ursprünglich ausschließlich als USB-Stick erhältlich war].
Der geneigte Hörer bekommt zehn kraftvolle Tracks auf rund 45 Minuten Spielzeit geboten, darunter auch etwas aus der (Power-)Balladen-Ecke. Alles ist sehr melodiebetont, speziell wenn es um die Refrains geht. ZP weiß, seine gesamte Sangeskunst an den Mann zu bringen, und da es 'sein' Projekt ist, scheint er mehr Freiraum als bei DragonForce zu haben. Hier wird nicht bedingungslos im High Speed-Bereich geknüppelt; das klingt trotz deutlicher Power Metal-Anteile noch recht moderat.
Theart sagt, dass dieses Album eine Message hat, und zwar für diejenigen, die sie hören wollen. Er selbst stammt von einer abgelegenen Farm im Western Cape Südafrikas und prangert seit Jahren den 'silent genocide' an, dem die Farmer ausgesetzt sind, den Überfällen, der Gewalt und den Vertreibungen. Neben dem politischen Inhalt weiß der gleichnamige Song allerdings auch als richtig gute musikalische Komposition zu überzeugen, wovon sich ein potentieller Käufer dieser Scheibe auch vorab bei einem der bekannten Video-Kanäle einen Eindruck verschaffen kann. Und könnte er mit den anderen Tracks des Albums vergleichen, so würde er merken, dass es sich um den wohl besten Song von "Event Horizon" handelt - ein Anspieltipp allemal..
»Close your eyes on the pillow soft at night
Lock the door hoping everything's alright
Say your prayers knowing nothing is forever!«
Auch die anderen Songs sind sämtlich von - wie bereits angesprochen - hoher Melodiösität gekennzeichnet und das sieht man in mehreren Bereichen. Waren bei DragonForce geschwindigkeitsorientierte Tracks wichtig, so wird man das bei Thearts Nachfolgeband wohl eher vergeblich suchen. Melodie und fast schon hymnenhafte Strukturen (Beispiel: "This Is My Life") stehen ganz oben, lassen aber auch Raum für mächtig Double Bass. Gitarrenarbeit in Form von kernigen Riffs und feinen Soli kommt natürlich auch nicht zu kurz, wenngleich auch hier die Melodie an erster Stelle steht und über allem der Gesang (bei den Refrains gern auch inkl. der Backings) von ZP Theart recht dominant ertönt.
Letztgenannter kann nicht nur bei den knackigen Nummern überzeugen, er zeigt seine Stärke auch (und gerade) bei den Stücken, die tempomäßig mit leicht angezogener Handbremse fahren. Großartig, und übrigens sehr eingängig, kommt in diesem Zusammenhang "Stay A While" rüber, das neben dem Gesang auch wegen der Gitarrenarbeit zu einem weiteren Anspieltipp wird. Nur unwesentlich weniger gewichtig wirken "Cross The Line", wieder mit treibender Double Bass, "In The Air Tonight" oder "Kiss Of Judas".
Dazwischen gibt es die Ballade "King In Ruins", die zwar das Gesangsvermögen des Fronters voll nach außen kehrt, vielleicht aber nicht jedermanns Geschmack ist. Aber egal, mir gefällt es, speziell dann, wenn aus Ballade Power-Ballade wird.
Das bereits angesprochene "Kiss Of Judas" weist ein paar sehr feine Prog-Elemente auf, die dem Track einen zusätzlichen interessanten Touch verpassen und auch bei "Wasted Wonders" möchte ich ein paar Spuren entdecken.
Für mich ein äußerst gelungenes Debütalbum, das sich nachhaltig in meine Gehörgänge gespielt hat, nicht zuletzt wegen der famosen Stimme Thearts, und das einen Stammplatz recht weit vorne im Regal bekommen wird und sich den Weg in den Player sicherlich öfter erschleichen kann.
Ein finales Wort zum aktuellen Wechsel in der Bandbesetzung sei mir noch gestattet. Sowohl den Flitzefinger Andy Midgley als auch den Autodidakten an der Schießbude, Rich Smith, habe ich schon mehrfach live erleben dürfen und bin überzeugt, dass sie die Lücken perfekt zu schließen vermögen, wenn nicht sogar einen zusätzlichen Gewinn darstellen.
Come to Europe, guys, and make it fast!
Line-up:
ZP Theart (vocals, guitars)
Jacob Ziemba (guitars)
Neil Salmon (bass)
Phil Martini (drums)
Tracklist
01:This Is My Life
02:Silent Genocide
03:Stay A While
04:Cross The Line
05:In The Air Tonight
06:King In Ruins
07:Kiss Of Judas
08:Dust 2 Dust
09:Wasted Wonders
10:Pave The Way
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