Saxon /Heavy Metal Thunder - The Movie
Heavy Metal Thunder Movie Spielzeit: ca. 4:30:00
Medium: Do-DVD
Technik:
Bildformat: k. A.
DVD-Format: PAL Region 2
Sound-Format: k. A.
Untertitel: Deutsch, Englisch
FSK 12
Label: UDR/EMI, 2012
Stil: Metal

Review vom 08.12.2012


Jochen v. Arnim
Als Grönemeyer im Jahre 1984 seine Ode an die Zechenschönheit "Bochum" sang, war in der Grubenregion Yorkshires bereits seit acht Jahren ein stählernes Monster namens Saxon zu Gange und erfreute mit einer komplett anderen Stilrichtung. New Wave of British Heavy Metal nannte sich das Ganze und war geprägt von dem ständigen Krach der Schwerindustrie, die sie gebar. Heute, rund 36 Jahre später, hämmern sie immer noch mit Stahl auf Stahl und versorgen uns mit schöner Regelmäßigkeit mit feinem Material. Im vorliegenden Fall handelt es sich mal wieder um eine audiovisuelle Angelegenheit, sprich eine Doppel-DVD (bzw. BRD). Gefühlt ist es gerade mal ein paar wenige Wochen her, dass die Briten mit Heavy Metal Thunder Live - Eagles Over Wacken vor den Tag kamen und jetzt gibt es für den freien Markt schon wieder etwas zum Gucken. Grundsätzlich bin ich ja kein großer Freund dieser inflationären Vermarktung von Material. Man hatte sich aber wohl gedacht, das Eisen schmieden zu müssen, solange es noch heiß ist, denn derzeit steht das Saxon'sche Barometer ja eher wieder auf 'Hoch'. Ganz wie ein Grubenfahrstuhl ständig rauf und runter rauscht, so kann man auch die Karriere der Stahlkocher sehen, die so einige Höhen und Tiefen durchlebt haben. Aus dem Pütt in den Olymp und wieder zurück.
Eben diese Geschichte aufzuzeichnen, ist man an das vorliegende Produkt herangegangen. Der Betrachter wandert mit Biff zurück in die Zeit, als jener noch selber tagtäglich den Korb betrat, um unter Tage die Kohle zu hauen - und seine Erinnerungen daran sind nicht schön. Fast schonungslos erzählen er und seine Mitstreiter von den Anfängen des Musizierens und den Irrungen und Wirrungen noch nicht einmal zwanzigjähriger, junger Mucker, Bergmänner und Familienväter. Der Transport von Band und Equipment durch Nordengland, Ausstieg und Einstieg - selbst der seinerzeit gefeuerte Bassist Steve Dawson kommt zu Wort und es ist ja kein Geheimnis, dass sich die Animositäten seit einem guten Vierteljahrhundert hinziehen. Um Ehrlichkeit und Selbstkritik bemüht, gewährt man ihm sogar richtig anständig 'Sendezeit'. Alleine diese Tatsache gibt vorliegender Dokumentation den Anschein einer eben solchen, und zwar auf recht seriöser Basis. Es kommt alles ziemlich aufrichtig rüber, was da sowohl von Bandmitgliedern erzählt wird, als auch von einigen Wegbegleitern. Lemmy hat natürlich was zu sagen und tut das auch mit dem ihm eigenen Charme. Plaudert, wie er versucht hat, die Jünglinge von Saxon an Schnaps und andere toxische Substanzen zu kriegen. Lars Ulrich kommt zu Wort und "The Movie" erscheint durch die wechselnden Einstellungen und Einspielungen nicht wie eine trockene Abhandlung. Da gibt es Live-Clips, alte Fotos und was-weiß-ich-nicht-noch-alles zur Auflockerung. Die Bandgeschichte hat viel Material zu bieten und die Band bietet hier viel Material. Natürlich gibt es auch hier Grauzonen, die einer möglichen Verklärtheit über die eigene Vergangenheit entstammen und schließlich spielt man ja in einer Heavy Metal-Bandů Unterm Strich bleibt »ein großartiges Vermächtnis, ob man der Band nun 1994 beitrat oder ein Gründungsmitglied ist und um dieses Vermächtnis kümmern wir uns«, so Biff Byford zu dieser Veröffentlichung.
Weil man ja nicht nur von Erzählungen leben kann, haben die allmächtigen Götter über das Vermächtnis auch noch eine beachtenswerte Ladung Boni ausgegraben. Dazu zählen schon mal zwei Konzertmitschnitte, die unterschiedlicher kaum sein können: Saxon vor dreißig Jahren im Beat Club und Saxon knapp dreißig Jahre später anlässlich des St. George's Day. Allein der Mitschnitt vom Beat Club dauert eine gute Stunde und ist es allein schon wegen Biffs intravenöser silberner Spandexhose wert, genüsslich angesehen zu werden. Davor kommen zwei Dokus über Studioaufnahmen und eine gemeinsame Tour mit  Motörhead. "On The Crusade" bietet alte Interviews aus der Studiozeit von der Entstehung des Albums "Crusader", das 1984 auf den Markt kam. Gleiches gibt es aus der Entstehungszeit von Innocence Is No Excuse ein Jahr später. Der umfangreiche Live-Mitschnitt des 2008 gegebenen Konzerts anlässlich des St. Goerge's Day inkl. (wenn mich mein Gehör nicht verlässt) der Hymne "Jerusalem" als ergreifendes Intro und unzähliger sichtbarer Georgskreuze im Publikum, alter englischer Tradition entsprechend. Hier kommen noch einmal rund fünfzig Minuten Live-Atmosphäre zum Videovergnügen hinzu. Als kleines Bonbon gibt es zum krönenenden Abschluss ein kurzes Interview, das Nibbs jun. beim W:O:A 2009 mit Nibbs sen. führt, welches wir aber schon aus der bereits erwähnten Veröffentlichung "Eagles Over Wacken" (April 2012) kennen.
Summa summarum kommen hier so einige Stunden kurzweilig und informativ präsentierter NWoBHM-Geschichte am Beispiel von Saxon auf den Ladentisch. Da ist natürlich auch etwas austauschbares Material dabei, Anekdoten, die wir von anderen Bands so oder so ähnlich schon mehrfach gehört haben. In der Zusammenstellung jedoch haben wir es mit einem tollen Dokument zu tun, das neben dem eigentlichen "Movie" mit richtig satten Boni aufwarten kann. Keines von diesen Produkten, die mal ein Mal anschaut und dann Deko-Zwecken zukommen lässt. Leute, haut Euch das Ding in den Nikolausstiefel oder lasst Santa Claus schleppen.
Tracklist
DVD 1:
Heavy Metal Thunder - The Movie

DVD 2:
Doku - Building The Labyrinth
Doku - The Eagle And The Bomber
Live-Mitschnitt - On The Beat Club, 1981
Special - On A Crusade
Special - No Excuses
Live-Mitschnitt - St. George's Day 2008
Big Nibbs, Little Nibbs
Externe Links: