Wishbone Ash / Clan Destiny Tour,
28.01.2007, Meier Music Hall, Braunschweig
Wishbone Ash Wishbone Ash
Clan Destiny Tour
Meier Music Hall, Braunschweig
28. Januar 2007
Stil: Rock


Artikel vom 31.01.2007


Jürgen Bauerochse
Wishbone AshGar nicht so einfach, über mein erstes Konzert dieses Jahres zu schreiben, ohne Gefahr zu laufen, die treue Leserschaft zu langweilen, denn wie schon seit dem Jahr 2001 steht traditionell Wishbone Ash ganz oben in meinem Terminkalender. Kenner der Band werden sicherlich mit mir übereinstimmen, dass man bei den Konzerten von Andy Powell und seinen Kumpanen nichts falsch machen kann. Fraglos steht die Gruppe für qualitativ wertvolle Rockmusik, die auch noch von absoluten Könnern vorgetragen wird. Wishbone Ash ist also nichts für (Presse-) Leute, die nur auf sensationelle Neuigkeiten aus sind. Da gibt es keine Handgreiflichkeiten auf offener Bühne oder Drogen- und Alkoholexzesse. Es gibt nur eins: Gitarrenrock vom Allerfeinsten!
Wishbone AshSo war ich auch beim siebten Konzert im siebten Jahr immer noch voller Vorfreude auf eine meiner Lieblingsbands, zumal sie diesmal ihre letzte Studio-CD Clan Destiny etwas ausführlicher vorstellen wollten. Man konnte also davon ausgehen, dass ein etwas anderes Set als üblich anstand. Na bitte, da haben wir ja schon mal einen Punkt, der einen erneuten Konzertbesuch voll rechtfertigt.
Wishbone AshDer zweite Grund war der Auftrittsort. Nachdem Andy Powell zu meinem größten Erstaunen den ersten Besuch der Band in Braunschweig in ihrer langen Karriere angekündigt hatte, war ich natürlich doppelt froh hier aufgelaufen zu sein, denn auch für RockTimes war es das erste Mal in dieser Location. Was für eine Parallele: 'Wichtige Band - Wichtiges Magazin'.
Mit der Meier Music Hall geht es ganz stark aufwärts! Aber im Ernst, der Club ist wirklich vom Feinsten. Relativ große Bühne, jede Menge Catering und ein toller Sound machen Lust auf Mehr. Aufgrund des Fassungsvermögens besteht hier auch die Möglichkeit größere Acts auftreten zu lassen. Wir haben uns jedenfalls sehr wohl gefühlt, obwohl man hier nicht mehr von einem reinen Club-Konzert sprechen konnte!
Wishbone AshAls um kurz nach 20.00 Uhr, also zu einer sehr gesitteten Zeit, die Band auf der Bühne erschien, war der Saal sehr gut gefüllt. Allerdings war es mir nicht möglich festzustellen, wie viele Zuhörer insgesamt dem Konzert beiwohnen wollten, denn ein Blick in die hinteren Bereiche war nicht zu erhaschen. Vor der Bühne herrschte jedoch ein ganz schönes Gedränge. Um mich herum waren jede Menge Hardcore-Fans vertreten. So wurde jeder Song lauthals bejubelt und die Refrains in feinster Manier mitgesungen. Meine Hochachtung vor diesem Publikum! Solche Leute wünscht sich sicherlich jede Band bei ihren Konzerten. Kein Wunder, dass sich die vier Briten deutlich sichtbar über diesen Zuspruch freuten.
Wishbone AshSo lief Bassist Bob Skeat, ansonsten relativ ruhig, fast die ganze Zeit mit einem breiten Grinsen im Gesicht über die Bühne und sorgte mit mehreren kleinen Showeinlagen immer wieder für Erheiterung. Auch Andy Powell wirkte relaxt und gut gelaunt. Es ist für mich ein einziges Rätsel, wie dieser Mann ohne jegliche Schnörkel solche Töne aus seiner Gitarre herausholen kann. Er ist eben ein Könner seines Faches. 'Muddy' Maninnen wirkte stets konzentriert und ist inzwischen voll in die Band hineingewachsen. Gab es im Jahr 2005 noch einige Unstimmigkeiten im Zusammenspiel der 'Double Lead Guitars', so wirkt jetzt alles perfekt abgestimmt und verwachsen.
Wishbone AshIm Hintergrund schwang Ray Weston wie gewohnt souverän die Sticks, und spielte sich gekonnt durch seine sehr differenzierten Schlagzeugparts. Die ganze Schießbude vibrierte und erzitterte unter seinen kräftigen Schlägen. Überhaupt muss man festhalten, dass Wishbone Ash an diesem Tag einen ziemlich harten Sound an den Tag legten. Einige Zuhörer vor der Bühne dämpften den Klang schon nach kurzer Zeit mit Papiertaschentüchern oder ähnlichen Hilfsmitteln. Trotzdem war jede Klangvariation deutlich zu hören. Auch das ist ja inzwischen schon zu einem Markenzeichen der Band geworden. Bei dieser Art von Rockmusik ist ein guter Soundmixer einfach unersetzlich, und den scheint Wishbone Ash in ihren Reihen zu haben. Gott sei Dank!
Wishbone AshEs gab noch etwas Neues bei diesem Konzert zu bestaunen. Obwohl die Band durch mehrere Schilder darum bat im Bühnenbereich nicht zu rauchen (!), hielt es sie aber nicht davon ab, eine Nebelmaschine einzusetzen und so auch die optische Stimmung noch zu verbessern. Ich muss sagen, das machte schon etwas her. Wenn die beiden Gitarristen während der Soloarbeit so langsam im Nebel verschwanden oder wieder auftauchten, machte sich wirklich ein ganz eigenes Feeling breit. Da entstand eine richtig abgehobene Atmosphäre, die optimal zur Musik von Wishbone Ash passt.
Wishbone AshApropos Atmosphäre; während des Kultsongs "Phoenix", der diesmal auf ca. 16 Minuten gedehnt wurde, gelangte die Band diesmal in psychedelische Gefilde. Es gab fast magische Klangorgien, die hervorragend in die Struktur des Songs passten. Auch beim "Almighty Blues" konnte man ein abgeändertes Arrangement in die gleiche Richtung erkennen. Das waren wirklich sehr interessante Variationen, die mir sehr gut gefallen haben.
Wishbone AshNeben einigen Songs des aktuellen Albums "Clan Destiny", die natürlich noch nicht jedem Zuhörer geläufig waren, gab es diesmal auch mehrere ältere Aufnahmen aus den Anfangstagen der Band zu hören. Wobei besonders die Alben Argus und "Pilgrimage" im Vordergrund standen.
Auch das war durchaus nicht üblich bei den letzten Gigs und dadurch für mich wieder etwas Besonderes. So vergingen die zwei Stunden doch wie im Fluge. Viel zu schnell waren wir schon beim Zugabenteil, bei dem Wishbone Ash mit "Blowing Free" und dem "Bad Weather Blues" noch mal richtig Gas gaben.

Wishbone Ash Zum Schluss wurden dann aber die Feuerzeuge aktiviert, als bei "Ballad Of The Beacon" die ruhigeren Töne den Raum beherrschten. Ich hoffe, dass auch das nächste Jahr mit einem Konzert von Wishbone Ash beginnt, denn von den Jungs kriege ich einfach nicht genug.
An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich beim Team der Meier Music Hall für die freundliche Aufnahme.
Wir kommen gern wieder!
Außerdem möchte ich noch den Konzertveranstalter A.S.S Concerts erwähnen, der uns schnell und unbürokratisch unterstützt hat.


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