Phil von Pariahlord gab uns die Möglichkeiten, mehr über die Band und die kommende Veröffentlichung "Mirrors" (VÖ 22.11.2024) zu erfahren.
RockTimes: Hallo nach Hagen – meine erste Frage ist etwas, das mich von Anfang an interessiert hat: Was soll uns der Name Pariahlord sagen? Wie seid ihr darauf gekommen? Was oder wer war Eure Inspiration, die Band zu gründen?
Phil Röttgers: Hallo Andrea! Vielen Dank für die Interviewmöglichkeit!
Paria(h) sind die Unberührbaren und die Ausgestoßenen, beides Begriffe, mit denen sich jeder von uns dreien in irgendeiner Form identifizieren kann. In Bandnamen wird immer viel hineininterpretiert und wir lassen hier – wie bei so vielem – auch gern Interpretationsfreiraum.
Der Name stand schon, als Carsten (Gitarrist und Sänger) im Jahr 2019 auf Jan (Bass) und mich (Schlagzeug) zukam und fragte, ob wir mit ihm zusammen als Pariahlord Musik machen wollten. Wir hatten bereits einige Jahre zuvor zusammen in einer Indie-Band gespielt und waren Freunde. Pariahlord entstand, als Carsten nach einer kleinen musikalischen Pause wieder anfing Songs zu schreiben. Diese gingen ziemlich heftig in Richtung Stoner/Doom. Er schrieb fünf Songs, spielte uns beiden die vor und fragte, ob wir dabei sein wollten. Die Antwort war relativ einfach. Den Namen hatte er sich zu dem Zeitpunkt längst ausgedacht.
Ursprünglich wollte er Pariahlord als eine Art Soloprojekt gründen, bei dem Jan und ich mitspielten. Sobald wir jedoch dabei waren, wurde es eine Band und wir haben seitdem alle den gleichen Einfluss. Pariahlord, das sind wir drei.
RockTimes: Das zweite, was mir damals aufgefallen war, war die Machart des Videos zu "Dead Man’s Hand" – das hatte mich ziemlich beeindruckt. Nun, bei dem neuen Video (siehe hier) zu "The Hole In The Wall" fühle ich mich wieder in den 'Wilden Westen' versetzt, allerdings auf andere Art und Weise. Ist das eine rote Linie bei Pariahlord, gibt es eine Verbindung, was sind die Unterschiede und Parallelen?
Phil: Danke, ja, ich erinnere mich, dass Dir das "Dead Man’s Hand"-Video gefallen hat. Wir haben also alles richtig gemacht! Tatsächlich hatten wir damals schon die Idee für ein richtiges Western-Video. Dann kam uns jedoch die Idee mit dem Comic, die einfach cool war. Trotzdem wollten wir immer noch unser 'richtiges' Western-Video drehen. Das konnten wir dann bei "The Hole In The Wall" endlich machen. Die Geschichte des Songs bot sich an, sie basiert wieder auf einer historischen Begebenheit, wie schon "Dead Man’s Hand". Außerdem haben wir eine bestimme Ästhetik, die wir durchziehen und die auch hier zu sehen ist – auch Dank den Leuten hinter den Kameras und aus der 'Art'-Abteilung wie Sasha Xenia und Kate Röttgers.
Es ist also durchaus eine Art rote Linie zu erkennen – vielleicht haben wir aber damit unser Wild-West-Thema nun auch abgeschlossen. Wer weiß? Als Desert-Rocker spielen wir schon gern mit dem Cowboy-Image. Mal sehen, wie es sich in Zukunft entwickelt.
RockTimes: Bleiben wir bei dem ungewöhnlich ruhigen "The Hole In The Wall", was nicht negativ gemeint ist. Und es bleibt ein wenig offen, was uns das Video und der Song selbst sagen soll. Kannst Du uns das näher erklären?
Phil: Wir sind keine großen Freunde davon, unsere Songs zu erklären, wir lassen das bewusst offen. Natürlich steckt hinter dem Song eine Geschichte, in dem Fall eine historische Begebenheit, aber mehr verrate ich nicht. Wenn man das Album hört, wird der eine oder andere Hörer an einer anderen Stelle vielleicht auch einen Bezug zu "The Hole In The Wall" finden – mehr verrate ich aber auch hier nicht. Außer, dass sich damit vielleicht auch erklärt, warum der Song eher ruhig ist.
"The Hole in the Wall" war übrigens der erste Song, den wir für "Mirrors" geschrieben haben und auf dem sich das gesamte Konzept des Albums aufbaute. Ich möchte hier kurz erwähnen, dass der Song von unserem Bassisten Jan stammt, der ihn auf Akustik-Gitarre geschrieben und vorgespielt hat. Carsten und ich haben direkt gesagt: »Das bleibt so, das ist grandios.« Jan spielt auf dem Song auch das Gitarrensolo. Es ist also auch in der Hinsicht ein neuer Schritt, das Songwriting hat sich seit Vultures ausgeweitet.
RockTimes: Von der Single zum bald kommenden Album "Mirrors". Bei dem Titel musste ich spontan an den gleichnamigen Film von 2008 mit Kiefer Sutherland denken. Oder an "Alice hinter den Spiegeln". Zufall oder Absicht?
Phil: Den Film mit Kiefer Sutherland kenne ich gar nicht (aber ich habe gerade mal nachgeschaut und möchte ihn nun gucken!). "Alice" war zumindest kein bewusster Einfluss. Das Album ist definitiv ein Konzeptalbum, das Konzept allerdings sehr subtil. Auch hier will ich nicht zu viel verraten. Ich kann aber sagen, dass zumindest ich mich viel mit Polarität und Dualität beschäftigt habe und das auch einen Einfluss hatte.
RockTimes: Mir ist der Songtitel "Oneironaut" aufgefallen. Dieser Begriff bezeichnet eine Person, der es beim Träumen bewusst ist, dass sie träumt. Dies kommt direkt nach "Nachtmahr", also Albtraum. Wie hängt das zusammen und was ist der Hintergrund?
Phil: Es macht immer Spaß, sich mit Dir auszutauschen, Andrea, weil Du auf Details guckst, wie letztes Mal schon bei "Vrillon". Das freut uns. Wenn jemand bspw. denkt »"Oneironaut? Was hat es damit auf sich?« und dann feststellt: »Moment, hängt das mit dem Nachtmahr zusammen?«, haben wir schon etwas richtig gemacht. Denn natürlich gibt es einen Zusammenhang und einen Hintergrund.
Es gibt ein übergeordnetes Konzept hinter "Mirrors" und bestimmte Songs hängen auch zusammen. Was eine schöne Überleitung zu Deiner nächsten Frage ist …
RockTimes: Weitere Titel fand ich von Wort her interessant: "Dogma", "Enigma", "Elysion" und "Infernal". Was gibt es dazu zu sagen? Gibt es ein inhaltliches Konzept?
Phil: Es gibt ein inhaltliches Konzept, das ich aber jetzt nicht komplett darlege. Du hast aber die Grundideen schon erkannt und damit sicher dem einen oder anderen Hörer ein Türchen geöffnet. Die Titel sind durch die jeweiligen Songthemen bestimmt. Wie sie darüber hinaus zusammenhängen? Hört sie euch an!
RockTimes: Nun überlasse ich Euch das Feld. Erzählt doch mal ein wenig mehr über diese Scheibe, wie ist sie entstanden, was hat sich aus Eurer Sicht darauf zum Vorgänger "Vultures" geändert?
Phil: "Vultures" ist im Herbst 2022 rausgekommen, danach waren wir erstmal bis Anfang 2023 auf Tour. Dann gab es eine kurze Bandpause. 2023 hatten wir nur einige Einzelgigs im zweiten Halbjahr, der Fokus lag definitiv auf dem Schreiben des neuen Albums. Tatsächlich hatten wir "The Hole In The Wall" schon im Sommer 2022 geschrieben, also noch bevor "Vultures" herauskam. Jan hatte uns den Song vorgespielt, wir haben uns zu dritt in Carstens Wohnzimmer hingesetzt und den zu Ende geschrieben, so wie man ihn heute hört.
Dadurch entstand dann die Grundidee für "Mirrors" und 2023 haben wir dann die restlichen Songs geschrieben. Jeder kommt mit Ideen und wir jammen dann zusammen. Wir haben schnell festgestellt, dass wir experimenteller und progressiver geworden waren, aber auch doomiger. Wir haben auf "Mirrors" komplexere Songstrukturen und Rhythmen, sind aber auch sehr schwer, und auch inhaltlich haben wir uns weiterbewegt – es wird ein wenig tiefgründiger, aber auch emotionaler.
Dann haben wir für Februar/März 2024 Studiotime bei Martin Buchwalter im Gernhart Studio in Troisdorf geblockt. Martin hatte schon "Vultures" produziert und wir wollten unbedingt wieder mit ihm zusammenarbeiten – und er zum Glück auch mit uns. Wie beim letzten Mal auch, haben wir den letzten Song erst wenige Tage vor dem Studiobesuch fertig geschrieben (ich verrate nicht welchen) und haben uns dann wieder eine Woche bei Martin eingeschlossen. Wir wohnen dann auch dort, das heißt, wir sind mit ihm zusammen in einer Blase, was grandios ist. Natürlich gehen wir zwischendurch und abends mal auf ein Bier raus, aber insgesamt sind wir da nur für uns und mit der Albumproduktion beschäftigt. Martin hat uns einen etwas anderen, aber für die Songs unfassbar passenden Sound verpasst und einige sehr coole Ideen eingebracht. Jan hat mal gesagt, dass "Vultures" noch das Kalibrieren von uns dreien als Band und Songwriter war. "Mirrors" ist jetzt das nächste Level – wir drei haben uns als Band gefunden.
RockTimes: Habt Ihr abschließend noch etwas, was ihr mitteilen möchtet?
Phil: "Mirrors" kommt am 22. November 2024 auf dem Label Timezone Records heraus. Wir hoffen, dass es euch gefällt, und bedanken uns bei euch allen für den Support. Danke auch Dir, Andrea, und danke RockTimes für die Möglichkeit, uns hier vorzustellen. Wir hoffen, es war nicht das letzte Mal. Ciao!
RockTimes: Umgekehrt danke ich dem Pariahlord Phil für seine ausführlichen Antworten und die Einblicke in den Schaffensprozess der Band und die Entstehung des neuen Albums. Auch wenn manches bewusst offen gelassen wurde, hat mir die Kommunikation nicht nur gut gefallen, es ist zudem gelungen, dazu anzuregen, sich näher mit der Musik, insbesondere mit dem neuen Album "Mirrors", zu beschäftigen.
Netterweise wurde RockTimes dieses bereits zur Verfügung gestellt, so dass ich es hören konnte – und zwar sowohl vor und nach den Erklärungen dazu, also auch unbeeinflusst und dann erneut mit Hintergrundwissen, was einiges bestätigt bzw. erweitert hat. Es stimmt, "Mirrors" ist doomiger, düsterer und auch tiefgehender ausgefallen. Die Songs wirken einheitlicher, ein zugrunde liegendes Konzept ist spürbar und das ist nicht nur bei den Titeln, sondern ebenfalls bei der Musik zu spüren.
Neben dem bereits vom Video bekannten Akustik-Stück "The Hole In The Wall" ist auch "Nachtmahr" (mein Favorit auf der Scheibe) zumindest anfangs ruhig und gar nicht so heavy und finster, wie der Titel vielleicht erwarten lässt, steigert sich dann, wird intensiv. Gerade das macht seine Atmosphäre und Wirkung aus, vor allem in Kombination mit "Oneironaut", das vielschichtig und stellenweise komplex ist. Wobei die nachfolgenden Songs dem auch nicht viel nachstehen. Mal ist das Ganze eher doomig, mehr mal in die Stoner Richtung gehend, insgesamt in sich schlüssig gemacht.
Um es symbolisch zu beschreiben: Die drei Geier von Pariahlord sind nun noch mehr zu einem Geier mit drei Köpfen verschmolzen.



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