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Man / Live At Rockpalast 1975 – CD + DVD-Review

Man - "Live At Rockpalast 1975" - CD + DVD-Review

Die aus Wales stammende Band Man genießt bis heute so etwas wie einen Kult-Status, den sie sich speziell mit den elf Alben der ersten Schaffens-Periode von 1969 ("Revelation") bis 1976 ("The Welsh Connection") aufgebaut hatte. Ende 1976 war dann erst mal Feierabend, bevor im Folgejahr noch ein Live-Album ("All’s Well That Ends Well") als Abschiedsgeschenk für die Fans und zur Erfüllung des Plattenvertrages vorgelegt wurde. Kurz davor, sprich im Juli 1975, war das zehnte Studioalbum "Maximum Darkness" erschienen und nochmal drei Monate davor, am 17. April, war die Band zu Gast im WDR-Studio in Köln, um einen etwa einstündigen Gig für den Rockpalast einzuspielen.

Im Bewusstsein des Rezensenten stand die Musik von Man immer für sich selbst, ein ganz eigenwilliges Gebräu aus Psychedelic Rock mit den unterschiedlichsten Einflüssen aus anderen Genres. Sicher sind hier immer wieder mal Vergleiche mit anderen Bands (beispielsweise Quicksilver Messenger Service) nicht ganz von der Hand zu weisen, dennoch hatten die Waliser ihre sehr eigene Handschrift gefunden. Bis zum Frühling 1975 hatte es bereits jede Menge Line-up-Wechsel gegeben, an jenem April-Abend standen jedenfalls Deke Leonard (R.I.P.), Martin Ace, Terry Williams sowie Micky Jones auf der Bühne.

Der Abend wurde mit dem Opener des bis dato noch nicht veröffentlichten "Maximum Darkness", nämlich "7171-551" mit satten elf Minuten Spielzeit eröffnet, bevor es mit dem 'relativ' kurzen "Hard Way To Die" (aus dem Album "Slow Motion", 1974) weiterging. Anschließend wurde das Herzstück, sprich der mit über 23 Minuten längste Track des Abends, "C’mon" (von der Platte "Back Into The Future", 1973) gezockt, bei dem dann so richtig die Post abging. Nicht, dass dies bei den vorherigen Stücken nicht der Fall gewesen wäre, aber hier kann man sich aufgrund der langen Spielzeit sowie den ausgiebigen Soli so richtig in der Nummer verlieren.

»In der Kürze liegt die Würze« wird sich das Quartett anschließend gedacht haben, denn mit "Someone Is Calling" sowie "A Hard Way To Live" folgen zwei Tracks, die es zusammen nicht mal auf sechseinhalb Minuten schaffen. Musikalisch dennoch klasse, bringen diese kürzeren Werke zusätzlich ein bisschen Frische mit rein. War der Gesang auch nie die größte Stärke der Briten, so passt er dennoch sehr gut zum gebrachten Sound. Dazu gehen die Gesangslinien von "Someone Is Calling" auch direkt richtig gut ins Ohr, während "A Hard Way To Live" deutlich geradliniger und genau zwischen die Lichter gespielt rüber kommt. Klasse!

Die vier Musiker verabschiedeten sich dann zunächst von der Bühne, um »…eine Tasse Tee…« zu sich zu nehmen, um anschließend für das bärenstarke "Many Are Called, But Few Get Up" zurück zu kehren. Nach einem sanften verspielten Anfang, zu dem sich langsam der Gesang gesellt, steigert sich das Stück immer mehr, wird immer treibender und psychedelischer. Die Nummer baut im Verlauf jede Menge Spannung auf, bevor sie am Schluss nahezu in sich zusammenfällt und den Abend beendete. Ist der Spaß vorbei, will man eigentlich noch viel mehr und trauert den späteren Rockpalast-Sendezeiten von mindestens neunzig Minuten nach.

"Man – Live At Rockpalast 1975" ist bereits 2014 zum ersten Mal veröffentlicht worden, aber wer sein Glück damals verpasst hat, kann jetzt glücklicherweise wieder zuschlagen und sich das Teil ins heimische Wohnzimmer holen. Nach der ersten Band-Auflösung kam es immer wieder zu – mal mehr und mal weniger gelungenen – Reformationen und Man ist, mit Martin Ace als einzigem verbliebenen Mitglied aus den Siebzigern, nach wie vor aktiv. Und auch bei den Alben, wie beispielsweise dem 2021er Anachronism Tango, gibt es nach wie vor leckere Sachen zu entdecken.


Line-up Man:

Micky Jones (guitar, vocals)
Deke Leonard (guitar, keyboard, mouth organ, vocals)
Martin Ace (bass, vocals)
Terry Williams (drums, vocals)

Tracklist "Live At Rockpalast 1975":

  1. 7171-551 (11:11)
  2. Hard Way To Die (6:54)
  3. C’mon (23:21)
  4. Someone Is Calling (2:59)
  5. A Hard Way To Live (3:23)
  6. Many Are Called, But Few Get Up (12:27)

Gesamtspielzeit: 60:11 (CD), 66:00 (DVD), Erscheinungsjahr: 2025 (1975)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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