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Ten Years After / Cricklewood Green – 2026 Remaster – 2CD-Review

Ten Years After - "Cricklewood Green - 2026 Remaster" - 2CD-Review

Wie kann es passieren, dass ein jahrzehntelanger Musik-Fan, dessen absolute Lieblings-Dekaden die Sechziger und Siebziger waren und sind, die frühen Alben von Ten Years After nicht kennt? Zumal er im zarten Alter von 15 Jahren bei seinem erst zweiten Konzert den leider schon verstorbenen Alvin Lee – der damals unter dem Namen Ten Years Later oder vielleicht auch Alvin Lee & Ten Years Later unterwegs war – livehaftig auf der Bühne sah. Die Lösung dazu gibt es später, momentan dreht sich jedenfalls pausenlos das im Jahr 2026 remasterte vierte Studioalbum der Band, nämlich "Cricklewood Green", in meiner Anlage. Aufgenommen im Jahr 1969, noch vor dem legendären Auftritt beim Woodstock Festival, brachte die Band mit dem Produzenten Andy Johns (der jüngere Bruder von Glyn Johns) sehr cool auch so einige psychedelische Elemente in ihren Sound ein. Und obendrein ist hier das neben "Going Home" mit "Love Like A Man" wohl zweitbekannteste Stück der Band vertreten.

"Sugar The Road" startet die Scheibe nach einigen Sound-Spielereien noch relativ relaxt im klassischen und starken (der Rezensent hat sich mittlerweile natürlich auch in die früheren Alben reingehört) Ten Years After-Blues Rock, bis dann mit "Working On The Road" das erste absolute Highlight ansteht. Ein nach vorne treibender Rhythmus inklusive deutlich zu hörender Orgel mündet schließlich in einen supercoolen Refrain, der sich – wie die gesamte Nummer – direkt beim ersten Anhören als Gewinner herausstellt. Mit "50,000 Miles Beneath My Brain" geht es bärenstark weiter. Und hier kommen dann auch psychedelische Einflüsse mit ins Spiel, die der Musik jedoch fantastisch stehen. An dieser Stelle ist es auch mal an der Zeit, die Arbeit von Produzent Andy Johns zu würdigen. Tatsächlich hat "Cricklewood Green" den Hörer nach den ersten drei Tracks bereits 'in der Tasche'. Fast so was wie ein kleiner Stil-Bruch schließt sich mit der Country-Ballade "Year 3,000 Blues" an, das man aber ebenfalls gerne mitnimmt.

Außer dem unwiderstehlichen "Love Like A Man", über das man wohl keine Worte mehr verlieren muss, überzeugen auch die restlichen Songs "Me And My Baby" sowie das ruhigere "As The Sun Still Burns Away". Ein besonderes Highlight für mich ist auch noch das mit Akustik-Gitarre vorgetragene "Circles", das mit einer dichten Atmosphäre punktet. Als Bonus sind auf dieser Neuauflage die Single-Version von "Love Like A Man", die beiden eigentlich auch guten (es wird wieder mit psychedelischen Effekten gespielt) Outtakes "To No One" sowie "Warm Sun" und schließlich der bisher unveröffentlichte "Cricklewood Jam" enthalten. Die letztgenannte Nummer ist ein relativ kurzes bluesiges Instrumental, das aber eine schöne Ergänzung darstellt.

Das Gros des Bonus-Materials ist allerdings auf der zweiten CD enthalten, die das komplette zweite Set des Konzerts der Band vom 27. Februar 1970 im legendären New Yorker Fillmore East enthält. Wie mein Ex-Kollege Manni bereits in diesem Magazin angemerkt hat, handelt es sich nicht um dieselben Songs, die man auf auf dem vor etwa 25 Jahren veröffentlichten "Live At The Fillmore East" findet. Der Rezensent ist zwar kein großer Fan der Live-Aufnahmen von Ten Years After, muss aber zweifellos zugeben, dass das Quartett da ganz schön Feuer unter dem Dach (man höre sich nur mal "I Can’t Keep From Crying Sometimes" an) gemacht hat. Respekt und ein sehr bereichernder Bonus zum Original-Album.

Ach ja, um den Anfangsgedanken zu Ende zu führen: Nach dem am Anfang des Reviews erwähnten Konzert hatte ich die Band einige Jahre nicht mehr auf dem Schirm, entdeckte für mich jedoch andere englische artverwandte Bands wie unter anderem Fleetwood Mac (mit Peter Green) und Chicken Shack. Von den Mannen um Stan Webb habe ich in den späten Achtzigern bis weit in die Neunziger kein logistisch irgendwie erreichbares Konzert verpasst und bei vielen dieser Veranstaltungen trat neben Chicken Shack auch Alvin Lee auf. Damals waren für mich Chicken Shack immer die glasklaren Gewinner dieser Abende. Und beim Anhören der dieser Ausgabe beigefügten Live-CD wurde mir dann auch wieder klar, dass genau dies der Grund war, warum ich nie tiefer in die Musik von Ten Years After eingestiegen bin. Zuviel Gefrickel, zu viele Noten innerhalb kürzester Zeit. Im Prinzip genau das, was der Band durch den Woodstock-Film zum Durchbruch verhalf. Naja, pure Geschmackssache eben, denn dass Alvin Lee ein großartiger Gitarrist war, steht außer Frage.

Das Studioalbum "Cricklewood Green" geht mir dagegen runter wie Öl, verfügt mit "Love Like A Man", "Working On The Road" sowie "50,000 Miles Beneath My Brain" über drei bärenstarke Songs, während sich der Rest der Scheibe und die Bonus Tracks ebenfalls alles andere als verstecken müssen. Wird dann wohl doch Zeit, dass ich mir auch das gleichnamige Debütalbum, "Stonedhenge", "Ssssh…" sowie Watt mal genauer zur Brust nehme.


Line-up Ten Years After:

Alvin Lee (acoustic & electric guitars, vocals)
Leo Lyons (bass)
Ric Lee (drums)
Chick Churchill (organ, piano, harpsichord)

Tracklist "Cricklewood Green – 2026 Remaster":

CD 1 – "Cricklewood Green":

  1. Sugar The Road
  2. Working On The Road
  3. 50,000 Miles Beneath My Brain
  4. Year 3,000 Blues
  5. Me And My Baby
  6. Love Like A Man
  7. Circles
  8. As The Sun Still Burns Away
  9. Love Like A Man (single edit – bonus track)
  10. Warm Sun (outtake – bonus track)
  11. To No One (outtake – bonus track)
  12. Cricklewood Jam (demo – bonus track)

CD 2 – "Fillmore East, February 27th 1970, Set Two"

  1. Love Like A Man
  2. Good Morning Little Schoolgirl
  3. Working On The Road
  4. 50,000 Miles Beneath My Brain
  5. I Can’t Keep From Crying Sometimes
  6. I’m Going Home
  7. Sweet Little Sixteen

Gesamtspielzeit: 51:03 (CD 1), 62:35 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2006 (1970)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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