Seit der ReDrova-Veröffentlichung ist schon einiges an Wasser den Rhein runter geflossen. Steve und Nick Balkun melden sich mit "Devil On TV" beim interessierten Hörer zurück und servieren ihm zehn Songs, die fast ausschließlich Eigenkompositionen sind. "Thursday" stammt von Mark Sandman von der Alternative Rock-Band Morphine und die Credits zu "Backdoor Man/Five To One" gehen zurück auf Willie Dixon sowie The Doors. Unter anderem wird die vorliegende Platte Jimi Hendrix, Johnny Winter beziehungsweise Lemmy Kilmister gewidmet.
Mit einem Blick auf die Gästeliste fällt ein gewisser DJ Miles Elliot auf. Der bedient die Turntables in "So Hi. So Lo." und "Hey Kid". Ein DJ beim allgemein ziemlich robust-rustikal ausgelegten Blues Rock der Balkun Brothers überrascht schon. Außerdem spielen auch noch die Saxofonistin Dana Colley, Posaunist Scott Flynn und Sam Moss (Violine) mit. Da lohnt es sich vielleicht, sich gleich die gerade erwähnten Nummern oder "K. F. K." mit dem Streicher rein zu tun.
Es ist erstaunlich, welch einen kompakten Sound dieses Duo, man verzichtet auf einen Bassisten, hinbekommt, zumal die Gäste ja nur bei drei der zehn Liedern vertreten sind. Für die tiefen Töne sorgt Steve Balkun mit einem »[…] Thumb-Bone Bass[…]«.
"So Hi. So Lo." kommt mit einer Megafon-Stimme und einem psychedelischen Touch aus den Startlöchern. Steve Balkun macht mächtigen Alarm mit seinem Sechssaiter und wo ist nun der DJ Miles Elliot? Zunächst hört man von ihm nichts im dynamischen Treiben. Ah, man lässt es ruhiger angehen. Ja, das tut sich etwas im Hintergrund. Der Plattenspieler-Beitrag ist hier eher im Gesamtsound des Liedes untergebracht. Passt schon in die Psychedelic. Genauso wie die Posaune von Scott Flynn.
"Hey Kid" beginnt mit LP-Scratching und diese Nummer so cool. Mit ihren großformatig-metallischen Riffs und der Saxofonistin Dana Colley präsentiert sich das Stück als ein Song, der über eine hohe Intensität verfügt. Der Hörer hat den Eindruck, als sei bei dieser Komposition phasenweise improvisiert worden. Hier passen die ganzen Hintergrundgeräusche auch noch perfekt. Tolles Arrangement! Großes Kino!
Der Songtitel drückt es schon aus. Bei "Yardgoat Boogie" ist tatsächlich der Boogie à la Canned Heat angesagt. Allerdings hobeln die Balkun Brothers eher die grobe Blues-Späne. Eine solche Nummer kann man sich den ganzen Tag über anhören, zumal hier auch noch die mit dem Bottleneck gesteuerte E-Gitarre das Zepter in der Hand oder besser, am Finger, hält. Klasse Stück!
Wie arrangiert man das Violinenspiel von Sam Moss im letzten "K. F. K."? Mit fast sieben Minuten lassen sich die Balkun Brothers im Vergleich zu den einigen anderen Nummer ganz schön viel Zeit. Da besteht die Möglichkeit, dass sich etwas Besonders entwickelt. Weitreichender Blues mit einem Touch von Psychedelic macht sich auf den Weg zum Gefallen beim Hörer. Hier und da blitzen ganz schön harte Sounds auf. Wo, bitte schön, soll denn da noch Platz für ein Streichinstrument sein? Nach der Hälfte der Spielzeit dominiert jedenfalls immer noch die stramm rockende E-Gitarre. Ein Break, es wird fast schon balladesk und jetzt setzt Sam Moss einige klangliche Akzente, die ebenfalls eine Hauch von Psychedelic verspüren lassen. Diese Szenerie wiederholt sich nochmals und die letzten etwa dreißig Sekunden gehören einem Treiben, das einer Art Jahrmarkt gleich kommt. So, wie die Platte im Opener eingeleitet wurde. Die Balkun Brothers setzen ein besonderes Ausrufezeichen ihres Könnens. "Backdoor Man/Five To One" ist vom Gesang her verfremdet und fast so überspannt, wie man es früher von Jim Morrion her kannte.
Ob mit oder ohne Bottleneck, die Gitarre wird virtuos-furios dargeboten und überhaupt mögen es die beiden Brüder hart aber gut. Der rustikale, unverbrauchte, raue Blues ist ihr Ding und das bringen sie mit viel Engagement und Erfolg an die Leute vor den Lautsprechern. "Devil On TV" ist etwas für 12-Takter-Anhänger, die auf der Suche nach etwas Ungewöhnlichem in diesem Genre suchen.
Line-up Balkun Brothers:
Steve Balkun (guitar, thumb-bone bass)
Nick Balkun (drums)
Special Guests:
Dana Colley (saxophone – #6)
Scott Flynn (trombone – #3)
Sam Moss (violin – #10)
DJ Miles Elliot (turntables – #3,6)
Tracklist "Devil On TV":
- Don’t Be Afraid (4:08)
- New Rocket (3:05)
- So Hi. So Lo. (6:39)
- Slippin' Stone (3:03)
- Devil On TV (3:09)
- Hey Kid (4:24)
- Backdoor Man/Five To One (6:27)
- Yardgoat Boogie (4:28)
- Thursday (4:04)
- K. F. K. (6:59)
Gesamtspielzeit: 47:00, Erscheinungsjahr: 2017



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