Manchmal braucht es etwas anderes, etwas Frisches. Ich schau aus dem Fenster, der Regen plätschert vor sich hin, da hat man keine Lust auf Musik, die einen runter zieht. Fröhlich, locker könnte sie sein, da kommen die Mo Lowda & The Humble gerade recht.
Das Trio aus Philadelphia hat sich in seiner Heimat bereits eine große Fangemeinde erspielen können und tourt derzeit durch Amerika. Im Frühjahr 2019 wollen sie, mit ihrer neuen Scheibe im Gepäck, Deutschland erobern. Man darf gespannt sein.
"Creatures" ist mittlerweile das dritte Album der Band. Gleich nach dem kurzen, sehr entspannten Intro "Creature I" folgt "Card Shark". Unterlegt mit vielen »Ooohhhhhs« und »Aaahhhhs« im Refrain, leicht grummelnden Gitarren und einem sehr prägnanten Gesang fluppt dieser Track doch tatsächlich sofort ins Ohr, wie ein Zäpfchen auch wenn es mal einen kurzen rhytmischen 'Ausflug' gibt. Den Abschluss bilden perlende Pianoklänge und eine kurze Percussion-Einlage. Ein Hammersong! Hat die Truppe ihr Pulver gleich zu Anfang verschossen? Denn mit diesem Stück wurde die Messlatte doch recht hoch gelegt.
Meine einzige Sorge: Hält man als Hörer diese ständigen »Ooohhhhhs« und »Aaahhhhs« eine komplette CD lang durch, denn es sollen noch einige davon folgen. Nun, bei einer Gesamtspielzeit von rund 34 Minuten ist das sicher machbar, zumal sich die Nummern durchaus als abwechslungsreich gestaltet rausstellen. Einerseits wird immer wieder mit kleinen Effekten gespielt – ein schönes Beispiel dafür ist die Up Tempo-Nummer "6-7", in der völlig unvermittelt bei Minute 2:00 ein Glockenspiel eingefügt wurde. Andererseits legt man viel Wert auf eine facettenreiche Struktur im Song-Aufbau, wie in dem doch recht rockigen "Standing In Place" (hier erinnert mich Caiolas Stimme phasenweise an Tito Larirva) oder dem ordentlich nach vorn galoppierenden "Piece Of The Pie". Aber alles wird wohldosiert verabreicht, ist dennoch ein Zeichen dafür, dass man bei den Arrangements der Songs sehr viel Liebe ins Detail gesteckt hat. Ab und an klingt man sogar mal ein bisschen retro, was aber nicht als Nachteil gewertet werden soll.
Bei "Why’d It Take So Long" schauen auch schon mal die Kings Of Leon um die Ecke und "Tied Up" hat einen leichten Touch von The Cure, nur fehlt deren Melancholie.
Die beiden titelgebenden Instrumental-Stücke "Creature I" und "II" wurden übrigens von Jeff Lucci ganz allein eingespielt.
Faszinierend ist außerdem Jordan Caiolas' sehr ausdrucksstarke Stimme, die von brüchig, flehend über wütend bis hin zu überdreht alles bietet, um für eine ordentliche Achterbahn der Gefühle zu sorgen. Und natürlich trägt auch Drummer Shane Woods nicht unerheblich zum Gelingen der musikalischen Darbietungen bei.
Ich denke, die Amerikaner haben es geschafft, den Bogen geschickt zwischen anspruchsvollem Indie-Rock und massenkompatibler U-Musik zu schlagen. Ob die Stücke es dennoch ins Radio schaffen, wage ich zu bezweifeln, denn gute handgemachte Musik hat es dort schwer.
Antesten lohnt sich auf jeden Fall.
Line-up Mo Lowda & The Huble:
Jordan Caiola (vocals, guitars)
Shane Woods (drums, percussion, piano, backing vocals)
Jeff Lucci (bass, keyboard, piano, synths)
Tracklist "Creatures":
- Creature I
- Card Shark
- Why’d It Take So Long
- Standing In Place
- Shells
- 6-7
- Tied Up
- Piece Of The Pie
- Creature II
- New Tide
Gesamtspielzeit: 34:17, Erscheinungsjahr: 2018



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