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Pigeons Playing Ping Pong / Presto – CD-Review

Pigeons Playing Ping Pong / Presto – CD-Review

Die Band mit dem unkonventionellen Namen Pigeons Playing Ping Pong kommt aus Baltimore, Maryland und existiert seit 2009. Bereits ein Jahr später erschien ihr erster Longplayer mit dem Namen "Funk E P". Es folgten "Psychology" (2014), "Pleasure" (2016) und 2017 "Pizazz". Das vorliegende "Presto" ist die Nummer fünf im Bandkatalog.

Kennengelernt haben sich die Musiker am College der University of Maryland. Damals noch mit Dan Schwartz am Schlagzeug, der 2015 von Alex 'Gator' Petrolulos abgelöst wurde. Musikalisch sind die Vier der Jam Rock-Szene zuzuordnen, was sich auch daran zeigt, dass Touren mehr bedeutet, als das sonst im Business üblich ist, Etwa 200 Shows werden pro Jahr absolviert und neben weiteren Auftritten auf Festivals haben Pigeons Playing Ping Pong von Anfang an ihr eigenes und alljährlich stattfindendes Festival, das Domefest, im Terminplaner. Und wie es sich für eine Jamband gehört, haben die Fans einen Namen: The Flock.

Elf Tracks befinden sich auf dem knapp eine Stunden langen Album, was für das Genre relativ kurze Titel bedeutet. Es sind allerdings Studio- und keine Liveaufnahmen. Live geht da eine Nummer schon mal in Richtung halbe Stunde. Allerdings haben es auch die relativ kurzen Pendants in sich und man kann sich vorstellen, was für Monster bei den Shows daraus entstehen. Das längstes Stück dauert übrigens sechseinhalb Minuten und wird seinem Namen gerecht: "Avalanche" rollt in der Tat wie eine Lawine unaufhaltsam dem Tal entgegen. Die Rhythmusgitarre webt einen dichten Wah Wah-Teppich, die Sologitarre zieht unbeirrt teils sphärische Spuren. Leichte elektronische Tupfer sorgen in dem Instrumental für das gewisse Extra.

Gestartet wird auf "Presto" allerdings mit einem Funk-Rocker, der gewaltige Bläserattacken der Here Come The Mummies Horns bietet. Durch die Hörner klingt das erstmal nach schwarzem Funk alter Schule. Dazu trägt auch das Spiel der Rhythmusgitarre sowie der teils geslappte Bass bei. Die Leadgitarre setzt sich dann ab und brilliert über einem furios gespielten Schlagzeug. Und damit wären wir auch schon bei der Stilistik der Ping Pong spielenden Tauben. Funk Jam mit Psychedelic-Einfluss, heißt es. Aber keine Angst, was sich ungewöhnlich anhört, ist ganz einfach herrlich gespielter, frischer Jam Rock mit einem Funk-Einschlag, der hauptsächlich durch das quirlige Spiel der Rhythmusgitarre in Verbindung mit dem brodelnden Duo aus Bass und Drums vermittelt wird.

Des Weiteren sind bekannte Zutaten von Truppen wie Phish, moe., Umphrey’s McGee, Achilles Wheel, in Prisen auch etwas Captain Legendary Band und vielleicht auch ein Mü der frühen Jupiter Coyote vorhanden. Auch in "Fortress" gibt es durch die West End Blend Horns Gebläse-Einsatz, der im Gegensatz zum Opener allerdings mexikanisch und nicht funkig daherkommt. Ein schönes flottes Jam-Stück, wie das ebenfalls mexikanisch angehauchte "Yo Soy Fiesta".

Dass Pigeons Playing Ping Pong überhaupt mit Funk in Verbindung gebracht wird, bzw. dieses selbst so sehen, liegt wohl hauptsächlich am Groove, den vor allem Rhythmusgitarre, Bass und Drums vorgeben. Mit Ausnahme des Openers "King Kong", der in der Tat schwarz gefärbt ist, ergibt das eine äußerst quicklebendige und brodelnde Mischung. Veredelt wird das durch geniale Ingredienzen, wie zum Beispiel die Allman-Gitarre in "Dawn A New Day", die Bob und Jerry-Spielweise in "High As Five" oder leichte Jazzattitüden bei "Sail On".

Mehr Jazz-Touch weist "Havana" auf. Dieses Stück atmet daneben eine Spur Latin und zeigt schön, dass, egal welche Stilistik einer Nummer gerade innewohnt, die Leadgitarre (und nicht nur die) stets die passenden Zutaten in den Melting Pot streut. Herrlich auch das lässige "Snake Eyes", das einer Sekante gleich, einen Kreis durchläuft, der teils mit Psychedelic und teils mit der gewissen Spur lockerer, südamerikanischer Relaxtheit gefüllt ist.

Man könnte jeden Track auf "Presto" akribisch sezieren und würde immer wieder feststellen, wie gekonnt die vier (jungen) Musiker zu Gange sind. Da passt einfach alles bis ins Detail. Pigeons Playing Ping Pong – ein Name, den man sich merken muss.

Zum Schluss: Wie es sich für eine Jamband gehört, darf man sich auf archive.org bedienen.


Line-up Pigeons Playing Ping Pong:

'Scrambled' Greg Ormont (lead vocals, guitar)
Jeremy Schon (guitar, vocals)
Ben Carrey (bass, vocals)
Alex 'Gator' Petrolulos (drums, electronics, vocals)

Guests:

Here Come The Mummies Horns (- #1)
West End Blend Horns (- #6)
Mike Guzman (Spanish announcer vocals – #7)

Tracklist Presto:

  1. King Kong
  2. Dawn A New Day
  3. High As Five
  4. Sail On
  5. Avalanche
  6. Fortress
  7. Yo Soy Fiesta
  8. Overrun
  9. Havana
  10. Snake Eyes
  11. Skipjack

Gesamtspielzeit:58:08, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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