Wahrscheinlich ist der Name Harry Chapin heute gar nicht mehr so vielen Musik-Freunden geläufig, seine Arbeit kennen sie jedoch garantiert. Und zwar spätestens dann, wenn man die Band Ugly Kid Joe sowie den Song "Cat’s In The Cradle" ins Spiel bringt, der von Chapin geschrieben und im Original aufgenommen wurde. Seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte der Amerikaner in einer Band mit seinen beiden Brüdern Stephen und Tom sowie seinem Vater James Forbes 'Jim' Chapin, genannt The Chapin Brothers. Seinen ersten, bereits dick dotierten, Solo-Vertrag unterschrieb er im Jahr 1972 bei Elektra Records und konnte mit dem Debütalbum "Heads & Tales" bereits große Erfolge (Gold in den USA, Platin in Kanada) einfahren. Seine erfolgreichste Zeit hatte er von 1973 bis 1975 (inklusive des Top-Sellers "Verities & Balderdash", 1974), bevor die Kurve in der zweiten Hälfte jener Dekade dann langsam, aber stetig sank.
Harry Chapin ließ sich nicht erwähnenswert oft in Europa blicken, aber eine der Ausnahmen fand im Jahr 1977 statt. Während dieser Tour spielte er unter anderem am 11. April ein Konzert für Radio Bremen ein, von dem die Aufnahmen der mir nun vorliegenden Scheibe stammen. Der Musiker und seine Band präsentierten sich damals gut gelaunt und eingespielt, wobei der Protagonist jederzeit im Vordergrund steht, während die Band ihn dezent, aber akzentuiert und effektiv unterstützt. Bei den ruhigeren, melancholischeren Stücken sorgt vor allem das Cello von Kim Scholes für eine dichte Atmosphäre, während das Piano für einen angenehmen Wohlfühl-Sound sowie Doug Walker an der Manoline und zweiten Gitarre für die die solistischen Aktivitäten zuständig ist. Die Drums klingen einerseits locker und flockig, andererseits vom Jazz beeinflusst swingend und der Bass von 'Big' John Wallace hält den ganzen Laden felsenfest auf dem Boden der Tatsachen.
Es gibt durchaus Höhepunkte auf "Some More Stories…" wie etwa das bereits erwähnte "Cat’s In The Cradle", das fast schon zerbrechlich wirkende "Mail Order Annie", das richtig gute "W.O.L.D." oder das coole "Taxi/Six-String Orchestra", aber auf dieser Platte befinden sich auch Stücke, die zwar okay sind, zumindest den Rezensenten aber auch nicht unbedingt vom Hocker hauen. Die eher sparsame Instrumentierung ist sicherlich auch darauf zurück zu führen, dass Chapin sehr viel Wert auf seine (zugegebenermaßen wirklich guten) Texte legte und sich selbst als 'Geschichtenerzähler' verstand. In seinen Stories ging es dabei sehr oft um Menschen, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens standen. Harrys Bruder Stephen am Piano brachte mit "Let Time Go Lightly" eine Solonummer, die sich aus dem restlichen Material zwar nicht hervorhebt, allerdings auch nicht abfällt.
Die Nummer "30.000 Pounds Of Bananas" schrieb Chapin in den siebziger Jahren eigentlich für Johnny Cash. Das Stück hat allerdings auch einen durchaus komödienhaften Charakter und Cash war damals vielleicht nicht unbedingt zu Scherzen aufgelegt, weshalb er dankend ablehnte. Aber das ist natürlich nur eine Spekulation, denn vielleicht handelt es sich auch nur um eine Anekdote, die Chapin zur Auflockerung des Abends brachte. Letzten Endes haben wir es bei "Some More Stories – Live At Radio Bremen 1977" mit einem guten, aber nicht herausragenden Live-Album zu tun, bei dem der entscheidende Funke nicht wirklich überspringen will.
Im Jahr 1981 verstarb Harry Chapin im Alter von 38 Jahren bei einem Verkehrsunfall, als er auf dem Weg zu einem Wohltätigkeits-Konzert war.
Line-up Harry Chapin:
Harry Chapin (guitar, lead vocals)
'Big' John Wallace (bass, background vocals)
Doug Walker (mandolin guitars, background vocals)
Steven Chapin (piano, background vocals, lead vocals – #13)
Kim Scholes (cello)
Howie Fields (drums)
Tracklist "Some More Stories…":
- Shooting Star
- W.O.L.D.
- Harr y Chapin Introducing The Band
- Blues Man
- Corey’s Coming
- Dance Band On The Titanic
- Mr. Tanner
- Taxi/Six-String Orchestra
- Dirty Old Man
- If My Mary Were Here
- Dreams Go By
- Mail Order Annie
- Let Time Go Lightly
- 30.000 Pounds Of Bananas
- Cat’s In The Cradle
Gesamtspielzeit: 79:58, Erscheinungsjahr: 2020 (1977)



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