Ein weißes Cover mit einem ominösen, gemalten Wesen und darunter steht "Gargantuan". Übersetzt so wie gigantisch, gewaltig; dies trifft es eigentlich auf dem Punkt. Wenn man das Cover umdreht, sieht man zwei Gesichter als Silhouette und die Tracklist dazu. Zuerst bin ich davon ausgegangen, dass die Band so heißt. Aber weit gefehlt, erst im Inneren, nachdem man die CD rausgeploppt hat, steht … »Album eight by Amplifier«.
Jetzt kommen wir der Sache schon näher, denn dieser Name ist mir bekannt. Die Band steht für außergewöhnliche Musik; gefischt wird in allen Genres und dann zu einem exklusiven, getriebenen Rock-Mix zusammengebaut.
Und genau das präsentieren der umtriebige Sel Balamir sowie der rhythmische Matt Brobin auf ihrer Reise auf "Gargantuan".
Den Anfang macht das mächtige "Gateway". Eine treibende, verzerrt dreckige Gitarre zieht sich ihre Bahn durch diese doch verwirrenden sieben Minuten, die in einen psychedelischen Strudel endet. So geht es weiter, bis mit "Blackhole" einer meiner Favoriten kommt. Industriell angehaucht, fast schon blecherne Drums (erinnert ein wenig an St. Anger) – aber was da drumherum passiert ist ein Ohrenschmaus an monotonen Melodieergüssen. Einen Gastauftritt hat hier Nova, die mit ihrer Stimme den Song verfeinert. Weiter aufgepimpt wird das Stück gegen Ende mit einem schönen Gitarrensolo.
Reggae- und Ska-Rhythmus im Hintergrund, vorne verschrobene, orientalisch knallige Keyboards, tiefe Cellos und wirre mächtige Soundkaskaden: "King Kong" auf seinem tanzenden Weg. Hier merkt man besonders, wie die beiden Briten ihrer unbeschränkten musikalischen Freiheit frönen. Bloß nicht in eine Schublade packen lassen. Diese Fülle an Melodien und Instrumentenphrasen, mit klaren Gesang und immer in Bewegung bleiben, nur keinen Stillstand vorweisen.
Voll aufgedrehte Marshall Stacks; Matts Drum-Spiel kämpft härter und lauter gegen die Riffwand an, die Sel aufgebaut hat. Getrieben in einem Stoner Metal-Rausch, der von "Pyramid" bis hin zu "Guilty Pleasure" reicht – pure Energie, die keine Anstalten macht, sich endgültig zu entladen. Selbst der cleane Gesang, der diesem Ganzen zu entrinnen versucht, kann das nicht ändern.
Einzig "Long Road" beruhigt ein wenig das Szenario und taucht in eine elektrische Welt ein. Poppig treibend, tanzend, mit einem animosen Chor der sich Ham Road Mystery Singers nennt. Hier kommt Sel Balamirs Stimme voll zum Tragen. Nicht aufdringlich sondern eindringlich zart. Taucht ab in diese Straße, folgt der Band; fast Hand in Hand geht es hoch hinaus, immer weiter und weiter, man will nicht anhalten. Wunderschön.
Nach fast sieben Minuten entlassen uns die Musiker in ein Ruhetal. Vollkommene Stille, kein Ton mehr und man vermisst plötzlich diesen wohlgeformten Krach.
Seit 2004 treiben die aus Sussex stammenden Musiker ihr musikalisches Unwesen und mit diesem Album, das eine Art lange Reise durch ihr eigenes kreatives Universum ist; mit Blick zu ihren Wurzeln, nur damit sie diese selbst wieder aufbrechen und daraus etwas Neues formen.
Dieser 'Nicht-Stillstand' hält hoffentlich noch einige Jahre an! Wer sich auf "Gargantuan" einlässt und offen ist, wird gewaltig überrascht sein.
»This album is dedicated to us, take some glory for yourself if you like«.
Besser als mit diesen Worten im Inlay, kann man solch ein Album nicht abschließen.
Line-up Amplifier:
Sel Balamir (vocals, guitar, bass)
Matt Brobin (drums)
Nova (vocals – #3)
Ham Road Mystery Singers (choir – #1,3)
Tracklist "Gargantuan":
- Gateway (7:21)
- Invader (5:25)
- Blackhole (7:54)
- King Kong (7:14)
- Pyramid (6:20)
- Entity (3.22)
- Guilty Pleasure (8:05)
- Cross Dissolve (6:30)
Long Road (6:54)
Gesamtspielzeit 57:45, Erscheinungsjahr: 2025



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