«

»

Andy Frasco & The U.N. – Songs From The Road – CD + DVD-Review

Andy Frasco & The U.N. - Songs From The Road - CD/DVD-Review

Andy Frasco? Noch nie gehört… dabei hat Amerikaner mit seiner Band The U.N. bereits vier Studioalben vorgelegt und ist seit zehn Jahren mit dieser Formation unterwegs. Um die 250 Konzerte spult die zehn Mann starke Gruppe jedes Jahr ab und sie scheint nicht müde zu werden. Den Durchbruch erlebten Andy Frasco & The U.N. im vorigen Jahr 2016 mit der Scheibe Happy Bastards. Die war bereits auf dem renommierten deutschen Label Ruf Records erschienen und was lag da näher, als eine erste Live-Scheibe aufzunehmen, die dann auch noch unter dem bewährten Banner "Songs From The Road" erscheinen sollte? Eben!

Andy Frasco selbst ist schon eine imposante Persönlichkeit mit seinem Afro, seinen wilden Tänzen auf und vor der Bühne sowie seinen immer animierenden und mitreißenden Ansagen. Die Band macht mit zwei Gitarristen, Bass, Schlagzeug und vier Bläsern plus dem Piano des Bandleaders jede Menge Alarm und das geht auch richtig gut nach vorne los. Wie der Kalifornier immer betont, liegt ihm vor allem daran die Leute zu begeistern, sie für ein paar Stunden in eine andere Welt mitzunehmen und sie von ihren Alltagssorgen zu befreien. Und sein Vorhaben gelang ihm an diesem Abend mitten in der Bamberger City dann auch ganz hervorragend. Der gebotene Mix aus Funk, Soul, Roots und Rock’n’Roll kommt atemberaubend, mitreißend und ansteckend rüber. Dabei hat die Band auch jede Menge Gags auf Lager, während sie zeitweise während der Tracks zwischen den Musikstilen hin und herspringt. Frasco selbst hat einen Höllenspaß dabei, immer wieder »…Apfelstrudel…« und »…Schnitzel…« in die Songs und Ansagen einzubauen, während die Band sich auch nicht zu schade dafür ist, mal für zehn oder 15 Sekunden ein Metallica-Riff anzuspielen, nur um dann wieder zum eigentlichen Song zurück zu finden. Frasco ist pausenlos auf den Beinen und springt sogar mal von der Bühne auf den Marktplatz, um dort mit den Zuschauern zu tanzen. Tatsächlich eine einzige riesengroße Party.

Die Songs an sich sind durchaus gut, gehen aber – und hier liegt mein eigentlich einziger Kritikpunkt begraben – zu Gunsten der Show irgendwie unter. Die Action auf der Bühne ist spannend und teilweise faszinierend, allerdings kann man sich an einzelne Nummern am Ende kaum noch erinnern. Dafür ist dann natürlich die CD da, die man öfter und mittlerweile ja fast überall nebenher einwerfen und genießen kann. Damit die Stimmbänder gut geölt bleiben, macht des öfteren mal ’ne Pulle eines deutschen (sehr bekannten) Kräuterlikörs die Runde und passend zu dem Song "Smokin' Dope And Rock’n’Roll" ist der Bandleader in eingespielten Szenen abseits der Bühne auch mal mit ziemlich langförmigen Zigaretten zu sehen. Es entsteht jedoch niemals der Eindruck, dass diese Jungs auf der Bühne nicht voll da wären – im Gegenteil: Bei diesem Pensum, diesen schnellen Stilwechseln und teilweise komplizierten Arrangements muss schon jeder der Musiker voll auf der Höhe sein, um Schritt halten zu können.

Stücke wie "Mature As Fuck", "It’s Been A Struggle", "Down The Road" oder "Stop Fucking Around" gehen verdammt gut ins Ohr, selbst wenn sie durch die Verspieltheit und die ständigen Interaktionen mit dem Publikum manchmal etwas an Wirkung verlieren. Da bietet es sich an, zusätzlich auch die gestraffteren Versionen der Studioalben anzutesten. Auch wird dort die – durchaus vorhandene – sogenannte 'Tiefe' der Texte deutlicher werden, wenn sich auf der Bühne im ersten Moment auch alles nach Party anhört. Und zum Abschluss überraschen uns Andy Frasco & The U.N. dann noch mit dem Rage Against The Machine-Klassiker "Killing In The Name", das hier zu einer Hymne für die Individualität des Einzelnen und gegen Konformität sowie Hörigkeit mutiert. Starker Abschluss!

Die DVD macht mächtig Spaß und dem Publikum in Bamberg hat es ganz offensichtlich auch sehr gut gefallen. Die dazugehörige CD ist von den Songs her identisch, lediglich fehlt hier der kurze Vorspann/Blick hinter die Kulissen und es gibt ein paar Kürzungen, was die Momente zwischen den Tracks betrifft. Andy Frasco & The U.N. ist ganz offensichtlich ein Name, den man auf dem Schirm behalten sollte.


Line-up Andy Frasco & The U.N.:

Andy Frasco (piano, lead vocals)
Chris Lorentz (bass)
Shawn Eckels (guitars, background vocals)
Andee Avila (drums, background vocals)
Ernie Chang (saxophone)
Matt Owen (tuba)
Jelmer Olsman (percussion)
Niels Kant (trumpet)
Arno Bakker (sousaphone, trombone)
Rens Ouburg (guitars, harp, background vocals)

Tracklist "Songs From The Road" (CD + DVD):

  1. C Boogie
  2. When You’re Lonely (Fill You Up)
  3. Tie You Up
  4. Make It Work
  5. Mature As Fuck
  6. Stop Fucking Around
  7. It’s Been A Struggle
  8. Smokin' Dope And Rock’n’Roll
  9. Down The Road
  10. Doin' It
  11. Baby Take The Day Off
  12. Sunny Day Soldier
  13. What More Can I Say
  14. Main Squeeze
  15. Killing In The Name

Gesamtspielzeit: 79:02 (CD), 95:00 (DVD), Erscheinungsjahr: 2017

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv
News
Meine Konzerberichte im Team mit Sabine
Mail: markus(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>