Als Doomgaze bezeichnen die Wahlberliner Astral Tide ihre Musik. Endzeitmäßig, düster und irgendwie hoffnungslos sind die ersten Attribute, die mir beim Opener "Wrongfoot" durch den Kopf schießen. Verhalten der Beginn der Nummer, die dann aber mit brachialem Schreigesang aufmüpft.
Der Brite Matthew Porter (Gesang und Bass), sein Landsmann Mark Yeoman (Gitarre), der Italiener Martino Mostacci (Gitarre) sowie Jonas Duus (Schlagzeug und Gesang) aus Dänemark haben sich die deutsche Hauptstadt auserkoren, um in einigen Sessions ihren Stil zu finden. Ein Plattenbau in Marzahn war die Wiege der Tracks und man kann den Nummern schon irgendwo anhören, dass die Tristesse des Umfeldes auch ihren Weg in die Musik gefunden hat.
Die sechs Stücke der EP sind dicht gewebt, in nur drei Tagen live eingespielt und verströmen dadurch eine unheimliche Ehrlichkeit. Kein Hochglanzpoliere, keine Ambitionen auf highfidele Gimmicks sondern einfach das Equipment umgeschnallt und musiziert.
In der Musik finden sich metallische Komponenten ebenso wie punkige Ingredienzien. Gekonnte Breaks machen die Sache spannend und schielen schon auch in Richtung Space und Stoner. Wenn dann allerdings Jonas den Break zu Ende schreit, die Drums und der fuzzige Bass losbollern, sind die Jungs in ihrem Element.
Die Gitarrenlicks, Tonart, der leichte Hall über allem sowie die daraus resultierende 'Traurigkeit' der Stücke haben was Shoegaziges.
"How Far, Are You Out There?" ist eines jener Alben, die vielleicht erstmal erschrecken, dann aber wirken wie der stete Tropfen. Hat man genug Fantasie, um beim Hören der Songs den Namen der Platte so mit dem Kopfkino zu verbinden, dass ein Film entsteht, dann hilft das Gehörte dabei, den Wunsch auszudrücken, sie mögen noch weit entfernt sein.
Astral Tide haben mit ihrer Debüt-EP ein interessantes Kapitel im Buch der eher düsterern Musik geschrieben – auch wenn z. B. "Blissful Agony" sehr melodische Momente hat. Die Jungs sind gerade in Deutschland und Frankreich unterwegs. Wer mal Lust auf anderes als 3/4- und 4/4 -Takte hat, sollte sie mal antesten.
Die EP ist im Übrigen auch als auf 250 Exemplare limitierte 12″ Vinylausgabe erhältlich.
Ab dem Veröffentlichungstermin (9. September) stehen die Songs außerdem zum kostenlosen Download auf der Bandcampseite bereit.
Line-up Astral Tide:
Matthew Potter (Gesang, Bass)
Martino Mostacci (Gitarre)
Mark Yeoman (Gitarre)
Jonas Duus (Schlagzeug, Gesang)
Tracklist "How Far, Are You Out There?":
- Wrongfoot
- Mercy Release
- Living Off-Air
- Cold Dark
- Out Of Orbit
- Blissful Agony
Gesamtspielzeit: 26:33, Erscheinungsjahr: 2016



Neueste Kommentare