«

»

Badge / Supernova – CD-Review

Badge / Supernova – CD-Review

Irgendwie scheine ich aktuell vom Glück verfolgt zu werden, habe ich doch schon wieder ein Kleinod aus der NWoBHM-Ära in den Händen. Genauer gesagt ist es natürlich die Band und nicht deren neue CD. Die Rede ist von Badge, einer im Jahre 1980 formierten Truppe um den Gründer und Vokalisten Graham Waudby. Dieser war gerade nach Jahren des Arbeitens in den Niederlanden zurück in seine nordenglische Heimat gekommen und fand sich inmitten der Hochphase der NWoBHM. Ein Ding kam zum nächsten und schon stand die Band, die 1981 dann auch ihre erste Veröffentlichung verbuchen konnte. Dieses "Silver Woman" kam bei den Fans der Bewegung gut an, verkaufte sich prima, landete in den Sounds-Charts. Bevor man auf wohlverdiente Tourneen mit Judas Priest und Budgie starten konnte, ging die ursprüngliche Band wegen interner Differenzen den Weg alles Irdischen.

Mit dann immer wieder wechselnden Line-ups in den Achtzigern, einzige Konstante war Fronter Waudby, gelang es nie mehr, an den anfänglichen Erfolg anzuknüpfen und über gut 20 Jahre hinweg war außer Wiederbelebungsversprechen nicht viel zu hören. Bis dann 2012 das gute alte deutsche High Roller-Label die CD "Stormrider" veröffentlichte, eine Sammlung unveröffentlichter Demos und sonstigen alten Materials. Im Jahr darauf fand das erste Brofest im englischen Newcastle statt, eine anerkannte Schmiede für Reunions vormaliger NWoBHM-Bands und auch Badge standen mit ihren Kollegen von Salem, Tysondog, Holocaust, Deep Machine oder Avenger auf dem Plakat – das Volk liebte es und gab den Jungs offensichtlich ein paar Hausaufgaben auf.

Es folgten weitere vielversprechende Auftritte und irgendwie dann auch so etwas wie ein festes Line-up, wenngleich in ihrer 'Hood' gute Drummer offensichtlich rar sind. So wurde dann für die Aufnahmen zum nun endlich vorliegenden ersten richtigen Album der Studio- und Session-Drummer Mikey Bolton in die Reihen aufgenommen und steht bislang auch immer noch auf der Liste. Zusätzlich zu den beiden bereits erwähnten Musikern zeichnen auch noch Baz Gregory am Bass und der Rumäne Florin Huluba an der Gitarre für die neue Scheibe, "Supernova", verantwortlich.

Und dieses "Supernova", vielleicht ganz metaphorisch als aus den Resten eines sterbenden Sternes geboren gemeint, ist nun ein neues musikalisches Kapitel in der Geschichte von Badge. Neu insofern, als dass fast alle Songs bis auf zwei komplett neu geschrieben wurden. Zu den beiden Ausnahmen gehört direkt der Opener, "Blizzard", der den Reigen der elf Tracks in kerniger Heavy Rock-Manier eröffnet. Bereits 1981 geschrieben, jedoch nie vernünftig aufgenommen, würden nur Kenner der Band einen Aha-Effekt haben, so wenig ähneln die Versionen einander. Jetzt, nach fast 40 Jahren, ist er so, wie Waudby ihn immer haben wollte, nach vorne treibender Rhythmus und feines Riffing. Stichwort Riffing, überhaupt hat der Neuzugang Huluba mit seinem moderneren Ansatz einen mehr als positiven Effekt auf die ansonsten in klassischer Tradition komponierten Stücke. Man erkennt die Wurzeln und merkt trotzdem, dass die Zeit nicht stehengeblieben ist.

Badge wechseln hin und her zwischen mal schwerer Metal-Kost, mal melodiöseren Schwerpunkten. "You Mean Nothing" passt da in die zweite Kategorie, etwas weniger hart, aber nicht weniger packend. Badge mit Waudby am Gesang verstehen es gut, ihre Kompositionen mit eingängigen Mitsing-Refrains auszustatten, sorgen so für einen schönen Wiedererkennungsfaktor. Schön zu sehen ist auch die Tatsache, dass der vorgenannte ’neue' Gitarrist sein Können unter Beweis stellen und neben dem durchgängigen kräftigen Riffing auch so einige mehr als überzeugende Soli aufs Parkett legen darf, wie er das beispielsweise bei "See Me Gone" eindrücklich tut.

Der etwas später folgende Titeltrack ist nicht nur eben dieser, sondern "Supernova" stellt wohl auch den vielleicht besten Song der Scheibe dar, schön abwechslungsreich mit einigen aufpeppenden Einsprengseln. Letztendlich ist es aber gar nicht so einfach, wirkliche Favoriten herauszupicken, weil auch Tracks wie "Valkyrie" oder "Rock Chics", "Cry In The Night" und "Black Heart Soul" dem in nichts nachstehen. Jedes Stück auf seine Weise gut komponiert – eine Mischung klassischen Heavy Metals aus den Ursprüngen der Band mit modernen Akzenten – und treffsicher umgesetzt. Mit Fug und Recht haben die Besucher des oben angesprochenen ersten Brofests seinerzeit ein fettes 'Mehr' von der Band verlangt.

Bleibt nur inständig zu hoffen, dass die Jungs es auch bald mal schaffen, sich über den Kanal zu machen und uns hier auf dem Kontinent zu beglücken!


Line-up Badge:

Graham Waudby (vocals)
Florin Huluba (guitar)
Baz Gregory (bass)
Mikey Bolton (drums)

Tracklist "Supernova":

  1. Blizzard
  2. You Mean Nothing
  3. See Me Gone
  4. Brotherhood
  5. Valkyrie
  6. Supernova
  7. Rock Chics
  8. Cry In The Night
  9. Dogs Of War
  10. Black Heart Soul
  11. Finding My Way (bonus)

Gesamtspielzeit: 48:09, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Jochen von Arnim

Beiträge im Archiv
Genres: Blues, Rock, Heavy Metal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>