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Belli-Fischer-Rimmer / Songs Without Words – CD-Review

Belli-Fischer-Rimmer / Songs Without Words - CD-Review

Ein Trio aus Freiburg, das verbirgt sich hinter dem 'Bandnamen'. Original erfolgte die Gründung anlässlich eines Wettbewerbs mit Frederic Belli, Posaune und Nicholas Rimmer, Piano. Der Perkussionist Johannes Fischer komplettierte das Trio, und dieses besteht nun seit fast zwanzig Jahren.

In dieser Besetzung widmete man sich Werken von Bach, Dvorak, Brahms, Debussy und Bernstein, und gleichzeitig schuf man eigene Kreationen. Der Untertitel dieser Veröffentlichung, "Songs Without Words", lautet "Waits Weill Schubert". Und so stammen die sechzehn Songs des Albums von Tom Waits (# 1, 2, 4, 5, 8, 10, 11, 13, 16), Kurt Weill (#3, 9, 14) und Franz Schubert (#6, 10, 12), Eigenkompositionen sind hier also nicht dabei.

Diesen Stücken wurde nun allesamt ein neuer Sound beschert, welcher schwerlich einzuordnen ist. Jazz ist dabei, so mancher Track klingt wie eine Moritat ohne Gesang (siehe Albumtitel), ja, das ganze Album kommt ohne Gesang aus, gleichwohl hat man den Eindruck, dass Geschichten erzählt werden.

Mal klingt es meditativ, dann wieder wie im Zirkus, wobei die skurrilsten Songs klar jene von Tom Waits sind. "Lost In The Stars" von Weill besitzt eine Art lateinamerikanische Prägung mit einer luftig eleganten Stimmung, ein Vibrafon erklingt, ich denke, es wird dem Begriff Perkussion zugeordnet, gespielt von Fischer, weil das Instrument nicht gesondert aufgeführt ist.

Laut Pressetext soll es sich um ein Jazzalbum handeln, das trifft für mich jedoch nicht vollumfänglich zu. Sind einige Songs auch dem Jazz verpflichtet hinsichtlich der Ausgestaltung, so trifft das mit Sicherheit nicht auf die Lieder von Waits zu, beispielsweise die "Cemetery Polka", mit einer Melodika gespielt, denn hier klingt es eher nach Cabaret, nach Zirkusmusik, "All The World Is Green", auch von Waits, explodiert dann plötzlich in freie Gestaltung, dem Free Jazz nahe kommend, bis sich die Band pfeifend wieder auf die Melodie besinnt.

Alles in Allem eine sehr skurrile Angelegenheit. Man sollte schon dieser besonderen Art zugeneigt sein, weil sich die Musik meistens zwischen den Stühlen bewegt, vielleicht auch in die Richtung Hass und Liebe, vielleicht gibt es auch Hörer*innen, die sich für ein 'Dazwischen' entscheiden und man sollte sich vorurteilsfrei an die Angelegenheit wagen, denn leichte Kost ist das allemal nicht. Humor ist übrigens durchaus auch Bestandteil, wenn zum Beispiel zu "Das Heidenröslein" Vögel zwitschern und ein Kuckuck ruft.


Line-up Belli-Fischer-Rimmer:

Frederic Belli (trombone)
Johannes Fischer (percussion)
Nicholas Rimmer (piano)

Tracklist "Songs Without Words":

  1. Jockey Full Of Bourbon (2:12)
  2. Muriel (3:07)
  3. Der Abschiedsbrief (3:52)
  4. All The World Is Green (5:20)
  5. Diamonds & Gold (1:54)
  6. Nacht und Träume (D 827) (3:39)
  7. Lost In The Stars (4:01)
  8. Cemetery Polka (2:10)
  9. Youkali (4:44)
  10. Misery Is The River Of The World / Auf dem Wasser zu singen (D 774) (8:27)
  11. Soldier’s Things (3:35)
  12. Das Heidenröslein (D 257) (2:08)
  13. Trampled Rose (3:23)
  14. Nannas Lied (4:32)
  15. Swordfishtrombone (4:25)
  16. Ruby’s Arms (3:58)

Gesamtspielzeit: 61:29, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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