Der US-amerikanische Rockabilly-Musiker Bobby Lee Trammell lebte von 1934 bis 2008. Als Kind von Baumwollfarmern kam er dadurch, dass Mutter Orgel spielte und sich Vater der Fiddle widmete, früh mit Musik in Berührung. In der High School soll er viel Country-Musik gehört haben.
Durch Auftritte von Künstlern in der Nähe der Heimatstadt erfasste ihn das Rockabilly-Fieber, ausgelöst durch Carl Perkins und Johnny Cash. Auf Vermittlung von Perkins traf Trammell mit Sam Phillips zusammen, damals Produzent, Manager und Besitzer von Sun Records in Memphis, Tennessee. Leider ergab sich keine Zusammenarbeit, so dass sich der Protagonist aufmachte nach Long Beach, Kalifornien, er arbeitete dort in den Ford-Werken.
Gleichwohl trat er als Musiker auf, maßgeblich war ein gemeinsamer Auftritt mit Bobby Bare, und der Country-Star Lefty Frizzell war wohl so beeindruckt, das er ihm den weiteren Weg ebnete, mündend in einen Plattenvertrag mit Fabor Records.
Im November 1957 spielte Trammell zusammen mit James Burton (Gitarre) und James Kirkland (Bass) die beiden Titel "Shirley Lee" und "I Sure Do Love You Baby" ein. Diese gelten heute als Klassiker des Rockabilly-Genres, damals waren sie jedoch völlig erfolglos. Weitere recht erfolglose Jahre folgten. Trotz aller Bemühungen, weder im Bereich Country noch im Rockabilly als auch Rock’n’Roll konnte er punkten. Bis in die siebziger Jahre musste er warten, als er sich vorwiegend Country-Musik widmete. Doch aus jener Zeit finden wir auf dieser Kollektion mit zweiunddreißig Songs lediglich die letzten drei Titel, ansonsten wird der Zeitraum zwischen 1957 und 1966 dargestellt.
Trammell zog sich letztlich aus dem Musikgeschäft zurück und widmete sich ab etwa 1984 der Politik, so wurde er für die Demokratische Partei in das Repräsentantenhaus von Arkansas gewählt, dem er bis 2002 angehörte.
Doch nun zur Musik dieser Veröffentlichung, viele beeindruckende Rocker und Rockabilly-Songs spiegeln wahrscheinlich das, was der Musiker auf der Bühne live präsentiert haben sollte, sicher nicht vollumfänglich wider, sollen seine Bühnenauftritte doch recht vulgär und erotisch gewesen sein, und, wie es in der Presse-Info heißt, damit ließ er Elvis und seinen legendären Hip-Shake wie eine lahme Ente erscheinen.
Das wie zu erwarten ausführliche Booklet wurde vom Musikjournalisten Alex Petrauska gestaltet und zusammengestellt, sehr informativ sind die ausführlichen Liner Notes, aufgewertet durch zahlreiche Bilder und Illustrationen sowie eine Diskografie.
Es ist angesichts der stets druckvollen Musik mehr als verwunderlich, dass Trammell damit so gar nicht punkten konnte, denn jeder Song sprüht voller Energie, und immer wieder findet man solch besonderen Titel wie "Hi Ho Silver", der gar ein wenig vom Rhythmus des Ska atmet. Die raue und mitunter kratzige Stimme ist ebenfalls recht imposant im Ausdruck und hätte eigentlich mehr Gehör verdienen müssen. Auch Anteile des Blues vereinnahmte der Mann für sich, einen coolen Hauch von Jimmy Reed kann man bei "Carolyn" vernehmen. Und wenn dann ein Song wie "I Love 'Em All" erklingt, dann muss man unwillkürlich an Chuck Berry denken, ohne gleich anmerken zu müssen, dass er den Mann kopieren würde. Denn Trammells Songs wiesen durchaus Eigenständigkeit auf.
Absolut coole Titel sind zum Beispiel "Arkansas Stomp", "Woe Is Me" oder "You Mostest Girl", obwohl er eindeutig geklaut hat bei "Toolie Frollie", das ist ganz klar der Song "Papa-Oom-Mow-Mow". Der neueste Titel, "Jenny Lee", aus 1977, besitzt nicht mehr das Feuer der frühen Songs, und schon gar nicht von "Shirley Lee", dessen Update es wohl sein sollte, obwohl die beiden 1971er Nummern noch 'gut zu Fuß' sind. Hier sorgt zum Beispiel die bekannte Vokalformation The Jordanaires für die zusätzliche Würze.
Dennoch, in Verbindung mit dem Musiker wird man wahrscheinlich stets "Shirley Lee" als den sogenannten Signature Song nennen, mit dem er immerhin möglicherweise einen Status von Unsterblichkeit erlangen könnte oder vielleicht bereits hat.
Line-up Bobby Trammell:
Bobby Lee Trammell (vocals, guitar, piano, organ)
James Burton (guitar)
James Kirkland (bass)
Joe Maphis (guitar)
Dorsey Burnette (guitar)
Johnny Burnette (guitar)
Sonny Burgess (guitar)
Jimmy Evans (bass)
John Henry 'Ace' Cannon (saxophone)
Sonny Ackerman (guitar)
Herbie Mayes (bass)
Harvey Farley (drums)
Travis Wammack (guitar)
The Paulettes (backing vocals)
The Jordanaires (backing vocals)
Tracklist "Rocks":
- Arkansas Twist ©1962 (2:12)
- It’s All Your Fault (Alley version) ©1962 (2:14)
- Shirley Lee ©1958 (1:49)
- I Sure Do Love You Baby ©1958 (2:35)
- You Mostest Girl ©1958 (2:01)
- Uh Oh ©1958 (2:25)
- My Susie J. – My Susie Jane @1958 (2:05)
- Open Up Your Heart @1959 (2:24)
- Woe Is Me ©1959 (2:11)
- Hi Ho Silver @1960 (2:13)
- Been A Walking @1960 (1:59)
- Come On Baby ©1962 (2:30)
- Sally Twist (Part 1) ©1962 (2:24)
- Carolyn ©1962 (2:27)
- I Love 'Em All ©1962 (2:17)
- New Dance In France ©1964 (2:41)
- If You Don’t Wanna, You Don’t Have To ©1964 (2:15)
- Come On And Love Me ©1964 (2:36)
- Tator ©1965 (3:27)
- If You Ever Get It Once (You Gonna" Want It Again") ©1966 (2:15)
- I Need Love @1963 (2:21)
- Am I Satisfying You ©1965 (2:06)
- Arkansas Stomp ©1963 (2:20)
- You Make Me Feel So Fine ©1966 (2:09)
- Shimmy Lou ©1966 (2:17)
- Betty Jean ©1966 (2:43)
- Toolie Frollie ©1966 (2:42)
- Sally Twist (Part 2) ©1966 (2:18)
- Mayonnaise Man ©1968 (1:41)
- Jenny Lee ©1977 (2:01)
- Whole Lotta Shakin' Goin' On ©1971 (2:26)
- You’re The Mostest Girl (Souncot version) ©1971 (1:58)
Gesamtspielzeit: 75:51 Erscheinungsjahr: 2025 (1957-1977)



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