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Captain Beyond / Lost & Found 1972 – 1973 – CD-Review

Captain Beyond - Lost & Found 1972 - 1973

Anfang der siebziger Jahre schlossen sich eine knappe Handvoll Musiker zusammen, die davor bereits in anderen Bands sehr erfolgreich zugange waren. Der Gitarrist Rhino Reinhardt sowie der Schlagzeuger Bobby Caldwell waren davor bei Iron Butterfly aktiv, der Bassist Lee Dorman hatte in der Johnny Winter Band sowie ebenfalls schon bei Iron Butterfly gezockt und am Gesangsmikro war niemand Geringerer als Rod Evans zu finden, der für ein paar Jahre und die ersten drei Alben als Frontmann für Deep Purple fungierte. Zumindest die ersten zwei von insgesamt drei Alben von Captain Beyond schlugen zwar unter Kritikern und teilweise unter den damaligen Rock-Fans große Wellen, zum Sprung in die allererste Liga reichte es leider dennoch nie. Möglicherweise waren daran auch die Spannungen innerhalb der Band nicht ganz schuldlos, denn personell ging es in den relativ wenigen Jahren der Existenz von Captain Beyond mehr oder weniger drunter und drüber. So verließ der Original-Keyboarder Lewie Gold die Band bereits vor den allerersten Aufnahmen aus persönlichen Gründen, Bobby Caldwell wechselte nach dem ersten Album zu Derringer und Rod Evans machte nach dem zweiten Album die Fliege.

Bei den hier zehn hier vorliegenden Tracks handelt es sich um frühe Demo-Aufnahmen aus den Jahren 1972 sowie 1973. Satte acht der hier enthaltenen zehn Nummern landeten dann auch auf dem gleichnamigen Debütalbum, das schließlich im Juli 1972 veröffentlicht wurde. Eine gewisse Ähnlichkeit zu den frühen Purple-Alben ist nicht zu leugnen, aber auch ein Touch Iron Butterfly wurde ausgleichend in die Waagschale geworfen. Sehr stark und gar psychedelisch ausgefallen ist beispielsweise das zweiteilige "As The Moon Speaks (To The Waves Of The Sea)", das sich durch einige sehr interessante Parts und Tempi rockt und darüber hinaus die "Astral Lady" sehr passend einbettet. Zu der Zeit nicht vollkommen unüblich ist hier sogar noch ein kürzeres Schlagzeug-Solo am Start. Für damals auf einem Studioalbum wie gesagt nicht vollkommen ungewöhnlich, dennoch gab und gibt es nicht allzu viele Bands, die zu solchen Arrangements griffen.

Ein Highlight für die Fans von Captain Beyond wird ganz sicher die bisher komplett unveröffentlichte Nummer "Uranus Highway" darstellen, die offensichtlich ein Outtake der ersten Scheibe war. Ein klasse Stück, das stilistisch zu einhundert Prozent passt. 'Schweren' Heavy Rock bringt "Raging River Of Fear", versehen mit vielen Ecken und Kanten, soundtechnisch jedoch hier noch nicht voll ausbalanciert. Bei dieser Nummer passt alles zusammen und auch Rod Evans liefert einen sehr guten Job ab. Neben dem bereits erwähnten "As The Moon Speaks…" mein absolutes Highlight. Der Titel "Icarus" ist schließlich auf dem dritten und letzten Studioalbum der Band, "Dawn Explosion", zu finden, war aber tatsächlich ein Outtake aus dem ersten oder zweiten Album und ist hier wohl erstmals mit dem Original-Sänger Rod Evans am Gesang zu hören.

Die Parallelen zu Deep Purple sowie Iron Butterfly hatte ich bereits erwähnt, dennoch war Captain Beyond eine eigenständige Band, die richtig gute Musiker und sehr starkes Material in der Hinterhand hatte. Nach der zweiten Scheibe ("Sufficiently Breathless", 1973) und dem Ausstieg von Rod Evans war dann erstmal Feierabend, bis 1977 noch das oben bereits erwähnte (gemäß gleich mehreren Quellen aus dem weltweiten Netz lange nicht mehr so starke) "Dawn Explosion" erschien.

Nachdem sich die Band 1978 das zweite Mal aufgelöst hatte, gab es von 1998 bis 2003 (ohne Album-Veröffentlichung) nochmal eine letzte Wiederbelebung, bevor das Kapitel Captain Beyond dann endgültig geschlossen wurde.


Line-up Captain Beyond:

Rhino Reinhardt (guitars)
Bobby Caldwell (drums, background vocals)
Rod Evans (lead vocals)
Lee Dorman (bass)

Tracklist "Lost & Fournd 1972 – 1973":

  1. Uranus Highway (previously unreleased song)
  2. I Can’t Feel Nothing (Part I)
  3. As The Moon Speaks (To The Waves Of The Sea)
  4. Astral Lady
  5. As The Moon Speaks (Return)
  6. I Can’t Feel Nothing (Part II)
  7. Icarus
  8. Raging River Of Fear
  9. Dancing Madly Backwards (On A Sea Of Air)
  10. Myopig Void

Gesamtspielzeit: 29:42, Erscheinungsjahr: 2017 (1972, 1973)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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