Laut dem Promozettel kommen die Cisco Pikes aus »…düsteren, pulsierenden Kellern von Nürnberg…«. Gegründet wurde die Band im Jahr 2013 und besteht als Quintett mittlerweile aus dem Sänger Mark Lee (auch percussion und harmonica), den Gitarristen Zattl und Robin sowie der Rhythmus-Abteilung mit Chris am Bass und Alex am Schlagzeug. In diesem Herbst hat die Combo ihr gleichnamiges Debütalbum vorgelegt, das mit einer wüsten, allerdings auch sehr erfrischenden Mischung aus Punk Rock und Post Punk kräftig an den Wänden der heimischen Musikzimmer rüttelt. Mit der zuvor veröffentlichten Single "Scummy In The Summer" wurde erstmals, dafür dann aber so richtig Aufmerksamkeit im weltweiten Netz erregt. Dazu haben sich die Cisco Pikes, wie es weiter heißt, mittlerweile eine feste Fanschar auf dem Live-Sektor gesichert. Aber kommen wir zum neuen Album.
Die Scheibe beginnt mit dem einminütigen und als Gedicht mit (’schräger') Hintergrund-Musik vorgetragenen "Think", das die Wucht und erfrischende Power zunächst nur andeutet. "Uniform" ist ein geiler Rocker und ebenso überzeugend wie das vorangegangene "Chelsea Toulouse" (klasse Wortspiel, wenn man an Fußball denkt). Spätestens mit "Enema From Space" wird jedoch herrlich und respektlos nach vorne gerockt, prompt gefolgt von dem weiteren kurzen, als Gedicht gesprochenen "Mr. Vincent’s Epilogue". In gerade mal 71 Sekunden wird mit "Sub Censura Tikus Tokus" die Internet-Plattform TikTok auseinander genommen und als wenn ein Highlight das nächste folgen würde, wird die Erfolgs-Single "Scummy In The Summer" direkt hinterher geschoben. Die Post Punk bzw. New Wave-Einflüsse werden offenbar problemlos mit unwirschem Punk Rock verwoben, was eine richtig coole und ansteckende Mischung ergibt, die einfach nur Spaß macht. Sehr charakteristisch kommt auch der Gesang und es ist sehr schnell klar, dass es sich bei Mark Lee um einen Briten (ich würde sogar auf Schotten tippen, bin da aber wirklich kein Experte) handelt, was der Musik bzw. den Lead Vocals einen zusätzlichen Farbanstrich verpasst.
Hier spielt niemand auf Sicherheit, hier ist auch kein hochbezahlter sowie alles 'glatt' produzierender und von der Plattenfirma auf Verkaufszahlen/Radioeinsätze geimpfter Produzent am Start. Aber genau das macht diese Scheibe aus und verleiht ihr ihre Frische, ihre Unbekümmertheit, ihre Rohheit und als Endergebnis ihre Größe und ihr Gütesiegel. So bestechend einfach und im gleichen Atemzug mitreißend wie auch ansteckend kommt beispielsweise auch "Don’t Worry 'bout It Mate", das einfach nur runter geht wie Öl. Nach dem starken "Strangled" kommt dann für "Jane Doe" noch einmal die klasse Harmonika des Frontmanns ins Spiel, die diesen weiteren rohen Rocker feierlich eröffnet. Abgeschlossen wird dieses Erstwerk dann von dem klasse rockenden "Sharp Teeth" sowie der atmosphärischen und einnehmenden 'Gruselgeschichte' "Mister Hoobie". Der nächste Schritt des Rezensenten? Keine Fragen und keine Zweifel, sondern die Platte umgehend wieder von vorne starten. Alle Daumen nach oben!
Beim Debütalbum der Cisco Pikes haben wir es also mit 15 Tracks und einer Spielzeit von knapp 36 Minuten herzhaftem und herzerfrischendem Post Punk/Wave/Punk Rock einer Band zu tun, die durch ihre unbekümmerten Tracks (von den Lyrics mal abgesehen) so richtig Lust auf mehr macht. Der Rezensent ist auf jeden so richtig 'angefixt' und wird nach Konzertdaten der Band Ausschau halten. Apropos: Die Konzerte des Fünfers sollen laut deren Label weit über normale Gigs hinaus gehen und sich regelmäßig in echte »Performance-Kunst-Shows« verwandeln. Im wahrsten Sinne ein Album, das entdeckt werden will. Zumindest für all diejenigen, die ihre Musik nicht immer glattpoliert und auf 08/15 getrimmt genießen wollen. Richtig klasse und wie eine frische Brise in einem manchmal viel zu sterilen und glattgebügelten Business!
Line-up Cisco Pikes:
Mark (percussion, harmonica, vocals)
Robin (guitars)
Zattl (guitars)
Chris (bass)
Alex (drums)
Tracklist "Cisco Pikes":
- Think
- Chelsea Toulouse
- Uniform
- Strap-On (A Warning To The Curious)
- Enema From Space
- Mr. Vincent’s Epilogue
- Sub Censura Tikus Tokus
- Scummy In The Summer
- Sometimes It Can Bite
- The Beat Sensation
- Don’t Worry 'bout It Mate
- Strangled
- Jane Doe
- Sharp Teeth
- Mister Hoobie
Gesamtspielzeit: 35:47, Erscheinungsjahr: 2025



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