Ein später Start! Der an der Nordseeküste geborene Claus Ulrich wuchs in Kenora, Ontario, also in Kanada, auf. 1966 kehrte er nach Deutschland zurück und widmete sich dem Spiel des Kontrabasses. Jazz, Rock und auch Punk waren ihm nicht fremd, vor einigen Jahren erfolgte dann der Wechsel zur Gitarre. Gemäß der Pressemitteilung fungierten solche Musiker wie James Taylor, Leonard Cohen und Neil Young als Vorbilder. In Hamburg zählt er zur dortigen Folkszene und hat nach einundfünfzig Jahren nun seine erste Platte veröffentlicht – "You Don’t Need To Speak At All".
Eingespielt hat er neun Fremd- und eine Eigenkomposition in Hamburg im Milchkettenmusik-Tonstudio, zusammen mit einigen Musikern aus der Hamburger Musikszene. Die Auswahl der Musiktitel ist recht interessant, von seinen Vorbildern Cohen und Taylor sind welche dabei und auch von einer schottischen Folksängerin, Karine Polwart. Insgesamt ist es eine angenehme Zusammenstellung schöner Songs, die allesamt einfühlsam interpretiert werden. Und ruhig ist die vorherrschende Stimmung, eine Atmosphäre, in der Gemütlichkeit mitschwingt, und Spaß an den Aufnahmen dieser Musik.
Dieser Ausdruck überträgt sich sogleich auch beim ersten Titel. Eine Welle von Sympathie erschallt aus den Boxen, leicht wehmütig-keltisches Gefühl schwingt mit, dabei trägt Ulrich den Song mit sicherer Stimme und akzentfreier Intonation vor. Sehr intim geht es weiter, eine angenehme Wärme wird auch bei "Never Die Young" von James Taylor erzeugt. So kann ich mir ein schönes Wohnzimmerkonzert gut vorstellen, gemütliche Stimmung mit Freunden, flackerndes Kaminfeuer…
Ulrich versteht es, den Fremdkompositionen einen neuen Anstrich zu verpassen, und so erklingt auch das oft gecoverte "Suzanne" von Leonard Cohen in einer anderen Darstellung, mit dem gewissen Hauch von Melancholie. Bei einigen Stücken sind es darüber hinaus noch gewisse feine Nuancen, die zur Veredelung beitragen, so zum Beispiel auf "To The River" die hintergründig agierende Lap Steel, die schwebende Momente bietet. Weniger gefallen mir hier dann die Keyboard-Sprenkel, die ein wenig die harmonisch-akustische Atmosphäre stören. Einen sehr schönen Ausdruck bieten die drei Nummern von Karine Polwart, allerdings liegt mir die Abmischung mit den Background-Vocals auf "Waterlily" überhaupt nicht, meines Erachtens harmonieren die beiden Stimmen nicht unbedingt. "Follow The Heron" passt ein wenig in die Richtung von Fairport Convention, aber auch hier empfinde ich die Background-Vocals eher als störend, nicht so bei "Rivers Run", hier passt es trefflich.
Ganz zum Schluss werden wir mit der einzigen Eigenkomposition verabschiedet, der Titelsong ist ganz spartanisch vorgetragen, nur Gitarre und Gesang. Ein sehr ansprechendes Lied, mit einem gefühlvollem Text, der auch im Booklet abgedruckt ist. (»Full moon shine, reflecting on the water, silence is my oxygen tonight«) Ja, das ist ein sehr schöner Abschied aus der Platte, mit Musik, die laut nach Fortsetzung ruft! Schön wäre es auch, im Rahmen eines Konzertes teilnehmen zu können an dieser guten Stimmung.
Line-up Claus Ulrich:
Claus Ulrich (vocals, acoustic guitar)
Barbara Grischek, Ulrike Buth, Jürgen Schöffel (harmony vocals)
Omar Rodriguez Calvo (double bass)
Heinz Lichius (drums)
Ulrike Buth (fiddle)
Tim Prigge (keyboards)
Arno Schegene (lap steel guitar)
Martin Röttger (cajon)
Andreas Reitner (mandolin)
Tracklisting "You Don’t Need To Speak At All":
- Waterbound [Powell] (3:48)
- Never Die Young [Taylor] (3:16)
- Copperline [Taylor] (4:26)
- Suzanne [Cohen] (4:52)
- To The River [Adams/Canty] (3:52)
- Waterlily [Polwart] (4:01)
- From The Water [Fitzsimmons] (2:49)
- Follow The Heron [Polwart] (3:25)
- Rivers Run [Polwart] (3:22)
- You Don’t Need To Speak At All [Ulrich] (3:27)
Gesamtspielzeit: 36:27, Erscheinungsjahr: 2017



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