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Corky Laing’s Mountain / Live In Melle – CD-Review

Das Mountain-Material, zumindest was die Besetzung Leslie West, Felix Papalardi und Corky Laing angeht, bleibt überschaubar. Die im Musterläppchen der Band verzeichneten Songs sind ähnlich berechenbar.
Alben wie Climbing oder "Nantucket Sleighride" sind natürlich Klassiker der Rockgeschichte und werden es auch bleiben. So kann man Corky Laing’s Mountain als eine Art Erbverwalter der Hinterlassenschaften der 1969 gegründeten Formation bezeichnen. Folglich finden sich in der Tracklist des Doppeldeckers selbstredend Lieder aus der Mountain-Vergangenheit. Allerdings schauen Phil Baker (Lead Vocals, Guitar), Joe Venti (Lead Vocals, Bass) sowie Corky Laing (Drums, Vocals) auch über den Tellerrand, denn im Zusammenhang mit dem Schlagzeuger gab es auch eine Gruppe namens West, Bruce & Laing, in der Jack Bruce den Bass zupfte. Neben Eigenkompositionen hatte dieses Trio auch Cream-Nummer im Sortiment.

Wie nach "Theme From An Imaginary Western" gesagt wird, ist Joe Venti »[…] not feeling on top of the world because of his throut. He’s been singing a lot and I don’t give a shit. I’m just gonna put the shit out of him. […]«
Hier wird eine deutliche Sprache gesprochen, die nicht nur gerade erwähnten Song sondern beispielsweise auch "Nantucket Sleighride" eher zu einer gesanglich-gefährlichen Rutschpartie als einer schönen Schlittenfahrt werden lässt. Schade! Folglich gibt es auf älteren Veröffentlichungen einige hier zu hörende Nummern in besseren Versionen.

"Introducing/Like A Rollin' Stone" ist ein Corky Laing-Drumsolo mit einem etwas abgewandelten Text des Bob Dylan-Klassikers. Dieser Song ist ungewöhnlich und ungewöhnlich gut … fast sechseinhalb Minuten Wirbelwind-Solo unter finalem Einbezug des Publikums. Ein schöner Abschluss der ersten Platte des Doppeldeckers. Darüber hinaus erfährt man viele, ausgedehnte Hintergrundinformationen zur Mountain-Geschichte. Man greift tief in die Song-Geschichte der damals erfolgreichen Formation.

Corky Laing spricht eine derbe Sprache und so ist der im im Informationsblatt zum Album beschriebene »[…] Hochdruck-Hardrock in Perfektion […]« eine heftige musikalische Angelegenheit, bei der die Spreu vom Weizen zu trennen ist.
Das ungezügelte Spiel entwickelt sich zu einer Art zirzensischen Attraktion. Die im Player ausgewiesene Spielzeit ist nicht immer deckungsgleich mit dem performten Track. So endet "Introducing/Sittin' On A Rainbow" nach etwas über drei Minuten. Dann kann Corky Laing die Setlist nicht mehr lesen und bittet das Publikum um »[…] requests […]« zu denen es nicht kommt. So gibt der Schlagzeuger einfach noch eine weitere Geschichte – über "Goin' Home" von Ten Years After – zum Besten. Insgesamt könnte man die gesamten Wortbeiträge als eine Art erzählte Mountain-Biografie anlegen.

Auch wenn in der Tracklist kein "Introducing …" vorkommt, gibt es dennoch Informationen, die sich in meinem Player übrigens am Ende der Nummern befinden. Ganz gleich wie, mit "Politican" sowie "Sunshine Of Your Love" sind die Cream-Ausflüge nicht schlecht. Joe Venti ist immer noch nicht gut bei Stimme …
Der "Goin' Home"-Abstecher beendet das reguläre Konzert und als Zugabe folgt noch "The Doctor", zu dem Joe Venti wegen seiner Stimme wahrscheinlich am nächsten Tag gegangen ist.

Corky Laing’s Mountain mit "Live In Melle" ist etwas für die beinharten Fans, die alleine wegen der Vollständigkeit der Sammlung alles haben müssen, wo der Bandname Mountain auftaucht.


Line-up Corky Laing’s Mountain:

Phil Baker (lead vocals, guitar)
Joe Venti (lead vocals, bass)
Corky Laing (lead vocals, drums)

Tracklist "Live In Melle":

CD 1:

  1. Introducing
  2. Silver Paper
  3. Dreams Of Milk And Honey
  4. Long Red
  5. Never In My Life
  6. Introducing/Nantucket Sleighride
  7. Introducing/Mississippi Queen
  8. Introducing/Theme From An Imaginary Western
  9. Introducing/Like A Rollin' Stone (Drum Solo)

CD 2:

  1. Introducing
  2. Don’t Look Around
  3. Introducing/Sittin' On A Rainbow
  4. For Yasgur’s Farm
  5. Travellin' In The Dark
  6. Politician
  7. Sunshine Of Your Love (a: Bass Solo, b: Goin' Home)
  8. The Doctor

Gesamtspielzeit: 51:33 (CD 1), 43:04 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2017

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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