Länger war schon nichts mehr aus dem benachbarten Königreich Belgien auf dem Plattenteller, aber heute gibt es die brandneue EP der Prog-Metaller von Cygnus. Das in Eigenproduktion hergestellte Werk, in aufwändigem Gatefold-Digipak, lauscht auf den Titel "The First Hour", beinhaltet vier Tracks und kam 2017 aus der Presse.
Alle vier Bandmitglieder können mit bis zu zwanzigjähriger Erfahrung als Musiker aufwarten und haben sich auf den Ruf von Gitarrist Erik Callaerts und Basser Benny Vercammen zur aktuellen Besetzung zusammengefunden, wenn auch die ersten Tracks von einem anderen Drummer als dem derzeitigen, Kjell de Raes, eingespielt wurden. Sänger Frank Vermeiren hat in Dutzenden Hard Rock- und Pop-Bands gesungen, während Kjell ein solides Klassikstudium absolviert hat und in mehreren kleinen wie großen Orchestern spielt.
Die EP dient als Appetithappen für das in Entstehung begriffene volle Album gleichen Titels, das sich als Konzeptwerk mit dem Ende der Menschheit beschäftigt. Für dieses Amuse-Gueule hat man aussagekräftige Tracks ausgewählt, die die Fähigkeiten der Musiker als breit aufgestelltes Quartett in Komposition und Umsetzung perfekt rüberbringen.
Der Einstieg mit "Skin People" kommt knüppelhart, ohne seichtes Intro oder anderen Firlefanz, hämmernde Bass-Drum und dazu ein paar Keyboards, Power-Prog Metal. Danach folgt ein spannender Wechsel zwischen sanfter gesungenen Parts, nur etwas von feiner Gitarre akzentuiert, und kernig herausgedrückten Vocals. Man merkt immer wieder, dass die musikalische Sozialisation durchaus auch im Hard Rock stattgefunden hat. Wir finden eine schöne Melange verschiedenster Stilrichtungen, die sich zu dem vereinigen, was den Prog im Grunde immer so interessant macht.
"Before Sunrise" ist mit gut siebeneinhalb Minuten das längste Stück und es galoppiert im wahrsten Sinne des Wortes aus den Speakern. Ein fettes Riffing untermalt den kernigen Ansatz dieses Titels, immer wieder unterbrochen von kurzen, schnellen Läufen auf der Sechssaitigen. Hier wird der klassische NWoBHM-Fan in einigen Passagen sicherlich seine Freude finden. Gegen Ende des Tracks 'verlieren' sich die härteren Töne dann in leicht verspielten Klängen, das Tempo sanft nach unten moduliert.
Das folgende "Cyborg" ist wiederum ein feiner Mix aus unterschiedlichen Tempi, die das Prog-Element deutlich machen. Insgesamt dominiert hier gefühlt, neben aller Härte einzelner Passagen, der zurückhaltenere melodische Part des Songs. Das wird zudem noch durch Synthi-Klänge verstärkt, die stark an die Siebziger erinnern.
"War" demonstriert zum Abschluss der EP das volle Programm der Prog-Kiste, rein instrumental und knackig im Tempo – lediglich das Outro ist wieder eher verhalten und bringt ein letztes Mal einen kleinen Solopart auf der Gitarre.
Cygnus haben mit ihrem Erstwerk eine gelungene Demonstration ihres Könnens hingelegt und man darf mit Fug und Recht gespannt sein, wie sie die anderen Titel ihres Longplayers mit musikalischem Inhalt füllen werden. Geht es qualitativ so weiter wie auf dieser EP, dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen und der Prog-Fan darf sich dann ruhigen Gewissens eine neue Scheibe zulegen.
Line-up Cygnus:
Frank Vermeiren (vocals)
Erik Callaerts (guitar)
Benny Vercammen (bass)
Kjell de Raes (drums)
Tracklist "The First Hour":
1. Skin People
2. Before Sunrise
3. Cyborg
4. War
Gesamtspielzeit: 24:30, Erscheinungsjahr: 2017



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