Ende Januar habe ich das Konzert von Danny Bryant in der Bonner Harmonie besucht. Kurz zuvor war das neue Album "Nothing Left Behind" erschienen, das er – wie ich mittlerweile dank der informativen Internetseite setlist.fm weiß – nahezu vollständig live vorstellte. Allerdings war er vor Ort mit drei zusätzlichen Bläsern präsent, wodurch die Songs im Big-Band-Sound gänzlich anders rüberkamen als auf der vorliegenden CD, die ich zuvor auch noch nicht allzu intensiv hatte hören können.
Mit dieser – sehr persönlich bezeichneten – Scheibe arbeitet Danny Bryant, wie vielerorts kommuniziert wurde, persönliche und insbesondere gesundheitliche Schicksalsschläge der letzten Jahre ab. Von daher macht es doppelt Sinn, verstärkt den Texten sein Ohr zu widmen. Die Song-Titel lassen bereits einiges erahnen.
Musikalisch ist es eine typische Danny Bryant-Scheibe, die in klassicher DB-Besetzung eingespielt ist: mit Marc Raner als zweitem Gitarristen, der ihn seit vielen Jahren begleitet und das Album produziert hat, sowie einem Keyboarder, Schlagzeuger und Bassisten. Bemerkenswert ist zudem, dass das Album in den Megaphon Tonstudios von Martin Meinschäfer in Arnsberg aufgenommen und gemixt wurde. Dass die Scheibe bei Jazzhouse Records in Freiburg erschienen ist, ist allerdings keine wirkliche Überraschung, steht Danny Bryant doch bereits seit zehn Jahren (seit dem Album "Blood Money") dort unter Vertrag.
Der musikalische Einstieg erfolgt mit zwei rockigen Songs ("Tougher Now", "Not Like The Others", die ganz nach dem alten Danny Bryant klingen. Es folgen regelmäßige Wechsel zwischen Balladen und wierum rockigeren Stücken, wobei er zunächst mit "Enemy Inside" seine frühere Sucht nach musikalischem Ruhm verarbeitet.
Wie gesagt: musikalisch ist das Album nichts Revolutionäres, nichts wirklich Neues. Durch die Stilwechsel – bei "Nothing Man" geht es musiaklisch fast in seichte Gewässer – entsteht auch beim mehrfachen Hören keine Langeweile. Es ist im positiven Sinne solide und liefert, was man erwarten bzw. erhoffen durfte: Danny Bryant ist wieder der Alte!
Wenn ich überhaupt einzelne Titel besonders hervorheben möchte, dann die beiden letzten auf dem Album, die ausgerechnet beim Konzert in der Harmonie nicht zu hören waren: Zum einen "Just For You", eine wunderschöne Ballade, der einzige Song auf dem vorliegenden Album, der ausweislich des informativen Booklets in Big-Band-Besetzung eingespielt wurde (was allerdings kaum zu hören ist!), und mit einer Spielzeit von sieben Minuten der längste auf der Scheibe ist. Aus einem zunächst recht zurückhaltend instrumentierten musikalischen Thema entwickelt sich über die Zeit eine etwas rockigere Interpretation, ohne den Balladen-Stil zu verlassen.
Zum anderen den Rausschmeißer "Heatwave Heartbreak": ebenfalls eine Ballade, die als reiner Instrumentalsong dargeboten wird – einfach zum Wegträumen! Nur leider viel zu schnell vorbei.
Probleme bei der vorliegenden Scheibe habe ich einzig mit dem Album-Titel, lautet er doch übersetzt, dass Danny Bryant nichts zurückgelassen hat. Ich hoffe doch sehr, dass er seine persönlichen und gesundheitlichen Probleme hinter sich hat und mit dem neuen Album auch neu durchstarten kann. Ich interpretiere den Album-Titel daher etwas freier mit ’nichts verlernt', denn die CD ist eine typische Danny Bryant-Scheibe: solide, nicht Mehr, aber auch nicht Weniger. Und das ist gut so!
Line-up Danny Bryant:
Danny Bryant (vocals, lead guitar)
Marc Raner (guitars)
Jamie Pipe (keyboard)
Artjon Feldtser (bass)
Alexander Hinz (drums, percussion)
Tracklist "Nothing Left Behind":
- Tougher Now
- Not Like The Others
- Enemy Inside
- Swagger
- Redemption
- Three Times As Hard
- Nothing Man
- Missing You
- Lover Like You
- Just For You
- Heatwave Heartbreak
Gesamtspielzeit: 48:48, Erscheinungsjahr: 2026


Neueste Kommentare