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Ego On The Rocks / Acid In Wounderland – CD-Review

Ego On The Rocks - "Acid In Wounderland" - CD-Review

Mitte der siebziger Jahre kam es in der Hannoveraner Combo Eloy zu einem Umbruch. Frank Bornemann löste die Band kurzerhand auf, um sie fast genau so schnell mit neuen Musikern wieder aufzubauen. Neu in der Band waren neben dem Bassisten Klaus-Peter Matziol auch der Keyboarder Detlev Schmidtchen sowie der ehemalige Scorpions-Schlagzeuger Jürgen Rosenthal. Und dieses Quartett prägte in den kommenden Jahren dann nicht nur die kommerziell erfolgreichste, sondern wahrscheinlich auch musikalisch beste Phase der Bandgeschichte. Die Alben Dawn (1976), Ocean (1977) sowie Silent Cries And Mighty Echoes (1979) gelten auch heute noch als Meilensteine der deutschen Musik-Historie. Allerdings gab es auch zwischenmenschliche Differenzen, die schließlich zum Ausstieg von Schmidtchen und Rosenthal führten. Die beiden beschlossen jedoch, weiterhin gemeinsame Sache zu machen und gründeten das Projekt Ego On The Rocks.

Sehr ambitioniert wurde ein sich über drei Alben streckendes Konzept erarbeitet und 1981 das Debüt "Acid In Wounderland" veröffentlicht. Wer nun erwartet hatte, hier eine neue Eloy-Platte unter anderem Namen zu bekommen, hatte sich allerdings getäuscht. Denn vorgelegt wurden acht progressive Rock-Songs, die sich doch deutlich weit von Eloy wegbewegt hatten. Die einzelnen Tracks, die entweder von einer fetzigen Gitarre oder auch den Keyboards geprägt waren, werden immer wieder von Sound-Collagen bzw. in die Tracks eingefügte Gesprächsfetzen ergänzt, was dem Werk immer wieder mal einen surrealen Touch verpasst. Musikalisch durchaus hochwertig, fügten Schmidtchen (lead vocals) und Rosenthal (spoken word) ihre Stimmen hinzu. Künstlerisch ein absoluter Erfolg, denn ein solcher Sound wurde hierzulande zu jener Zeit ansonsten von niemandem sonst kreiert. Zumindest ist dem Rezensenten bisher noch keine solche Platte untergekommen.

Die Songs sind tatsächlich ein einzigartiger und sehr gelungener Mix aus Rock, Electronic, Progressive und Psychedelic. Nicht zu vergessen, ist Detlev Schmidtchen ein Multiinstrumentalist, der auf dieser Scheibe neben den Keyboards auch als Gitarrist sehr gekonnt in Erscheinung tritt. Man begibt sich zu Anfang der Platte sprichwörtlich auf eine Reise, die erst mit dem letzten Ton endet. Und wie in jedem guten Film gibt auf diesem Trip jede Menge zu erleben, manchmal rasend schnell und manchmal auch etwas gemäßigter, relaxter. Traumhafte, unwirkliche Szenarien werden immer wieder von härteren Parts abgelöst, die den Hörer in die Realität zurück reißen. Dass die beiden Musiker qualitativ ganz oben mitspielten, muss dabei nicht extra erwähnt werden.

Leider ergab es sich damals, dass immer mehr Schwierigkeiten und für die beiden Musiker eher enttäuschende Verkaufszahlen dazu führten, dass Ego On The Rocks nach diesem Album bereits wieder Geschichte war. Schmidtchen und Rosenthal trennten sich 1982 in Freundschaft und arbeiteten später auch wieder zusammen, unter anderem bei Schmidtchens Trilogie The Last Planet. Sehr schade, denn nach dem Genuss von "Acid In Wounderland" wünscht man sich die nächsten beiden Alben sprichwörtlich herbei. Als kleiner Trost sind für diese Neuauflage der Platte fünf Bonus Tracks hinzugefügt worden, die aus den damaligen Sessions stammen und möglicherweise für den zweiten Teil gedacht waren. Somit haben wir es hier mit einer echten vergessenen Perle zu tun, die auch heute noch hochaktuell klingt und es absolut wert ist, entdeckt zu werden. Unbedingt anchecken!


Line-up Ego On The Rocks:

Detlev Schmidtchen (strings, Arp- & Moog-& Roland synthesizers, sequencer, organ, keyboards, guitars, bass, lead vocals)
Jürgen Rosenthal (drums & percussion, tapes, vocals)

Tracklist "Acid In Wounderland":

  1. 7 To 7 Or 999 To 99 Hope
  2. 1 Un (all)gemeine Bestürzung
  3. Erected Error
  4. Mystik + 1 + 9 + 8 + 0
  5. Asylum
  6. Hazard
  7. Godbluff
  8. Civilization Song 1
  9. Destroy The Ground (bonus track)
  10. Losers And Finders (bonus track)
  11. Another Saturday Night (bonus track)
  12. Civilization Song 2 (bonus track)
  13. Once In Africa 1 (bonus track)

Gesamtspielzeit: 78:03, Erscheinungsjahr: 2025 (1981)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv
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Meine Konzerberichte im Team mit Sabine
Mail: markus(at)rocktimes.de

1 Kommentar

  1. Bernd S.

    Das waren geile Zeiten als diese Scheibe bei, ich sag mal, besonderen Abenden aufgelegt wurde und los ging die Reise. Offenbar wurde die CD Ausgabe nun wieder aufgelegt, war ja lange Zeit vergriffen und eine Originalvinyl in gutem Zustand ist einiges wert. Kann mich nur anschliessen, absolut empfehlenswert.

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