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Finally George / Painter – CD-Review

Finally George / Painter – CD-Review

Mit "Painter" legt der Hamburger Produzent und Multiinstrumentalist Georg Hahn nun sein drittes Album vor, nachdem er 2018 mit seinem Debüt "Life Is A Killer" den Weg selbst Musik zu machen eingeschlagen hat. Das Album kam in der Szene gut an und so hat sich bewiesen, dass nach fast drei Jahrzehnten Arbeit für andere Musiker das eigene Musizieren eine richtige Entscheidung war. So folgte 2021 "Icy Skies" und voilà: jetzt legen wir "Painter" in den Player.

Die Information, dass sich Prog im Stil der Siebziger Jahre in der Playerschublade befindet, lässt Spannung aufkommen und natürlich macht sich auch eine gewisse Erwartung breit. Diese wird verstärkt, wenn man sich ein paar Fakten zu den Mitmusikern des Projektes anschaut. So hat Matthias Pogoda an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg stufiert; Klassische-, Populärmusik und Jazz. Als Pianist und auch an der Gitarre ist er gefragter Gast bei u. a. Inga Rumpf und der NDR-Bigband. Stefan Pintev hat ebenfalls Popularmusik studiert und neben seiner über 40-jährigen Tätigkeit als Konzertmeister im James Last Orchester sowie seiner fast 40-jährigen Anstellung beim Sinfonieorchester des NDR kann er auf Liveauftritte mit Chaka Khan, Ray Charles oder Bobby McFerrin – um nur mal ein paar Namen zu nennen – verweisen.

Zu Boris Matchin gibt es die Philharmoniker Hamburg, das Münchner Rundfunkorchester, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und die Hamburger Symphoniker zu nennen. Boris Havkin studierte an der Moskauer Gnessin-Musikakademie, am ebenfalls in Moskau ansässigen Staatlichen Tschaikowski-Konservatorium und an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Zusätzlich absolvierte er ein Kapellmeisterstudium und war Trompeter in der Moskauer Philharmonie sowie im Russischen Nationalorchester. Zu Billy King gibt es zu sagen, dass der seit vielen Jahren Tourbegleiter von Roland Kaiser ist und dass er auch für Westernhagen, Helene Fischer und AC/DC gesungen hat.
Was Drummer Todd Suchermann betrifft, ist klar, dass da der Styx-Drummer gemeint ist. Und auch die beiden Gitarristen kann man adäquat verorten. Im Fall von Johnny Beck ist da Sylvan zu nennen und bei Erlend Krauser wird man bei Lake fündig.

Dieser Auszug aus den Vitas einiger Musiker des Line-ups mag verdeutlichen, dass der Hörer hier unbedingt Qualität erwarten darf.

Die Eingangstöne erinnern an PInk Floyd. Die Vocals kommen zart – Al Stewart taucht vor dem geistigen Auge auf. Leichte Pianoklänge und das wuchtig werdende Drumming (Todd Sucherman halt) leiten hin zu geilen Chorstimmen. Ein fast zärtlicher Opener des Albums, bis sich die Komposition aufbäumt, der Gesang kräftig wird und proggige Landschaften gestaltet werden. Und nun darf auch die Gitarre solieren und ja, "Painter" ist ein perfekt gewählter Name, denn die musikalische Landschaft präsentiert sich den Ohren, wie ein Gemälde den Augen.

In diesem Stil geht es größtenteils weiter durch das Album. Zarter Art Rock mochte man fast sagen. Fast, denn durch die klassischen Instrumente rollt zum Beispiel in "Something New" auch schon mal eine Orchesterwelle durch das Geschehen.

Diese Ausbrüche in Verbindung mit dem eher süßlichen Gesang – wobei sich das süßlich sicher nicht auf die aussagekräftigen Texte, sondern auf meist zarten Stimmbandschwingungen bezieht. Gitarren sind neben elektrisch ab und an auch von akustischer Natur. Es geht aber auch mal weniger zart; so wenn in "Why" die harte Variante des Prog an der Grenze zum Metal rüttelt. Die Anzahl der vom melodischen Art Rock abweichenden Sequenzen ist jedoch schwach dosiert, sodass im Gesamten von einem eher ruhigen Werk zu sprechen ist.

Dieses Werk lebt von der Professionalität aller beteiligten Musiker und natürlich von den Instrumenten wie Geige, Cello, Horn, Trompete und Bratsche. Piano, Hammond und die verschieden Gitarren sind im Verbund mit dem erstgenannten Instrumentarium eine Symbiose eingegangen, die äußerst angenehm und passend daherkommt. "Painter" darf man als Album bezeichnen, dass man gerne mit Kopfhörer genießen und sich dabei dem ein oder anderen Gedanken und Traum hingeben mag. Abdriften geht aber eher weniger, denn gerade das ungestörte Hören unter den Muscheln offenbart allerlei Feinheiten, die es zu goutieren gibt.
Sollte in der Tat jemand beim Hören wegdriften, so wird das äußerst rockige "Child Of The Universe" – da hat es auch wieder diesen geilen Choreinsatz –  für eine Schlag mit dem feuchten Waschlappen auf die Wange sorgen. Lauwarm ist er aber, der feuchte Waschlappen.

Ein schönes und gelungenes Art Rock-Album.


Line-up Finally George:

Finally George (vocals, bass, keyboards, guitars)
Todd Sucherman (drums & percussion)
Detlef Bösche (Hammond organ – #1,5,7)
Matthias Pogoda (piano – #1)
Johnny Beck (guitar – #2,3*,5,8)
Erlend Krauser (guitar – #1*,2)
Stefan Pintev (violin & viola – #7)
Boris Matchin (cello – #7)
Boris Havkin (trumpet & horn – #3,7)
Billy King (choir – #1,2,6)

*Solo

Tracklist "Painter":

  1. Painter (7:53)
  2. Something New (5:31)
  3. Why (5:15)
  4. What Kind Of Place (3:30)
  5. Listen (6:04)
  6. Sunrise (4:48)
  7. My Way To You (3:15)
  8. Child Of The Universe (7:35)
  9. Wolves (2:00)

Gesamtspielzeit: 45:54, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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