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George St. Clair / Ballads Of Captivity And Freedom – CD-Review

George St. Clair - "Ballads Of Captivity And Freedom" - CD-Review

Der amerikanische Sänger, Musiker und Komponist George St. Clair lebt bereits seit einigen Jahren in England, wuchs jedoch in Texas auf. Seine Familie arbeitete auf den dortigen Ölfeldern, sodass der junge George auch schon eine gehörige Dosis des sogenannten harten Lebens mit harter Arbeit und schlechter Bezahlung mitbekommen hat. Irgendwann zog es ihn nach Austin, Texas, wo er seine echte Feuertaufe als Live-Künstler bekam. Seit über zwanzig Jahren arbeitet er als Archäologe und Anthropologe, was ihn durch mehrere südliche US-Staaten und nach Mexiko führte, bevor er dann nach Europa umsiedelte. Die Musik hat ihn wie seine Heimat jedoch nie losgelassen und so zog es ihn für die Aufnahmen zu "Ballads Of Captivity And Freedom" dann auch zurück in die USA, genauer gesagt nach Richmond, Kalifornien.

Und wenn dies nur dafür gut war, Musiker mit dem richtigen Feeling für St. Clairs Songs und Stil zu finden, dann hat sich dieser Schritt allemal gelohnt. Der Amerikaner legt auf den hier vorgestellten zwölf Tracks ganz wunderbare, melodische Americana- und Roots Rock-Songs vor, die weit davon weg sind, glattgebügelt oder aufgesetzt zu wirken. Mit den üblichen organischen Instrumenten eingespielt, sind es neben den qualitativ sehr hochwertigen Leistungen der Session-Musiker vor allem immer wieder die Gesangsmelodien, die hervorragend ins Ohr gehen und dort zumeist auch für längere Zeit bleiben. Neben Piano, Bass und Schlagzeug ist die Akustik-Gitarre das dominierende Instrument. Die i-Tüpfelchen kommen dann zumeist von der Pedal Steel Guitar, die die Stücke ein ums andere Mal klasse abrundet.

Textlich geht es bei George St. Clair um zwischenmenschliche Themen, ein weiterer großer Punkt ist jedoch die Beziehung zwischen den amerikanischen Ur-Einwohnern und der sogenannten 'weißen' Bevölkerung. Die oben genannten Stilbezeichnungen deuten es schon an: Hier sind natürlich viele Country-Einflüsse im Spiel, aber auch Folk- und Singer/Songwriter-Anleihen sind vertreten. Die sehr gelungene Mischung dieser Genres macht die Scheibe dann auch zu der, die sie geworden ist. Der Pedal Steel-Gitarrist Dan Lebowitz bringt durchaus aber auch immer wieder mal eine Elektrische ins Spiel, was natürlich nicht schadet. Über eine Gesangslinie zum Sterben schön und tonnenweise Feeling verfügt beispielsweise "Cynthia", das ansonsten lediglich von der Akustischen, dem Bass und etwas Percussion unterstützt wird. Und bevor ich es vergesse: Eine gute Prise Westcoast steckt hier auch noch drin.

"Ballads Of Captivity And Freedom" ist kein reißerisches Album geworden, aber auch kein übertrieben nachdenkliches oder melancholisches. In den Lyrics werden viele offene Fragen aufgeworfen, über die es sich (vor allem für Amerikaner) unbedingt anbieten würde, darüber nachzudenken. Die Scheibe zieht den Hörer jedoch zu keinem Zeitpunkt in einen emotionalen Keller, denn dazu sind die Songs an sich schon viel zu gut. Der Opener "Tularosa" ist (wie etwa auch "Up To Fail") eine sehr starke Country Rock-Nummer, bei "New Mexico" geht es wieder in Richtung Westcoast und bei "Talkin' Mesquite" denkt man automatisch an die Talking Blues-Stücke eines Townes Van Zandt, eigentlich sehr seltsamer Weise kommt mir hier (wahrscheinlich wegen der Phrasierung) allerdings auch Lou Reed in den Sinn.

George St. Clair hat zwar (noch?) keinen großen bzw. bekannten Namen, "Ballads Of Captivity And Freedom" sollte man aber unbedingt anchecken, wenn man auf sehr gute Americana- und Roots-Musik steht.


Line-up George St. Clair:

George St. Clair (acoustic guitars, bongos, lead & background vocals)
Mike Stevens (drums & percussion)
Dan Lebowitz (pedal steel guitar, electric guitars)
Ben Bernstein (bass, lead acoustic guitar – #3)
Kirby Hammel (piano, organ)
Mark Estall (background vocals)
Maya Abramson (background vocals)

With:
David Cuetter (pedal steel guitar – #1,2)
Amy Sher (fiddle – #1)

Tracklist "Ballads Of Captivity And Freedom":

  1. Tularosa
  2. The Places Where They Prayed
  3. Autumn 1889
  4. Corridors
  5. Good Times
  6. Cynthia
  7. Up To Fail
  8. Lie To Them
  9. Cimarrones
  10. New Mexico
  11. Pedro Paramo
  12. Talkin' Mesquite

Gesamtspielzeit: 56:36, Erscheinungsjahr: 2018

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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