Der musikalische Pfad führt mich heute in die Schweiz. Bisher war Lea Maria Fries unter dem Projektnamen 22° Halo tätig, das aktuelle Album der Luzerner Künstlerin erscheint nun erstmals unter eigenem Namen, "Cleo" heißt es. Fries wuchs auf dem Land auf, ihr Sangestalent wurde von einer Musiklehrerin entdeckt und gefördert. So konnte sie die Jazzschule Luzern besuchen, musikalisch scheute sie sich auch nicht, sich dem Free Jazz zu nähern. Beim von Quincy Jones geleiteten Wettbewerb Jazz Vocal Competition des Festivals in Montreux war sie seinerzeit mit einundzwanzig Jahren die Jüngste der Finalteilnehmerinnen.
Das Debütalbum "Cleo" markiert einen Meilenstein in der Karriere der Protagonistin. In der Presseinformation wird darauf hingewiesen, dass die eindrucksvoll ihre künstlerische Vielseitigkeit und ihr Talent beweist, in dem sie verschiedene musikalische Einflüsse zu einem harmonischen Gesamtwerk vereint.
Und genau das kann ich nachvollziehen nach dem Eindruck der dreizehn Songs des Albums. Eine Mixtur aus Jazz, Folk, Electronica, Improvisation und Chamber Pop. Mir fallen spontan sehr ungewöhnliche Strukturen auf, sehr ungewöhnliche Arrangements, die sich teils holpernd und oft etwas 'kantig' und für viele Hörer*innen sicher unbequem präsentieren, und immer wieder gibt es Wechsel im Rhythmus. Bei "Umleitung" beispielsweise bringt eine Trompete jazzgetränkte Farbe ins Spiel. Stets ist ein leichter Hauch von Avantgarde zu spüren. Ja, eigentlich ist das keine Popmusik, kein Folk, kein Rock, kein Jazz, denn irgendwo steht die Musik zwischen vielen Stühlen.
So nimmt sich die Protagonistin recht viel künstlerische Freiheit, strahlt mit sehr ausdrucksstarken Gesang, dem man die Schulung des Jazz wohl anmerkt. Auf dem grundsätzlich unbegleiteten "Chrüz" singt sie etwa eineinhalb Minuten lang in ihrer Muttersprache, und ihre Solostimme begleitet sie mit ausfüllenden Zutaten; kurz erklingt zum Schluss ein Piano, der Song gleitet dann über in "Cleo", das mit einem coolen Jazz-Rock-Rhythmus ganz funky abgeht, dabei gibt es gesanglich eine Nähe zum Scatten. Wiederum fügt die Trompete des Gastmusikers Raynald Colom eine wichtige Komponente hinzu.
Ja, und durch diese hervorragende Abwechslung der Stimmungen und emotional unterschiedlich geprägten Songs bietet die Künstlerin allen Zuhörern’*innen die Gelegenheit, einen persönlichen Lieblingssong auszuwählen. Das zeugt von großer Reife, nicht nur von Lea Maria Fries und den Kompositionen, sondern auch von allen beteiligten Musikern, ein gemeinsam geschaffenes grenzüberschreitendes Werk von ganz hoher Güte, so etwas findet man heute wirklich sehr selten in einer solchen Vielfalt und Qualität!
Line-up Lea Maria Fries:
Lea Maria Fries (Gesang/Lyrics)
Gauthier Toux (Piano)
Julien Herné (Bass)
Antoine Paganotti (Schlagzeug)
Gäste:
Raynald Colom (Trompete)
Tao Ehrlich (Schlagzeug)
Vincent Peirani (Akkordeon)
Yessaï Karapetian (Klavier)
Tracklist "Cleo":
- Liquid Thoughts (1:28)
- Witch’s Broom (4:12)
- Umleitung (3:45)
- Chrüz (1:34)
- Cleo (4:05)
- Just Passing (3:09)
- India Song (4:24)
- Life Below (3:54)
- Fungi (4:34)
- Hello (I’m On) (3:26)
- Get Off My Back (3:03)
- Jools (5:21)
- Liquid (0:48)
Gesamtspielzeit: 43:49, Erscheinungsjahr: 2025



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