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Lou Christie, die strahlende Lichtgestalt / Nachruf

Hardy Hepp (Krokodil) am 26. Januar 2026 verstorben

Benommen muss man zur Kenntnis nehmen … der Blitz hat schon wieder eingeschlagen …

Nun traf es die im Schatten der großen Beach Boys fast vergessen strahlende Lichtgestalt, die Lou Christie war. "Lightning Strikes" toppte die US-Charts 1966 und bildete seinen wohl berühmtesten Hit, der sich in fortlaufender Serie weiterer Singles durch die gesamten 60er bis hinein in die 70er Jahre zog.

Lou Christie, bürgerlich mit dem nicht weniger eindrucksvollen Namen Lugee Alfredo Giovanni Sacco in Glenwillard, Pennsylvania geboren, wurde bekannt für seine faszinierende, nahezu opernhafte Stimme, und ein Falsetto, das Brians Jungs und Barrys Brüdern diese hohen Künste gelehrt haben muss. Titel wie "The Gypsy Cried", "Rhapsody In The Rain", "Two Faces Have I" oder "I’m Gonna Make You Mine" festigten Christies Status nicht nur in den Pop- und Soft-Rock-Hitlisten dies- und jenseits des Atlantiks, sondern positionierten den gutaussehenden Mädchenschwarm auch in Hollywoods Kalkül als Co-Star in angesagten Beach-Party-Filmen an der Seite von damaligen Teen-Idolen wie Frankie Avalon.

Doch Lou hatte seinen eigenen Kopf, sah Show-Hypes kommen und gehen und wollte stets woanders lang. Zahlreiche Kollaborationen zeugen von seiner wachen Neugier und dem Interesse an musikalischem Anspruch und künstlerischem Austausch auch jenseits der Bubble-Gum-Pop-Ära. 1971 veröffentlichte Christie sein ambitioniertes Konzeptalbum "Paint America Love", das keinen Geringeren als Leonard Bernstein zu einem begeisterten Kompliment hinriss. Es gilt weithin als sein bestes Werk, aufgenommen mit kritisch, doch wohlwollend distanziertem Blick in London, wohin es den klassisch ausgebildeten Sänger der Liebe wegen für einige Jahre verschlug.

Lou Christie schrieb seine Titel größtenteils selbst oder zusammen mit seiner langjährigen besonderen Freundin und Mentorin Twyla Herbert. In einem 1974 produzierten Country-Album coverte Christie höchst erfolgreich den Klassiker "Beyond The Blue Horizon", in der Weise, die einmal mehr seine unerhörten Gesangsqualitäten unter Beweis stellt. Der Song wurde später Teil des Sound-Tracks von "Rain Man" und anderen Filmen.

Wer den Radius von Lou Christies Strahlkraft erfassen will, sollte schwindelfrei sein, um sich die schier endlose Liste unglaublich illustrer Namen von Freunden, Wegbegleitern und Bewunderern des Ausnahmetalents verinnerlichen zu können: Ricky Nelson, Del Shannon, Lesley Gore, Valerie Simpson, Diana Ross, Brian Hyland, Tony Romeo, Bobby Rydell, Phil Spector, Mike Love, Billy J. Kramer, Pia Zadora, Bo Diddley, Gary U.S. Bonds, Jerry Lee Lewis, Wilson Picket, Ben E. King, Darlene Love, Leonard Bernstein, The Rolling Stones, The Who, John Lennon, Madonna, Elton John, Paul Schaffer … .

Von allen geschätzt war 'cool cat Lou' für seine stets bodenständige Art und seinen herzlich trockenen Humor. Er blieb bis zuletzt aktiv und tourte noch in den vergangenen Jahren als Top-Act im Oldie Circuit neben Stars wie Jay & The Americans, The Buckinghams, Peter Noone und Herman’s Hermits.

Lou starb am 18. Juni 2025 im Alter von 82 Jahren.

Rest in Peace, lightning legend.

Über den Autor

Grit-Marina Müller

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