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Lucinda Williams – "World’s Gone Wrong" – Digital-Review

Lucinda Williams - "World's Gone Wrong" - Digital-Review

Im Alter von 73 Jahren und einem überstandenen Schlaganfall ist die Amerikanerin Lucinda Williams nach wie vor erstaunlich aktiv. So konnten wir euch in den letzten paar Jahren nicht nur die Alben Stories From A Rock’n’Roll Heart sowie den siebten Teil aus ihrer "Lucinda’s Jukebox"-Cover-Serie namens Lucinda Williams Sings The Beatles From Abbey Road vorstellen, die Frau schreibt obendrein noch autobiografische Bücher wie das zuletzt erschienene "Don’t Tell Anybody The Secrets I Told You". Bereits seit Januar 2026 ist ihr aktuelles Werk "World’s Gone Wrong" auf dem Markt, mit dem sie – inklusive einer Cover-Version – zehn neue Tracks veröffentlicht hat. An ihrer Seite hatte sie dafür neben ihrem langjährigen Gitarristen Doug Pettibone auch die beiden prominenten Neuzugänge Marc Ford (Ex-The Black Crowes) an der Gitarre sowie den Schlagzeuger Brady Blade, der bereits mit vielen Szene-Größen wie unter anderem Emmylou Harris oder Steve Earle zusammengearbeitet hat.

Textlich greift Miss Williams auf der neuen Scheibe nicht nur, wie vielleicht zu vermuten wäre, Missstände in ihrer Heimat USA, sondern Probleme, die den gesamten Globus betreffen, auf. Natürlich schaut sie aber auch genauer auf den amerikanischen Alltag. So wie beim eröffnenden Titeltrack, der von einem Paar in den USA handelt, das finanziell gerade noch so über die Runden kommt, obwohl beide arbeiten. Musikalisch wieder klasse mit diesem warmen erdigen Sound in Szene gesetzt, für den erneut der Produzent Ray Kennedy verantwortlich zeichnete. In die selbe Kerbe haut das ruhigere "Low Life", das von einer Bar als Rückzugsort für Leib und Seele erzählt, wo die Protagonistin Hurricanes (ein in den Südstaaten sehr beliebter Cocktail aus Rum, Zitronensaft und Passionsfrucht-Syrup) trinkt und in der sie ständig Jukebox Songs von Slim Harpo sowie Dr. John laufen lässt. Eine Bar, in die man sogar ohne Schuhe reingehen darf, was in den USA ansonsten ein absolutes Tabu ist.

Der Rezensent kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Vocals der guten Lucinda auf dieser neuen Platte wieder deutlich beschwingter anhören, als in den letzten Jahren. Die für Ihren Gesang so typische Melancholie ist – kein Wunder bei den textlichen Themen – zwar nach wie vor vorhanden, dennoch hört sich das alles wieder frischer an. Bei der einzigen Cover-Nummer handelt es sich um Bob Marleys "So Much Trouble In The World", für das die großartige Mavis Staples den Part der Duet-Sängerin übernommen hat. Klasse! Auch Norah Jones ist für das Stück "We’ve Come Too Far To Turn Around" als Gast dabei. Neben ihrem schönen Piano-Spiel klingt das Album mit dieser Nummer zwar nicht als Duett, dafür aber mit zweistimmigem Gesang auf sehr hohem Niveau aus. Bei einem weiteren rockigen und sehr guter Track handelt es sich um "Something’s Gotta Give", in der die in den letzten Jahren allgemein aggressivere und rücksichtslosere Vorgehensweise in der Politik angeklagt wird.

Um die Gefühlslage von Lucinda Williams zur Zeit des Songwritings für diese Scheibe zu erahnen, braucht man sich eigentlich nur weitere Songtitel wie "How Much Did You Get For Your Soul?", "Freedom Speaks", "Black Tears" oder "Punchline" anzuschauen. Abschließend bleibt zu sagen, dass "World’s Gone Wrong" zwar kein "Car Wheels On A Gravel Road" ist, aber dennoch, wie eigentlich alle Alben von Frau Williams, in sich sehr schlüssig wirkt und mit starken Songs und diesem so ganz eigenen Gesang auf ganzer Linie überzeugt. Bleibt zu hoffen, dass die Lady gesund und uns noch lange erhalten bleibt, denn wenn sie – musikalisch gesehen – eines ist, dann so etwas wie eine Qualitäts-Garantie. Wer erstmal reinhören will, dem seien die Stücke "Something’s Gotta Give", "Low Life", "We’ve Come Too Far To Turn Around" sowie der Titeltrack ans Herz gelegt. Wer Lucinda Williams sowieso schon mochte, kann hier erst recht nichts falsch machen.


Line-up Lucinda Williams:

Lucinda Willliams (lead vocals)
Doug Pettibone (electric guitars, piano – #9, background vocals – #3,6,7)
Marc Ford (acoustic-, electric- & slide guitars, background vocals – #3)
Rob Burger (Hammond B3, Wurlitzer, Vox Jaguar)
David Sutton (bass, upright bass – #5, background vocals – #3)
Brady Blade (drums, tambourine – #3, djembe – #5)

With:
Mickey Raphael (harmonica – #3)
Brittney Spencer (background vocals – #1,2)
Maureen Murphy (background vocals – #4,6,7,9)
Mavis Staples (duet vocals – #5)
Siobhan M. Kennedy (background vocals – #6,7)
Norah Jones (piano & vocals – #10)

Tracklist "World’s Gone Wrong":

  1. The World’s Gone Wrong
  2. Something’s Gotta Give
  3. Low Life
  4. How Much Did You Get For Your Soul?
  5. So Much Trouble In The World
  6. Sing Unburied Sing
  7. Black Tears
  8. Punchline
  9. Freedom Speaks
  10. We’ve Come Too Far To Turn Around

Gesamtspielzeit: 47:39, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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