Wow, wenn das mal keine Vorschusslorbeeren sind: Der legendäre David Crosby erzählt scheinbar gerade jedem in den USA, der es hören will, dass Marcus Eaton »…einer der besten jungen Singer/Songwriter Amerikas… vielleicht der ganzen Welt…« ist. Eaton sei »…wie Gott – an einem guten Tag!« Und um dann auch gleich Nägel mit Köpfen zu machen, hat der Altmeister das Album "Versions Of The Truth" von Marcus Eaton nicht nur co-produziert, er hat es sich auch nicht nehmen lassen, zu drei der Songs die Background bzw. Harmony Vocals einzusingen. Eaton war übrigens auch schon mal in Deutschland unterwegs, als er im Herbst 2016 für ca. drei Wochen im Vorprogramm von Jeff Young (der auf dieser neuen Scheibe ebenfalls als Gast vertreten ist) auftrat. Mit "Versions Of The Truth" hat unser Protagonist nun also seine (falls mir nichts entgangen ist) dritte Platte, die bereits seit 2015 erhältlich ist, neu auf den Markt gebracht. Das Debüt "Story Of Now" erschien bereits 2007, gefolgt von As If You Had Wings im Jahr 2011.
Der in Los Angeles ansässige Amerikaner zeichnet sich im Besonderen durch zwei Fähigkeiten aus: Zum einen hat er unglaublich melodiöse Gesangslinien sowie -harmonien am Start und zum zweiten fällt fast umgehend sein ungewöhnlicher Stil an der (Akustik-) Gitarre auf. Sein Spiel scheint den jeweiligen Song zunächst vorsichtig abzutasten und ihn dann zu umzingeln, bevor es urplötzlich fest zuschnappt, den 'Schwitzkasten' eine Weile aufrecht erhält, nur um diesen dann wieder klammheimlich zu lösen und wieder in diese im Kreis tänzelnde, sich wie ein Komet rund um den Track drehende Haltung einzunehmen. Das ist nicht nur fantastisch, es ist jedes Mal auch aufs Neue immer wieder spannend. Eatons Gesang ist von der Tonlage ziemlich hoch angelegt, was natürlich nicht jeder Musik-Fan mögen muss. Er ist aber auch zu keinem Zeitpunkt wirklich störend oder gar abtörnend. Vielmehr passen Crosbys Harmony Vocals deshalb natürlich wie die Faust aufs Auge oder der sprichwörtliche Ar… auf den Eimer.
In den Songs selbst steckt – was sowohl die Musik als auch die Texte angeht – unheimlich viel Arbeit drin. Bei den Lyrics geht es um Formen der Liebe bzw. Beziehungen in allen möglichen, nicht immer einfachen, Konstellationen. Und selbst wenn der Kalifornier hier jede Menge Instrumente selbst übernommen hat, kommen dann doch immer wieder die Talente der Mitmusiker Eric Eldenius (Schlagzeug), Leland Sklar (Bass), Jeff Young oder James Raymond (Crosbys Sohn) zum Tragen. Einfach nebenher laufen gelassen schleicht das Album bzw. seine Songs zunächst erstmal um den Hörer herum, will noch nicht so richtig zupacken und scheint seinen Weg wie ein gemütlicher Gebirgsbach ohne größere Ausschläge nach oben oder unten finden zu wollen. Der Teufel liegt hier allerdings im Detail. Genauer gesagt den unglaublich vielen Details, die diese Scheibe zu einer wirklich guten machen. "I Will Be Your Shade" setzt sich beispielsweise irgendwann so dermaßen in den Gehörgängen fest, dass es gar nicht mehr von dort raus will.
Ich würde jetzt zwar nicht so weit wie die von David Crosby zu Beginn dieses Reviews gemachten Statements gehen, aber Marcus Eaton hat definitiv Klasse. Wie genau er mit seiner Musik, seinen Songs und seinem Gesang das persönliche Gusto des jeweiligen Fans trifft, ist wie immer von jedem selbst abhängig. Der Boden für den Amerikaner ist jetzt zumindest dahingehend geebnet, voll durchzustarten. Der nächste große Anlauf dazu wird im Frühling 2018 starten, wenn er für seine erste eigene Tour nach Europa kommt. Ich freu' mich schon drauf!
Line-up Marcus Eaton:
Marcus Eaton (acoustic & electric guitars, bass, synthesizers, Wurlitzer, drum-programming, percussion, lead vocals)
Eric Eldenius (drums, percussion, handclaps)
With:
David Crosby (harmony vocals – #1,4,8)
Kitch Membery (harmony vocals – #5, electric guitar – #8, additional programming – #8)
Ann Marie Calhoun (violin – #2,7,8)
Leland Sklar (bass – #4,8)
John Evans (bass – #8,12,13)
Francesca Montecampi (hand claps – #4)
Giovanna Famulari (cello – #8)
James Raymond (piano & drum programming – #8, pedal steel synth – #12)
Jeffrey Young (piano & Hammon organ – #12)
Tracklist "Versions Of The Truth":
- Up And Over
- Flying Through The Fire
- Shade Prelude
- I Will Be Your Shade
- Better Way
- Invisible To You
- Reverie
- Barbie
- Picture Of Us
- Sunrise Prelude
- Sunrise Lets You Down
- The Sting
- Calm Beneath
Gesamtspielzeit: 50:56, Erscheinungsjahr: 2017 (2015)



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