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Mikael Máni / Innermost – CD-Review

Mikael Máni / Innermost - CD-Review

Der aus Island stammende Gitarrist Mikael Máni wurde durch seinen Vater, der einen Plattenladen und ein Plattenlabel führte sowie mehr als zehntausend LPs zu Hause hatte, die er wohl ständig hörte, an die Musik herangeführt. Zunächst lernte der junge Mikael Piano. Als Teenager verlor er jedoch das Interesse daran, doch Mutter drängte ihn dazu, weiterzumachen. Im Alter von zwölf Jahren schenkte ihm ein Onkel eine elektrische Gitarre, und so wirklich begeistert soll er wohl auch nicht gewesen sein, hatte er nun letztlich im Hinterkopf, ein weiteres Instrument lernen zu müssen – mit täglichen Übungen. Aber schließlich 'verliebte' er sich in die Gitarre, sie wurde sein bester Freund und sie blieb es auch.

Zur Besprechung liegt mir ein Album vor, dass bereits im November 2023 veröffentlicht wurde und nun erneut in das Licht der Öffentlichkeit gerückt wird. Mit der Musik auf "Innermost" soll er einen musikalischen Rückblick auf seine Jugend und einen Lebensabschnitt des Wandels, der Inspiration und der inneren Bewegung geschaffen haben. So ist zu lesen, dass es sich um eine vielschichtige Reise in die Vergangenheit handeln soll, jedes Stück inspiriert von Alben, die prägend waren, von Jimi Hendrix über Debussy bis hin zu Bob Dylan. Hinsichtlich des Bezugs seiner Jugend wird auf lange Busfahrten, die der Protagonist zur Schule hat unternehmen müssen, verwiesen, hier entdeckte er ganz unterschiedliche Genres, die er probierte und sich darin treiben ließ.

Ja, und genau dieses Gefühl gilt es nun nachzuvollziehen. Allein die Unterschiedlichkeit der Genres wird durch die Vielzahl der zahlreichen Musiker*innen repräsentiert. Neben einer Basis-Besetzung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard werden einige Songs ergänzt um den Einsatz von Streichinstrumenten, und ein Metallophon erklingt ebenfalls.

Diese Vielseitigkeit zeichnet sich während des Hörens ab durch die breit gestreuten emotionalen Ausrichtungen, mitunter wirken die Songs wie kleine Untermalungen von Filmsequenzen. Neben Jazz ist es auch mit Rock angereichert, so dass Jugenderinnerungen durchaus dadurch Einzug hielten.

Von Beginn an bin ich erstaunt über diese recht entspannte Stimmung: Eine ständig fließende 'Berieselung' in positivem Sinne ist das. Sehr schön, wie man sich fallen lassen kann und dabei mit auf die Reise in die Jugend des Musikers zu gehen. So entdecke ich durchaus den einen oder anderen Bezug auf die erwähnten Vorbilder, die ihn haben entsprechend berühren können. Mit einem sehr klaren und flüssigen Gitarrenstil, der sich ebenfalls im Umfeld von Jazz und Rock bewegt, trägt er seine Eindrücke vor, teils etwas mehr in Richtung Jazz gewichtet, und mit ganz viel poetischer und erzählender Ausrichtung. Ein sehr ausdrucksstarker Song ist mit seiner schönen Lyrik "When Buttercups Grow", und weniger am Jazz orientiert. Auch "Unexpected Turn" enthält entsprechend des Titels einige unerwartete Wendungen innerhalb des Stückes.

Sieben der acht Songs wurden von Mikael Máni komponiert, nur "Birthday" stammt von der isländischen Band The Sugarcubes. Besonders geprägt durch die bekannt gewordene Sängerin Björk Guðmundsdóttir ist das Original ein sehr ungewöhnlicher Song, der nun in instrumentaler Version sich auch ein wenig abhebt von den übrigen Titeln, sich jedoch weitestgehend integriert in den Gesamtsound. Mit "Gratitude" werden wir verabschiedet aus dieser Platte mit recht eigenwilliger Musik, auch hier gewinnt der Song durch den Einsatz der Streicher sehr an Ausdruckskraft, wobei es der Gitarrist vollbringt, all diese Eigenarten mit ganz verschiedenen Nuancen auszukleiden und stets Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ja, so hat er zumindest mich mit auf seine jugendliche Busreise mitnehmen können, und ich fühlte/fühle mich sehr gut unterhalten.


Line-up Mikael Máni:

Mikael Máni Ásmundsson (electric guitar)
Lilja María Ásmundsdóttir (metallophone & piano)
Henrik Linder (electric bass)
Magnús Trygvason Eliassen (drums)
Tómas Jónsson (keyboards)
Júlía Mogensen (cello)
Guðrún Hrund Harðardóttir (violin)
Una Sveinbjarnardóttir (violin)
Yasney Rojano Cruz (violin)

Tracklist "Innermost"

  1. The Raccoon And The Dog (3:33)
  2. Innermost (4:53)
  3. Bus Song (5:30)
  4. Time Together (5:07)
  5. When Buttercups Grow (5:39)
  6. Unexpected Turn (5:32)
  7. Birthday (5:02)
  8. Gratitude (6:12)

Gesamtspielzeit: 41:31, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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