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Minerall / Strömung – Digital-Review

Minerall / Strömung – Digital-Review

Über das Bandprojekt Minerall, das aus den drei Musikern Marcel Cultrera,Tommy Handschick sowie Dave Schmidt aka Sula Basana besteht, muss man nicht mehr viel sagen. Ich verweise auf den Artikel zum Vorgänger Bügeln und wenn man sich dort eingelesen hat, geht es mit vorliegender "Strömung" in gewohnter Weise weiter.

Will sagen, dass bei der Session vor etwas mehr als zwei Jahren in den Hannoveraner Buffbergen Studios so gut Geburtstag gefeiert wurde, dass das Material für eine weitere LP gereicht hat. Natürlich wieder auf 180 Gramm Recycling-Vinyl, limitiert auf 500 Exemplare und mit beiliegendem Download Code, damit man die schwarzen Rillen nicht permanent malträtieren muss. Limitierte Scheiben kann man nämlich nicht einfach nachkaufen und im Auto sind sie erst gar nicht zu gebrauchen. Da haben Benzin, Diesel, Gas und Strom ihren gemeinsamen Nenner.

Gemeinsam ist "Bügeln" und "Strömung" auch, dass Klangguru EROC für den guten Ton verantwortlich zeichnete. Allerdings ist neben den beiden Zwanzigminütern noch etwas anders als beim 2024er Longplayer: Es gibt auch eine »Sulatron Shop Only- Special Edition«, die auf 100 Stück limitiert ist, ein exklusivem Poster beinhaltet und in schwarz-weißem Corona Vinyl daherkommt.

Jetzt aber zur ersten Nummer "Strömung", deren Intro kurz an Hawkwind gemahnt, dann stoisch, aber mit Kraft alles verschlingt, was im Wege steht. Oder besser: was der "Strömung" zu nahe kommt, wird von ihr mitgerissen. Bei fast zwanzig Minuten Spielzeit muss man nicht hudeln, sondern kann genüsslich aufbauen. Das wird ausgiebig bewiesen, denn die erste Eruption bricht nach etwa dreieinhalb Minten aus den Membranen.
Dicke und dünne Saiten tanzen auf den Wellebergen, die, hochgepeitscht von der Schießbude, einerseits brachial nach vorne rollen und deren Gischt andererseits durch filigrane Elektronik rasiermesserscharf durch die Luft peitscht.

Das Geburtstag feiernde Trio scheint nicht nur zu wissen, wie man solche Tage anständig begeht, sondern hat es auch drauf, die Spannung in der Musik hochzuhalten. Einerseits durch die Platzierung der sphärischen und fast zeitlupenhaften Momente im Gesamtkontext des Stückes. Andererseits durch nicht einfach wildes Jammen, sondern durch immer wieder neue Überraschungen, wie etwa nach doomiger Maultrommel klingenden Passagen, sägende und verzerrte Stahlsaiten-Orgien, oder auch elektronische Soundeskapaden.

Angetrieben von der "Strömung" rollt nun die "Welle" dahin. Fast gemächlich und scheinbar im Richtung Orient, denn dieser melodiöse Touch schimmert mal mehr, mal weniger immer wieder durch. Was ebenfalls sofort klar wird ist eine Ahnung, dass diese 'gemächlich dahinrollende' "Welle" nicht einfach so durchs Meer wandert – nein, man spürt das Potential, um die ruhige Meeresoberfläche doch enorm zu stören. Und es passiert natürlich. Die Rezeptur ist analog der, der "Strömung". Wie im richtigen Leben, ob unter oder über Wasser: "Strömung" und "Welle" gehören zusammen – wie Hopfen und Malz.

Marcel, Tommy und Dave haben ja alle einen Band-Background. Und diese Formationen, wie unter anderem Speck, Earthbong, Electric Moon oder Zone Six geben auch quasi vor, was man an Geburtstagsfeiern so auflegt oder zu welchen selbstgespielten Ständchen man handwerklich in der Lage ist.
Wie auch der Vorgänger "Bügeln", beweist "Strömung", dass die die drei Musiker viele gemeinsame Gene haben. Sie beweisen ebenfalls, dass bei zwei zusammen vierzig Minuten langen Jams musikalische Langeweile ein Fremdwort ist. Und wäre diese Art von Musik nicht prädestiniert, auf Vinyl veröffentlicht zu werden – es hätte fernab des vinylschen Umdrehzwanges auch alles in einen Track gepasst und der wäre nicht minder spannend.

Die gekonnte Mischung aus psychedelischem Stoner, krautig-sphärischen Jams und der absolut stimmigen Symbiose aus Stahlseiten, Fellen und elektronischem Equipment beweist die Klasse des Trios und man kann nur auf viele weitere Geburtstagsfeten hoffen. Selbstverständlich auch unabhängig davon, ob man dabei – außer Kuchen – mitschneidet.

Happy Birthday, nachträglich.


Line-up Minerall:

Marcel Cultrera (guitar, fx, spaceecho)
Tommy Handschick (drums)
Dave Schmidt aka Sula Bassana (bass, fx, synthesizer)

Tracklist "Strömung":

  1. Strömung (19:35)
  2. Welle (20:24)

Gesamtspielzeit: 39:59, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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