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Minotaurus / Memories In The Haze – CD-Review

Minotaurus Memories In The Haze

"Memories In The Haze" ist bereits das siebte Studioalbum der Band Minotaurus. Erschienen ist es beim deutschen Label NRT-Record, dem sich das Sextett im April 2025 anvertraut hat. Die 1994 in Aschaffenburg gegründete Formation sieht sich im Ancient-Folk-Metal zu Hause. Dahinter steckt die Verschmelzung von Heavy Metal mit traditioneller, antiker oder mittelalterlicher Volksmusik. In dieser Stilrichtung werden oft heidnische Motive, traditionelle Instrumente (wie Geigen, Flöten und Bouzoukis) sowie alte Sprachen oder Mythologie eingebunden. Typisch sind epische, rustikale Klänge und Geschichten aus vorchristlichen Kulturen oder der alten Folklore, die die Kraft des Metal mit der Magie der Volksmusik verbinden sollen.

So erklärt sich der Bandname, der wiederum in Anlehnung an eine Gestalt der griechischen Mythologie entstanden ist. Minotauros legen alle denkbaren Fesseln ab und musizieren munter drauf los. In erster Linie kommt auf dem neuen Longplayer beim Hörer melodiebetonter Metal an. Schon der Opener "Master Of The Universe" ist ein zeitlos ansprechendes Lied, das einfach gute Laune verbreitet. Daran knüpft das nachfolgende "Memories In The Haze", der Titelsong des Albums, an. Schon sind wir inmitten des Klangkosmos der Aschaffenburger. Mit Clarissa Hobeck und Oliver Klump gibt es beim Gesang zwei interessante Optionen. Diese setzen Minotarus in Einheit mit der stilistischen Vielfalt gekonnt ein. Das Songwriting lässt schnell erkennen, dass hier Musiker zu Gange sind, die ihr Handwerk beherrschen und über den Tellerrand hinaus blicken können. In den elf Kompositionen stecken aber genauso Anleihen an traditionellen britischen Heavy Metal der Marke New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM). Das mag nicht unbedingt der erklärte Anspruch der Band sein, der Musikliebhaber jedoch ist mit seinen Hörgewohnheiten schnell zu Hause.

Auf dem Album wechseln deutsche und englischsprachige Titel einander ab. Das ist ebenfalls ein interessanter, probater Ansatz. Wenn Elemente des Power Metal besonders zum Vorschein kommen, dann lässt sich das am besten von den melodienbetonten Stücken ableiten. Dann werden Gitarrensoli eingeflochten, wie bei der Hymne "Heroes", bei der zusätzlich die Stimmen von Clarissa Hobeck und Oliver Klump in einem Lied verschmelzen. Das treibende "Sehnsucht" setzt traditionelle Instrumente ein. Der deutschsprachige Text rückt diesen Track in die Nähe vergleichbarer Gruppen, die in Deutschland mit dieser Art von Musik erfolgreich sind. "Tears Of A Hero" vermittelt uns gegen Ende ein Gänsehauterlebnis. Die Ballade als vorletzter Track ist einer der Höhepunkte einer insgesamt sehr ausgewogenen Scheibe. Dass sich Minotaurus mit zwei Sprachen alle Optionen offen halten, ist durchaus legitim. Es gestaltet das vorliegende Album abwechslungsreich und allemal interessant.

Die stilistische Vielfalt bei Minotauros vermittelt den Eindruck einer gefestigten, selbstbewussten Band. Die 32 Jahre sind im positiven Sinne nicht spurlos an den Musikern vorbeigegangen. In einer Rezension zum Album "Victims Of The Unterworld" wird den Akteuren ein Sound bescheinigt, der »gleichermaßen authentisch wie mitreißend« ist. »Knackige Gitarren, ein kraftvoller Bass und technisch brillantes Schlagzeugspiel« gehen einher mit einem »dynamischen Gesang«. Diese Beschreibung trifft es ebenfalls für "Memories In The Haze". Die eingängigen Rhythmen sind trotzdem ein willkommener Anlass, das Album durch mehrmaliges Hören tiefer zu erschließen. Während alle Stücke von den Mitgliedern von Minotarus komponiert wurden, wurde das Album von Siggi Zundel in den Sound Factory Studios produziert, gemischt und gemastert.


Line-up Minotaurus:

Oliver Klump (vocals)
Clarissa Hobeck(vocals)
Reiner Zumkeller (guitar)
Jürgen Hermann (guitar)
Marcus Finger (bass)
Rouven Zumkeller (drums)

Tracklist "Memories In The Haze":

  1. Master Of The Universe
  2. Memories In The Haze
  3. Coming Home
  4. Der Jüngling Am Bache
  5. D.R.I.P.
  6. Heroes
  7. Lonely Prisoner
  8. Proud Kings Of Avalon
  9. Sehnsucht
  10. Tears Of A Hero
  11. Goodbye

Gesamtspielzeit: 53:17, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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