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Nandha Blues / Nandha Strikes Again – CD-Review

Nandha Blues / Nandha Strikes Again

Aus dem schönen Italien kam unlängst ein feines Scheibchen auf meinen Schreibtisch geflattert, das mir von Darren Flower vom kanadischen Rock It Up-Radio wärmstens ans Herz gelegt worden war. Eine kurze Recherche zeigte ganz schnell, dass die italienische Blues-Combo von Nandha Blues bereits mit ihrem Debütalbum, Black Strawberry Mama, vom geschätzten Ex-Kollegen Steve Braun inspiziert und für äußerst hörenswert befunden worden war. Zwei Empfehlungen somit, die es mir unmöglich machen, am vorliegenden "Nandha Strikes Again" vorbeizugehen.

Außer dem damaligen Kopf der Besetzung, Max Arrigo, ist niemand von der alten Truppe mehr übrig und er hat sich mittlerweile mit Alberto Fiorentino am Bass und Roberto Tassone am Schlagzeug neu eingespielt und mit diesen die aktuellen neun Tracks in Silber gegossen. Nach meiner Information sind alle Songs live im Studio aufgenommen worden und man muss schon sagen, das klingt fast so, als stünde das Power-Trio auf der Bühne und lässt sich von seiner eigenen Musik in andere Sphären tragen.

Schon der Opener, "749 Blues", knallt direkt so dermaßen rein, mit Slide und Harp, untermalt vom treibenden Rhythmus aus bass und Drums, dass in einem Club sicherlich keine (mit großem K) Extremität ruhig verweilen könnte. Die Jungs haben Spaß und sie bringen den Spaß rüber. 1:0 für Nandha!

Spätestens mit dem folgenden "Last Note" – eigentlich würde man diesen Titel beim Rausschmeißer erwarten – lässt die Band keine Fragen bezüglich ihrer musikalischen Vorlieben offen. Wir denken automatisch an Gov’t Mule, an die Black Crowes, an den Süden generell und wir lassen uns treiben. Genauso, wie die Band es zu machen scheint. Die Uhr steht beim zweiten Track schon auf über zehn Minuten und du denkst, die haben gerade erst angefangen – so muss das!

"What You Got" schließt sich mit locker flockigem Mittanz- und Mitsing-Takt an, driftet mit einer coolen jazzig-funkigen Saxofon-Einlage ein wenig aus der Blues-Schiene ab und kumuliert mit den Tempo-Wechseln zu einer knackigen und interessanten Nummer. "Bring Me Some Water" steigt nun erneut mit den klassischen Blues Rock-Komponenten ein und entwickelt sich zu einem Stück, dass mit ellenlangen Jam-Parts auf der Bühne problemlos auf dreißig Minuten gezogen werden könnte. In Teilen erinnert es stark an "Listen To The Music" von den Doobie Brothers.

Es folgt "Something Left Behind", das im Tempo ein wenig reduzierter dahinfließt und mit getragener Stimme Arrigos eine gewisse Schwermütigkeit transportiert. Unterstützend auch hier mal wieder diese geniale, auf das Wesentliche beschränkte Gitarrenarbeit. Ganz anders dagegen das unmittelbar anschließende "Cajun Lady" mit flotter Harp und eingängigem Honky Tonk-Feeling. Auch hier überzeugt ein weiteres Mal die mehr als nur begleitende Rhythmus-Fraktion. "Busted" vermittelt etwas das Gefühl des einsam alten Schwarzen, der im Sumpf sitz und vor sich hin lamentiert – im positiven Sinne. Zurückgenommenes Tempo, nur ein wenig Gitarrenarbeit (Gastmusiker Mark Johnson an der Dobro) und Gesang – klasse.

A propos Gastmusiker, die drei Jungs haben sich für quasi jedes Stück noch mindestens eine Verstärkung ans Mikro oder das eine oder andere Instrument geholt, sei es die Harp, das Klavier oder eine weitere Gitarre. Die Reihe ihrer Freunde ist lang und die Qualität der Beiträge richtig sehenswert.

"I’d Rather Walk With The Devil" legt gegen Ende der Rille nun wieder etwas an Tempo zu und auch hier kommt wieder der coole Tempo-Wechsel zum Einsatz, der zudem von Gastgitarrist Eric Saylors mit nicht minder coolem Beitrag garniert ist. Entlassen werden wir richtig zünftig von "The Mouth Of The Lion", das sich gleichzeitig als Empfehlung für hoffentlich weitere Veröffentlichungen aus dem Hause Nandha Blues in die Gehörgänge schiebt.

Mit der Empfehlung zweier geschätzter Personen fing diese Rezension an und ich schließe den Kreis, indem ich auf die anfänglichen Worte zurückkomme. Ja, uneingeschränktes Dankeschön! Wer auf fetzigen Power Blues mit interessanten kleinen Stippvisiten bei anderen Genres steht, der sollte dieser Scheibe unbedingt eine Chance geben, die seit wenigen Tagen auch in Deutschland erhältlich ist.


 Line-up Nandha Blues:

Max Arrigo (vocals, guitars)
Alberto Fiorentino (bass, backings)
Roberto Tassone (drums)

Tracklist "Nandha Strikes Again":

  1. 749 Blues
  2. Last Note
  3. What You Got
  4. Bring Me Some Water
  5. Something Left Behind
  6. Cajun Lady
  7. Busted
  8. I’d Rather Walk With The Devil
  9. The Mouth Of The Lion

Gesamtspielzeit: 43:50, Erscheinungsjahr: 2019

Über den Autor

Jochen von Arnim

Beiträge im Archiv
Genres: Blues, Rock, Heavy Metal

1 Kommentar

  1. mulehead

    Ich kann dem Autor nur in alle Punkten beipflichten. Ein klasse Album, das sicher in den nächsten Sendungen vorgestellt wird.

    mulehead (Franz)

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