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Nick Schnebelen / Live In Kansas City – CD-Review

Nach dem Konzert der Nick Schnebelen Band im Blues Moose Café ist vor der Rezension von "Live In Kansas City". Mit zehn Titel kann man sich einen klasse Eindruck vom Trampled Under Foot-Mitbegründer machen. Die im Trio mit Cliff Moore am Bass sowie Adam Hagerman (Schlagzeug) eingespielten Songs zeugen von der Klasse des Künstlers und seiner Begleitmusiker.
Zehn Lieder repräsentieren natürlich kein komplettes Konzert, allerdings ist die vorliegende Platte in jeder Hinsicht ein sehr gelungener Überblick und zündender Happen für den Besuch eines Gigs von Nick Schnebelen.

Der Hörer ist angetan von den Nummern, die fast alle Eigenkompositionen (oder im Team geschrieben) wurden. Wie so oft bestätigen sich natürlich auch hier die Ausnahmen von der Regel. Der Opener "Fool" fesselt einen schon an den Lautsprechern. Ein Track, der nach mehr Blues von Nick Schnebelen verlangt. Im Midtempo angesiedelt, ist man fasziniert von den fetten E-Gitarrenriffs und der leicht rauchigen Stimme des Protagonisten. Das wuchtige "Fool" ist tatsächlich auch der erste Track des Auftritts, denn danach begrüßt der Amerikaner kurz sein Publikum.

Nick Schnebelen liebt eine durchaus harte Gangart des 12-Takters und so ist es nicht verwunderlich, dass sich auch ein Muddy Waters-Song wie "Herbert Harper’s Free Press News" auf solide-festem Untergrund bewegt. Dazu bekommt man hier als eine Art Blitzlicht auch noch eine Drum-Einlage von Adam Hagerman geliefert. Ja, Nick Schnebelen steht auch für eine gekonnt-heftig gespielte Gitarre. Klasse Interpretation!
In der Tracklist nicht weit entfernt von letztgenannter Nummer ist es Zeit für den "Mean Time Blues" von Johnny Winter. Das Arbeitsgerät wird nun unter anderem auch vom Bottleneck angetrieben und in dieser Kategorie ist der Mann ebenfalls ganz stark am Start. Man kann fast schon davon sprechen, dass er seiner Gitarre einen richtig schönen Vintage-Sound verpasst und so leicht an Hound Dog Taylor erinnert. Bei zurückhaltender Begleitung schwebt der Metallröhrchen-Sechsaiter förmlich über dem Geschehen. Toll!

Ach, wie herrlich. Bei "Jonny Cheat", einer Nummer, die aus Trampled Under Foot-Zeiten stammt, ist die energetische Boogie-Zeit des Albums angebrochen. Auch hier ist das musikalische Treiben intensiv und wird genau in die andere Tempo-Richtung aufrecht erhalten, denn das folgende "Bad Disposition" ist Slow Blues in Perfektion. Der Frontmann hat den Zwölftakter im Blut und kann ihn so überzeugend an den Mann und die Frau bringen. Auf "Live In Kansas City" ist nichts abgegriffen oder recycelt. Im Gegenteil … die Musik klingt frisch und ist es auch.

Achtung! Zum Ende der Scheibe – bei "Schoolnight" – erlebt der Hörer quasi einen Schwenk auf einen anderen Stil-Kurs, so als würde ein Navigationsgerät einen zum Wenden auffordern. Aber Nick Schnebelen kennt den Weg … hin zur am Jazz orientierten Musik und auch hier applaudiert man vor den Lautsprechern. Dieses Genre steht dem Musiker ebenfalls sehr gut zu Gesicht.
Dieses geschrieben, bewegt er sich bei "Conformity Blues (Instrumental)" noch tiefer in den Jazz, der obendrein von Ablegern hin zur Fusion lebt. Ein anderer, vielleicht nicht zu erwartender Abschluss eines Albums, bei dem danach sozusagen nur ein Konzert folgen wird. Mit "Live In Kansas City" kann sich die Vorfreude auf einen Gig bewahren.


Line-Up Nick Schnebelen:

Nick Schnebelen (guitar, vocals)
Cliff Moore (bass)
Adam Hagerman (drums)

Tracklist "Live IN Kansas City":

  1. Fool (6:38)
  2. Pain In My Mind (3:42)
  3. Herbert Harper’s Free Press News (6:50)
  4. You Call That Love (6:01)
  5. Bad Woman Blues (4:15)
  6. Mean Town Blues (6:01)
  7. Jonny Cheat (5:40)
  8. Bad Disposition (4:47)
  9. Schoolnight (3:19)
  10. Comformity Blues [Instrumental] (4:48)

Gesamtspielzeit: 52:00, Erscheinungsjahr: 2016

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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