Und es begab sich im Jahre 1966, dass ein gewisser Walter Seyffer eine Band gründete, und das war Nine Days' Wonder. Nach und nach formierte man sich um und 1971 war es dann soweit, dass man ein erstes Album veröffentlichte, aufgenommen im Dierks-Studio und produziert von Peter Hauke, Bazillus-Records.
Dieses Album und drei nachfolgende finden wir auf dieser Dreier-CD, die von MIG-Music veröffentlicht wurde. Neben dem Debüt gibt es also folgende Platten: "We Never Lost Control" (1973), "Only The Dancers" (1974) und "Sonnet To Billy Frost" (1976). Im Laufe der Jahre veränderte sich auch die Besetzung. Von Beginn an bis zur letzten Platte blieb Walter Seyffer. Entsprechend der Wechsel änderte sich auch die musikalische Ausrichtung und jeweilige Ausführung.
Zu jener Zeit, als die Band gegründet wurde, wurden die Musiker von damaligen Acts wie Frank Zappa, King Crimson, Van der Graaf Generator oder Soft Machine inspiriert und nahmen auch das eine oder andere Element des freien Jazz ganz vorsichtig auf. Entsprechend zeichneten sich einige Songs auch durch ausgedehnte Improvisationen aus. Nach einer kurzzeitigen Auflösung der Formation kam man im Jahre 1973 für das Album "We Never Lost Control" wieder zusammen. Bereits hier war nur noch Seyffer dabei. Erst für das dritte Album stieß Urmitglied Rolf Henning wieder dazu. Der Indonesier Siddatta Gautama war nun der neue Drummer, für das Album "Only The Dancers" spielten zwei Gastmusiker mit, unter anderem konnte man den Saxofonisten Dave Jackson von Van der Graaf Generator verpflichten.
So gibt es auf dem Debüt keinen direkt auf den Punkt gebrachten Rock, sondern ausufernde Ausflüge auf kreativem Terrain. Allein die Tatsache, dass der erste Song fast sechzehn Minuten lang ist, ist sehr wichtig. Hier spielt auch der Gesang keine wirklich wichtige Rolle, sondern die heftig gestaltenden Gitarren sprechen eine eigene Sprache, Wah Wah inklusive. Eine überraschende und zusätzliche begrüßenswerte Komponente stellt sich nach etwa vier Minuten ein, es werden nämlich Bläser/Flöten eingesetzt. Angesichts der langen Spielzeit darf natürlich auch ein Schlagzeugsolo nicht fehlen, welches Seyffer geschickt in den Verlauf dieser Suite einbaut. Gleich darauf setzt John Earle zum Sax-Solo an, und spielt im Wechsel mit der Gitarre.Nun, das ist sicher nicht dieser typische Krautrock, wie man ihn seinerzeit von deutschen Bands eher erwartete. So vernehme ich ständig bestimmte Assoziationen und es tauchen hiermit Bands wie Skid Row, seinerzeit mit Gary Moore, oder auch anteilig Colosseum auf, und wenn sich idie Flöte zu Worte meldet, muss man unweigerlich auch an Jethro Tull denken.
Ein wenig Humor ertönt im Rahmen des anteiligen "Morning Spirit". Letztlich baut sich die Musik über ihre gesamte Laufzeit auf diesen unerwartet auftauchenden plötzlichen Windungen und Wendungen auf. So ist der Band ein recht ungewöhnliches und für vergleichbare deutsche Bands sehr außergewöhnliches Album gelungen, das sich eindeutig aus der Masse abhebt. Gut, dass man noch zwei Boni spendiert hat, mit zwei Songs, die einst als Single veröffentlicht wurden, als Maternal Joy.
"We Never Lost Control", der Sound hatte sich verändert, im Eröffnungstrack scheint man sich doch eher dem typischen Kraut Rock angenähert zu haben, verzerrte Gitarre über Piano-Passagen, die wie von klassischer Musik inspiriert scheinen, dazu das Mellotron. Viel strukturierter und weniger wild tönt es, dafür recht hektisch mit "Fisherman’s Dream". Freddie Münster kann dieses Erachtens seinen Vorgänger an den Saxes, John Earle, nicht befriedigend ersetzen. Letztlich fehlen auf diesem Album die Frische und die ungezügelte Bekümmerheit des Erstlings: Ein wenig kann man auch Spuren von Art Rock vernehmen, und ein gewisser Anteil Prog ist nicht zu verleugnen.
Mit CD 3 ist nun das Album "Only The Dancers" zu hören. Zunächst stelle ich fest, dass sich Seyffer als Sänger gut entwickelt hat, er klingt für mich hier überzeugender und gefestigter. Insgesamt empfinde ich die Musik als recht entspannt und locker. Gleich beim Auftakt "Long Distance Line" ist das zu bemerken, leider ist das Stück ausgeblendet worden. Mit dem Titelsong nimmt die Musik jedoch wieder etwas an Fahrt auf und dieser Rock klingt irgendwie 'britisch' und so gar nicht nach Kraut. Für gut halte ich es auch, dass Gitarrist Henning wieder dabei ist, und bezüglich der Gäste ist natürlich besonders noch einmal zu erwähnen, dass sich Dave Jackson von Van der Graaf Generator die Ehre gibt. Und er gibt dem Sound diese gewisse Besonderheit, doch integriert er sich relativ stark, kann man doch hier so gar keinen Vergleich zu Jacksons Stammband ziehen.
Nun zur letzten Veröffentlichung, "Sonnet To Billy Frost", und wiederum ein Wechsel des Personals. Beim Auftakt, "Alchemists", denke ich, dass sich die Musik stark verändert hat, sie klingt kommerzieller, ein gewisser Pop-Anteil scheint sich eingeschlichen zu haben. Und so geht es weiter, es klingt irgendwie 'geglätteter', allerdings auch mit weniger Individualität und ohne das gewisse 'Profil', vor Allem im Vergleich zum Debütalbum! Dafür stelle ich fest, dass hier sicher sehr professionell und straff arrangiert und produziert wurde. Hiernach wurde die Band dann aufgelöst. Mithin – ein echter 'Knaller' ist und bleibt für mich das Debüt!!!
Line-up(s) Nine Days' Wonder:
Karl Mutschler (bass)
Martin Roscoe (drums)
Rolf Henning (guitar, piano)
Walter Seyffer (vocals, drums, percussion, effects)
John Earle (vocals, tenor saxophone, soprano saxophone, flute, guitar)
Michael Bundt (bass)
Hans Frauenschuh (guitars)
Karl-Heinz "Hyanzintus" Weiler (drums)
Freddie Münster (saxes, piano, organ, mellotron, Moog)
Siddhatta Guatama (drums)
Dave Jackson (saxes, flute, backing vocals)
Steve Robinson (keyboards)
Bernd Unger(guitars, vocals)
Peter Oehler (guitars, vocals)
Rainer Saam (bass)
Christian Kolonovits (keyboards, Moog)
Gerd Köthe (saxes and flute)
Tracklist "The Bacillus Years":
• Nine Days Wonder (1971)
- Fermillon / Puppet Dance / Square / Hope? / Morning Spirit / Fermillon Himself
- Moss Had Come
- Apple Tree
- Drag Dilemma / Monotony 1 / Stomach’s Choice / Monotony 2 / Interlude / Dilemma
- Ticket To The Northpole (Bonus Track by Maternal Joy)
- Fat (Bonus Track by Maternal Joy)
• We Never Lost Control (1973)
- Days In Bright Light
- Fisherman’s Dre
- Andromeda Nomads
- The Great Game
- Angels Due To Arrive
- We Grasp The Naked Meat
- Amaranda
• Only The Dancers (1974)
- Long Distance
- Only The Dancers
- It’s Not My Fault
- Frustration
- Hovercraft Queen
- Time Is Due
- The Way I’m Living
- Moment
• Sonnet To Billy Frost (1976)
- Alchemists
- I Need A Rest (Part 1)
- In Memory Of Sir Hillary
- Five Minute Musical (Uncle
Franky / Silver Forest) - Turn And Go On
- Sonnet To Billy Frost
- Empty Frame
- Almost October
- Jamie
- You’re Always All Alone With The Things You Love
- I Need A Rest (Part 2)
Gesamtspielzeit: 80:08 (CD 1), 38:55 (CD 2), 47:47 (CD 3), Erscheinungsjahr: 2025 (1971 – 1976)



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