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Omni Selassi / Dance Or Dye – Digital-Review

Noise, Zerstörung, Destruktion, Pop, experimental, Chaos, toxisch, grenzwertig, musikalische Mauern.
Werden noch mehr negative Begriffe für "Dance Or Dye" von Omni Selassi gewünscht?
Dann widmet man sich ganz einfach den sieben Songs auf "Dance Or Dye".

Nach über fünfunddreißig Minuten – vorausgesetzt man schafft das Album bis zum letzten Ton – fühlt man Leere, Wut oder ist einem Nervenzusammenbruch nahe.
Die Musik von Omni Selassi macht einsam.
Nur wenige Momente sprechen eine andere Sprache.

Zwei Zitate von deren Bandcamp-Seite:
»[…] Omni Selassi wanted to save their chaotic stage energy on a sound carrier. […]«
»[…] Nothing on the album is how we wanted it to be. Nothing is how it actually is ? and probably that’s why we like it quite a bit. […]«

Obskur, befremdlich startet das Album mit "Words Like Ships".
Ein Synthesizerton beginnt zu nerven. Vom von Effekten verfremdeten Gesang versteht man eh nichts. Okay, Rea Dubachs Stimme könnte man noch unter einem weiteren Instrument verbuchen. Hat man halbwegs bis zur Hälfte der Nummer durchgehalten, nimmt der Song eine andere Richtung … in noch mehr Chaos. Okay, den Rest "Words Like Ships" könnte man unter freie Improvisation verbuchen.

Soll man es wagen, weiter zu hören?
Bevor die Stopptaste gedrückt werden kann, ist "Frenchsong" schon in vollem Gang. Wie jetzt? Omni Selassi hat lange genug auf einem Ei gebrütet und es schlüpft doch tatsächlich eine Art Pop-Songs aus der Schale. Ach, wie schön. Die Leute vor den Lautsprechern entspannen sich, sammeln die grauen Nerven wieder vom Boden ein. Bei einsetzenden Saxofon-Läufen geht das Stück wieder etwas quer durch die Trommelfelle. "Frenchsong" macht sich auf den Weg zum Herzen, erreicht es aber nicht. Okay, hier gibt es einige Pluspunkte, die die negative Seite des Kontos allerdings nicht in den grünen Bereich hieven.
Etwas besänftig geht es – jetzt erwartungsvoll – weiter.

"XVT [Onîhanîghâ]" beginnt schmeichelhaft, begibt sich dann aber auf den Weg in Noise, Industrial und Experimental. Fast acht Minuten Kondition ist gefragt. Unglaublich! Man meint, es nicht mit einer Combo zu tun zu haben. Okay, man könnte die Nummer auch – mit viel Fantasie – unter Psychedelic verbuchen.
Man braucht schon eine gehörige Portion an Offenherzigkeit, um dem musikalischen Machwerk von Omni Selassi zu folgen. Musik gehört zur Kunst und darüber lässt sich bekanntlich streiten. Omni Selassi ist, bis auf wenige Ausnahmen reine Nervensache. Dennoch liegt "Dance Or Dye" zwischen den Welten aus nur Schwarz oder nur Weiß.

"Frenchsong" war ein Rettungsring und nachdem man Noise, Chaos und andere Extreme überstanden hat, befindet sich "D1111NGER" auf der positiven Seite. Hier scheint das Trio eine relativ ausgeglichene, ja, vielleicht sogar positive Phase zu haben.
"A Child In Its Water" ist versöhnlich, geradezu Ambiente à la Omni Selassi. Herrlich! Hier fließen alle Emotionen in eine Richtung und die heißt Ausgeglichenheit. Die Saxofon-Klänge sind willkommen.

Ausgeglichen ist bei dieser Band nichts.
Musikalisch-heftige Unruhen treffen auf Pop ohne nervende Nebenwirkungen.
Es bietet sich an, der Meinung der Band zu folgen:
»[…] Nothing is how it actually is ? and probably that’s why we like it quite a bit. […]«
Bleibt gesund und nehmt euch zur Ablenkung Zeit für gute Musik.


Line-up Omni Selassi:

Rea Dubach (vocals, synthesizer, guitar)
Mirko Schwab (drums, electro harp)
Lukas Rutzen (drums, synthesizer)

Tracklist "Dance Or Dye":

  1. Words Like Ships (3:30)
  2. Frenchsong (3:29)
  3. XVT [Onîhanîghâ] (7:47)
  4. Horses They Run Too (3:09)
  5. Durban Night Drift (2:00)
  6. D1111NGER (7:58)
  7. A Child In Its Water (7:15)

Gesamtspielzeit: 35:30, Erscheinungsjahr: 2022

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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