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ØSC Meets BMC / Freak Out In The Fjord – CD-Review

2018 waren das Øresund Space Collective (ØSC) und Black Moon Circle (BMC) auf gemeinsamer Europa-Tournee.
Am Ende des Jahres 2017 gab es bereits einen Gig der beiden Bands in Trondheim, Norwegen. Mit von der Partie war auch die Psychedelic Stoner Rock-Combo Red Mountains.
Am nächsten Tag enterte man für einige Sessions das Øra Studio, ebenfalls in Trondheim gelegen.
Ganze neun Musiker füllte das Line-up. Davon sind alleine zwei Gitarristen sowie zwei Bassisten dabei. Veröffentlicht wurden die Jams auf einem limitierten Doppelalbum (fünfhundert Stück) »[…] in a 6-sided digisleeve […]«
Die drei LP-Vinyl-Version (limitiert auf vierhundertvierundsiebzig Exemplare) wird folgendermaßen angeboten: »[…] 184x black, 290x light green transparent (side A/B), light blue (side C/D), turquoise (side E/F), 140 g – 6-sided gatefold – hand numbered […]«

Nach einem Warm-up von einigen Minuten legen ØSC und BMC aber so richtig los. In "Rendezvous In A Nebula" ist bis zirka zur Mitte der Jam von Nebel nichts zu spüren. Psychedelisch-spacig wird gerockt, was das Zeug hergibt und das ist definitiv nicht wenig. Hammer, diese Gitarren-Sounds schwirren – sich auch noch genüsslich überlagernd – durch den Raum, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Tasteninstrumente und Synthesizer haben da kaum eine Chance, sich gegen diese Gitarren-Wand durchzusetzen, auch wenn es eine kurze Phase gibt, in der sie die Oberhand haben. Bei zirka dreizehneinhalb Minuten beruhigen sich die aufgeheizten Gemüter und man wechselt gemächlich zum schwebenden Space Rock der entspannenden Art. Synthesizer sowie Gitarren agieren wie in einer gut funktionierenden Koalition. Jetzt bekommt man eine Impression davon, wie toll die beiden Bassisten Hasse und Øyvin die dicken Saiten zupfen. Gitarrist Vemund liebäugelt mit dem psychedelischen Blues und auf der anderen Seite gibt sich Jonathan die riffige Kante. Das Rückschlagventil der Power öffnet sich wieder voll und erst ganz am Ende erschlaffen die Antriebsfedern. Einer von vier Songs ist vorbei und schon tütet der Hörer das erste Highlight ein.

Es ist nicht angegeben, wer für die tollen Bilder zuständig war. Dann geht eben ein dickes Lob an eine unbekannte Person. Auf Nachfrage bei Dr. Space war es Ed Unitsky, der die Verpackung gestaltet hat.

Auf zur nächsten Jam von der es im Informationsblatt heißt, dass "Afterglow In The Sea Of Sirens" von Miles Davis inspiriert sei. Aber hallo, jetzt wird man ja schon wieder neugierig. Hört man den Beginn der Nummer mit ihrem famos-funkigen Jammen und künstlich erzeugten Trompeten-Sounds ist man ganz nah bei der Band und dem gerade geäußerten Statement dazu. Wer sich vorstellt, ØSC und BMC hier im entspannt dahin schwebenden Ambiente zu erleben, der muss, zumindest was die ersten beiden Tracks angeht, enttäuscht werden. Was wir erleben ist so etwas wie ein Funk-Fusion-Trip, der zwischen geerdet und abgefahren pendelt. Auch wenn es in diesem Track einen relativ chilligen Teil gibt, überwiegt der muskelbepackte Space Rock. Ideenreich und fantasievoll füllt man diese fast vierundzwanzig Minuten und die Musiker haben so einige Überraschungen auf Lager. In diesem Zusammenhang seien nur Jonathans Violinen-Einsatz und diese coolen Keyboards erwähnt.Toll!

"Dinner With Gregg A And Jerry G" bringt man laut den Informationen mit Grateful Dead in Verbindung.
Diese Improvisation nähert sich in Ansätzen der geschichtsträchtigen Jam-Band. Hier und da bewegt man sich, gerade was die Gitarren-Künste angeht, in Richtung Grateful Dead beziehungsweise The Allman Brothers Band. Erste relativ relaxte fünf Minuten entwickeln sich danach zu einem Feuerwerk des Space Rock, der geradezu übermächtige Konturen bekommt. Der Energiefluss bei den Musikern ist exorbitant. Nach oben hin scheint es keine Begrenzung zu geben. Dann fährt man die Lebhaftigkeit doch runter und das Kopfkino liefert einem die Fantasie eines riesigen Sees, auf dessen glatter Wasseroberfläche die Musik dahin surft. In einer kurzen Episode startet man nochmals durch, nur um die gute halbe Stunde sanft ausklingen zu lassen.
Das Titelstück "Freak Out In The Fjord" lässt den Pulsschlag des Hörers ein letztes Mal in die Höhe schnellen. Genauso, wie sich der Album-Abschluss gestaltet. Phasen der Regeneration werden von gigantischer Energie abgelöst. Wahnsinn!

Das Studio-Treffen von Øresund Space Collective und Black Moon Circle ist von Erfolg gekrönt. Rund zwei Stunden Space Rock mit der Betonung auf Rock sind Grundlage für eine vehemente Empfehlung an alle Fans des Genres. In diesem Sinn …


Line-up ØSC Meets BMC:

Magnus (Fender Rhodes, syntheszier)
Tim (drums [right], Fender Rhodes [CD1 – #2])
Simon (drums [left])
Hasse (bass [slight left])
Øyvin (bass [slight right])
Vemund (guitar [right])
Jonathan (violin, guitar [left])
Dr. Space (synthesizer, koascillator, Korg Monotron)
Peran (drums CD1 – #2 [right], CD2 – #1 [center])

Tracklist "Freak Out In The Fjord":

CD1:

  1. Rendezvous In The Nebula (26:18)
  2. Afterglow In The Sea Of Sirens (23:55)

CD2:

  1. Dinner With Gregg A And Jerry G (33:16)
  2. Freak Out In The Fjord (36:02)

Gesamtspielzeit: 50:13 (CD1), 69:18 (CD2), Erscheinungsjahr: 2019

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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