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R.J. Mischo & Tomi Leino Trio – Konzertbericht, 19.06.2022, To Hoop, Rheinberg

Der amerikanische Ausnahme-Harper R.J. Mischo und das aus Finnland stammende Tomi Leino Trio gaben sich am 19. Juni 2022 ein Stelldichein in der angesagten Location To Hoop in Rheinberg.
Für nur zwei weitere Termine (Bischofsmühle, Hildesheim/Petershagen Bluesnacht) war die Formation in Deutschland unterwegs.
Auch für dieses Konzert hat Sami Durak ein besonderes Händchen beim Booking von R.J. Mischo & Tomi Leino Trio bewiesen.

Auf der To Hoop-Website lesen wir über den Harper unter anderem:
»[…] R.J. Mischo (*Robert Joseph Mischo, 1960, Chilton, WI) gilt bei Kritikern und Fans als einer der weltweit besten Harpspieler und Sänger der Gegenwart. Im zarten Alter von zehn Jahren begann er Harp zu spielen. Als er 19 war, arbeitete er bereits als Vollzeit-Profi-Musiker. […] Seine Karriere begann in Minneapolis, wo R.J. sich seine Zähne zuerst zu Songs der örtlichen Heroen wie Percy Strother oder Mojo Buford schliff. Ende der siebziger Jahre spielte er auch in der Band des mittlerweile verstorbenen Gitarristen Percy Strother. […] Es war 1992, als R.J. die weltweite Aufmerksamkeit der Blues-Fans mit der Veröffentlichung von "Ready to Go" auf sich zog. Ein Album, das längst Kultstatus bei Sammlern geniesst. […] Der raue Charme der Fünfziger ist eines seiner Markenzeichen, mittlerweile angereichert durch die Erfahrungen von unzähligen Konzerten – aber auch beeinflusst durch seinen Umzug 1996 an die amerikanische Westküste, wo er heute lebt. […]«

R.J. Mischo & Tomi Leino Trio im Juni 2022 im To Hoop Rheinberg

R.J. Mischo & Tomi Leino Trio im Juni 2022 im To Hoop Rheinberg

Zum etwas mehr als zweieinhalbstündigen R.J. Mischo & Tomi Leino Trio-Konzert im To Hoop, Rheinberg lässt sich das Folgende berichten:
Das Quartett öffnete ein Blues-Buch der Sonderklasse. Sozusagen eine limitierte Extra-Ausgabe der besonderen Blues-Musik.
Sehr spontan ging die famose Formation auf ein Auto ein, das auf dem To Hoop-Parkplatz stand. Die Person zum Pontiac war nicht im Auditorium, aber dennoch läutete die Band den Auftritt mit dem "Pontiac Blues" von Sonny Boy Williamson II ein. Der Song in den Händen der vier Musiker entpuppte ziemlich schnell als eine verdammt swingende Interpretation.

Lässigkeit, Groove, treibender Zwölfzylinder-Zwölftakter, innere Energie und verträumte Qualitäten sollten nur einige Charakteristika des Gigs verdeutlichen.

Die beiden Hauptakteur waren Sänger und Harper R.J. Mischo sowie Tomi Leino, der Zauberer auf den sechs Saiten seiner halbakustischen Guild-Gitarre. Zum großen Erfolg des Konzerts trugen allerdings auch das präzise Drumming von Mikko Peltola und die tollen Bass-Läufe eines Jaska Prepula bei, dessen glitzernder Tieftöner ein Hingucker war. Die beiden Männer aus der Rhythmus-Abteilung sollten noch vor der Zugabe ihre mit Szenenapplaus bedachten Soli spielen. Super!
Soli durfte auch das Stichwort für unzählige Alleingänge von R.J. Mischo sowie Tomi Leino sein. Die beiden Protagonisten befanden sich in Topform und spielten sich zeitweise in einen wahren Rausch, der sich beim Gitarristen wohl eher als innerlich brodelnder Vulkan austobte. Sehr wohl übertrug sich diese Energie auf seine Fretboard-Fahrten, die immer von einer besonderen Leidenschaft sowie Lässigkeit zum Ausdruck gebracht wurde. Tomi Leino sowie R.J. Mischo hatte quasi eine Standleitung zu ihren Seelen, denn auch vom Slow Blues war das Publikum begeistert.

R.J. Mischo (vocals, harmonicas)

R.J. Mischo (vocals, harmonicas)

Noch vor der Pause lobte R.J. Mischo den Soundmann des Abends.
Beide Daumen hoch für Christian, der perfektes Fingerspitzengefühl für die vielen Knöpfe und Regler hatte. An dieser Stelle auch ein Lob an die stets freundliche und aufmerksame Bedienung im To Hoop.
Der Harper spielte seine kleinen Instrumente auch durch ein Fahrradlampen-Mikrofon. Ab und an verfremdete er seinen Gesang, indem er dieses Mikro benutzte. Für ganz spitze Ohren sorgte der Amerikaner, als er den Harp-Klang mit Hilfe der Pappröhre einer Toilettenpapierrolle zwischen Harp und Mikro positionierte. Außerdem brachte er die chromatische Harp zum Klingen. Klasse Sound!
I

n der Setlist befanden sich so einige Instrumentals und dem 1968 verstorbenen Mundharmonikaspieler Little Walter kam besondere Ehre zuteil. "I’m Just A Fool" sowie – bei der Zugabe – "Blues With A Feeling" waren die begeisternden Verneigungen vor dem Musiker.
Slow Blues, Chicago Blues und die Funk-Variante füllten die Ableger des Zwölftakters genauso wie der Country & Western Song "Honky Tonk Angels", interpretiert in Blues-Metrik. Auch Latin-Flair zog durch die Location und man spielte ebenfalls im Stil eines B.B. King. Eine Nummer, als Boogie Woogie angekündigt und in dem Format auch so begonnen, bekam beim Tomi Leino-Solo den Rock’n’Roll verpasst und als R.J. Mischo schließlich noch "When The Saints Go Marching In" intonierte, war so etwas wie New Orleans-Feeling präsent. Toll!

R.J. Mischo faszinierte durch jede Menge Kanzellen-Reisen, die durchaus auch furios waren. Tomi Leino beeindruckte die Zuschauer ein ums andere Mal mit seinem gefühlvollen Gitarrenspiel und die Rhythmus-Fraktion war über jeden Zweifel erhaben.
Hats off, Jaska, Mikko, R.J. und Tomi!

Wir bedanken uns bei Sami Durak für den Platz auf der Gästeliste.
Am 29. Juni wird Joanna Connor im To Hoop, Rheinberg erwartet. Die Vorankündigung ist bemerkenswert: »[…] Einziges NRW Konzert! […]«
Im Gepäck wird sie wohl ihr Album "4801 South Indiana Avenue", das auch von Joe Bonamassa produziert wurde, haben.
Bleibt gesund und nehmt euch zur Ablenkung Zeit für gute Live-Musik.


Line-up R.J. Mischo & Tomi Leino Trio:

R.J. Mischo (vocals, harmonicas)
Tomi Leino (guitar)
Jaska Prepula (bass)
Mikko Peltola (drums, percussion)

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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