"Nicht Stehenbleiben / Move Your Ass In Time", das war im Jahre 1977 die erste Platte der Real Ax Band. Unter den Bandmitgliedern der 1976 gegründeten Berliner Gruppe waren zwei Ehemalige von Embryo, und das schlug sich vielleicht auch im Sound nieder, hinsichtlich des Keyboarders jedenfalls. Damals waren sicher eher Deutschrock oder New Wave angesagt, als sich die fünf Musiker auf das Terrain des Jazz Rock wagten. Mit dieser Platte, "Just Vibrations – Live At The Quartier Latin Berlin", wird von Sireena Records Livemusik aus dem Berliner Quartier Latin mit Aufnahmen von 19./20.April 1978 präsentiert.
Den dezenten leichten Soulanstrich erhält die Musik durch die ursprünglich aus Ghana stammende farbige Sängerin, die Londonerin Maria Archer. Sie schwebt damit relativ locker über dem von der Band erzeugten Groove, allerdings wünschte ich mir ihre Stimme gern kraft- und ausdrucksvoller. Dieser Jazz Rock hatte seinen eigenen Anstrich und war grundsätzlich nicht vergleichbar mit dem, was seinerzeit in den Vereinigten Staaten aktuell war, vielmehr kann man eine stilistische Brücke schlagen entweder nach Großbritannien (Brand X) oder nach Skandinavien (Ruphus, Saluki zum Beispiel).
Die Musiker konnten sich auf diesen Livestücken entspannt auslassen, liegen doch allein vier Songs über der Zehn-Minuten-Marke. Klangtechnisch ist alles einwandfrei, bei der Abmischung und beim Remastering wurde sehr gute Arbeit geleistet. Und so ist es für Alle, die seinerzeit nicht live dabei waren, ein Genuss, diese Live-Atmosphäre auch zu Hause zu genießen. Man könnte sich fast dabei ertappen, angesichts dieses Grooves durch das Zimmer tanzen zu wollen.
Starken Eindruck hinterlässt der sehr elastisch und flexibel agierende Drummer Marlon Klein, der Keyboarder Dieter Miekautsch bestimmt überwiegend den Sound der Band und glänzt auch entsprechend mit ausufernden und einfallsreichen Solodarbietungen. Dazwischen brummelt Toffi Mache am Bass als verbindendes Glied und darf auch einmal mit Soloeinlagen sein Können unter Beweis stellen. Durch die langen Songs entwickelt sich eine richtig spannende Atmosphäre und wenn sich dann noch der Gitarrist Otto Gwiasda energisch einschaltet, dann zeugt das von erstklassigem Jazz Rock aus deutschen Landen. Deshalb verstehe ich nicht, warum die Real Ax Band nicht über einen gewissen Kultstatus hinaus kam und es nur das Debütalbum und nun diese Live-Platte gibt. Denn dieser Jazz Rock hat einen individuellen Charakter von sehr guter Qualität und sprüht durch das Engagement und die Leidenschaft der Musiker. Einzig und allein hätte ich es bei reinen Instrumentalstücken belassen, denn Maria Archer kann mich nicht überzeugen im Gesamtbild.
Line-up Real Ax Band:
Maria Archer (vocals)
Dieter Miekautsch (Rhodes piano, backing vocals)
Otto Gwiasda (guitar, vocals)
Toffi Mache (bass, backing vocals)
Marlon Klein (drums, percussion)
Tracklist "Just Vibrations":
- You Really Shouldn’t Act Like That (10:44)
- Everyone I Know (12:49)
- Someone Else In My Skin (8:47)
- Dreitag der Freizehnte (5:27)
- Waiting (13:03)
- Sammelsurium (et Brimborium) in Aquarium est (13:21)
- Just Vibrations (1:11)
Gesamtspielzeit: 65:25, Erscheinungsjahr: 2018



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