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Richard Kapp / Point Of No Return – CD-Review

Es gibt kein Zurück. Es gibt keine Umkehr. Beim Point of no Return kann der Blick nur noch nach vorn gehen.
Auf "Point Of No Return" macht Richard Kapp Musik ohne seine Band The Gowns, mit der unter anderem Fake! aufgenommen wurde. Er hat auf vorliegender Platte alle Songs komponiert, arrangiert, gemixt und gemastert. Außerdem hat der Wiener alle Instrumente gespielt. Folglich ein lupenreines Soloalbum? Doch nicht so ganz, denn auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel. Beim Opener "Appetite" wirken Bassist Tony Cimorosi (unter anderem Randy Brecker, Temptations) sowie Adrienne Zitt (Vocals) mit. Sie war in einer "Outlander"-Nebenrolle zu sehen.

Auf vorliegendem Album kreiert der Protagonist insgesamt zwölf Szenarien einer tiefgreifenden Gefühlswelt, die klanglich vom Melodram bis zum Lustspiel reicht. Mit "Point Of No Return" nimmt Richard Kapp den Hörer mit auf eine Entdeckungsreise, die ganz unterschiedliche Zwischenstationen hat und die sind so interessant wie aufregend, dass man jeden Halt mit einem Returnticket mindestens noch einmal erleben möchte.

Musikalische Kategorien spielen für den Österreicher keine Rolle. Ihn nach (s)einem Stil gefragt, schrieb er in einer E-Mail: »[…] Ich gebe nichts auf Kategorien. […]« Bezüglich eines Genres gibt er ihn »[…] scherzhaft mit 'Wundertütenmusik' oder 'lieber Anarchie-Pop' […]« an. Okay, man weiß ja nie so genau, was sich in einer Wundertüte befindet, aber früher, als Kind, hat man immer durch Fühlen versucht, zu erraten, was in der Wundertüte sein könnte.

Richard Kapps Wundertüte öffnet sich im CD-Player und dann sorgt der Protagonist durchaus für viele Überraschungen. Alleine schon die Tatsache, dass er alle Instrumente spielt, macht ihn zu einem Tausendsassa, einem Virtuosen auf Tasten.
Obwohl etwas nachdenklich beginnend, ist "Appetite" genau der richtige Türöffner für eine Platte, die trotz ihrer knappen halben Stunde so viel in sich birgt. Herrlich das gemeinsame Singen von Richard Kapp sowie Adrienne Zitt. Herrlich, wenn Bläser-Sounds dem Lied plötzlich mit einer dicken Injektionsnadel den Funk verpassen. Toll, dieser Opener!

Bei Richard Kapp kennt Musik keine Grenzen. Herausragend ist da aus meiner Sicht "Sugazabrakatolla". Zu loungig-jazzigen Piano-Phrasierungen und einem dezent rhythmisierenden Schlagzeug erzeugt der Künstler «[…] mit gepitchter Stimme […]« keine Mickey Maus-Stimmung, sondern eine verfremdete Trompeten-Aura, die sehr eigenwillig klingt, aber ihre Wirkung nicht verfehlt.

Vier Kompositionen haben eine Spielzeit von unter zwei Minuten und dennoch sind die Songs prall gefüllt mit besonderen Erlebnissen. So auch beim Titelsong "Point Of No Return". Was als eine swingende Episode mit zeitweise verfremdeter Stimme beginnt, wird zu einer Art Chamäleon der Rhythmik. Es darf dann auch etwas Latin-Flair oder ganz zum Schluss ein Synthesizer-Dauerton sein.

Das Album ist Musik zwischen genial und abgefahren/abgedreht.

Die Technik macht es möglich … Richard Kapp erzeugt in "Sticky Song" einen ganzen Männerchor. Obendrein ist das Stück auch noch eine a cappella-Nummer mit Beatbox-Klängen. Brillant! "Point Of No Return" ist voller Überraschungen und Wendungen. Richard Kapp geht mit seinem vorliegenden Album ein ziemlich hohes Risiko, denn sehr persönliche Platten können hier und da das Ziel, den Hörer zu begeistern, verfehlen. So allerdings nicht bei dem Wiener, denn er präsentiert seine Ideen nicht ohne ein Augenzwinkern und trotz aller Ernsthaftigkeit sollte man diesen Blickwinkel nicht außer Acht lassen.

"Point Of No Return" ist ein besonderes Album. "Point Of No Return" ist das musikalische Spiegelbild von Richard Kapp.

Zum Schluss sei darauf hingewiesen, dass »[…] "Point Of No Return […] ausschließlich in einer Limited Edition auf CD veröffentlicht und in ausgewählten Record Stores, über Richards Homepage oder auf zukünftigen Gigs erhältlich sein […]« wird.


Line-up Richard Kapp:

Richard Kapp (vocals, piano, melidica, percussion, accordion, synthesizers, samples)

With:

Adrienne Zitt (vocals – #1)
Tony Cimorosi (bass – #1)

Tracklist "Point Of No Return":

  1. Appetite
  2. Expecting Subpects
  3. Double Me
  4. You Are
  5. Sugazabrakatolla
  6. Point Of No Return
  7. Dreams Are Made Of Steel
  8. Lottery Of Life
  9. Drücken
  10. I Am The One
  11. Sticky Song
  12. Conversations After The Show

Gesamtspielzeit: 28:12, Erscheinungsjahr: 2016

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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