Bassist und Sänger Rick van Heuzen formte aus einem ehemaligen Studioprojekt 2021 eine Band mit vollständiger Besetzung. RVH Project kommen aus den Niederlanden und spielen einen Mix aus Melodic Rock, AOR und Prog Rock. 2022 erschien ihr Debüt-Album "Enter The Machine", nun legen sie mit "Land Of The Damned" nach.
Der das Album eröffnende, sehr melodische Titeltrack schnuppert schon recht stark nach traditionellem Heavy Metal britischer Machart. Selbst die Maiden-mäßigen Twin-Gitarren fehlen nicht, was jedoch nicht bedeutet, dass die Band in Punkto Härte auch nur annähernd an die britische Metal-Institution heranreicht. Dennoch ist dieser Song eine tolle Stadion-Hymne, wie ich finde. Auch das folgende "Voices" ist ein melodisches, sehr unterhaltsames Stück mit schönen Hooklines und "Butterfly" geht sogar in Richtung Blues Rock. Bis hierher kommen die Fans der melodischen, aber auch etwas härteren Gangart voll auf ihre Kosten.
Was nun folgt, ist sicher nicht das, was man erwartet hat: Wir tauchen ein in progressiven Rock mit deutlichen Jazz-Einflüssen. Gerade melodieverwöhnte Ohren sollten hier vorsichtig sein, denn "Open Your Eyes" und "Heads Are Gonna Roll" präsentieren sich als besonders experimentell. Die beiden Songs, vor allem letzterer mit 5:35 Minuten das längste Stück der Platte, werden von einem dominanten Synthesizer geprägt. Diese Klangwelt fordert Offenheit für eine 'andere Art' von Musik – weg von eingängigen Melodien, hin zu komplexen Soundlandschaften. Kritiker und Fans könnten hier unterschiedlicher Meinung sein: Manche empfinden diese Tracks vielleicht als Schwäche des Albums, andere feiern gerade diese mutige musikalische Weiterentwicklung. So oder so zeigen die Kompositionen, dass die Band keine Angst hat, neue Wege zu gehen und genretypische Grenzen zu sprengen.
Mein Favorit auf der Scheibe ist "Inject The Venom". Das Lied wirkt auf den ersten Blick recht einfach strukturiert, da es hauptsächlich vom Synthesizer dominiert wird. Dennoch sorgt der Einsatz der Wah Wah-Gitarre für einen besonderen Kick und verleiht der Nummer eine unverkennbare Dynamik. Gerade diese Kombination aus elektronischen Sounds und dem markanten Gitarreneffekt macht diesen spannend und lebendig. "Inject The Venom" zeigt, wie auch scheinbar einfache Arrangements durch clevere Instrumentierung begeistern können.
Im hinteren Drittel haben wir noch das munter rockende "Coming Home", das leicht hymnenartige "The First Time", das live vermutlich eine super Figur macht – und den Abschluss bildet "Dance", welches bei mir aber wenig zündet.
Was bleibt? Ich habe offen gesagt eine zwiegespaltene Meinung zu dem Album. Es ist irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch, wobei Surf and Turf bei manchen Gerichten ja harmonieren kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Klientel die Band mit dem Album eigentlich ansprechen möchte. Kompositorisch sind gerade die "Open Your Eyes" und "Heads Are Gonna Roll" großes Kino, während Songs wie "Marilyn’s Here" und "Dance" in die Belanglosigkeit abdriften. So verlieren sich die Musiker meiner Meinung nach gelegentlich auch in ihren eigenen Konzepten, was zu einer gewissen Ziellosigkeit führt. Statt klarer Strukturen und fokussierter Umsetzung wirken manche Abschnitte überladen oder auch unentschlossen. Insgesamt zeigt die Gruppe aber großes Potenzial und eine kreative Offenheit, die gerade in den kraftvollsten Momenten, wie zum Beispiel beim Opener wunderbar zur Geltung kommt.
Line-up RVH Project:
Rick van Heuzen (bass, lead vocals, backing vocals)
Orion Roos (guitars)
Gerry de Fraaf (drums)
With:
Hans Voerman (keyboards)
Martin Verdonk (percussion)
John JayCee Cuijpers (lead vocals)
Mariloe Rorije (additional vocals)
Tracklist "Land Of The Damned":
- Land Of The Damned
- Voices
- Butterfly
- Open Your Eyes
- Heads Are Gonna Roll (Judgement Day)
- Marilyn’s Here
- Inject The Venom
- Coming Home
- The First Time
- Dance
Gesamtspielzeit: 43:54, Erscheinungsjahr: 2025



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