Zugegeben: ich war nicht wirklich begeistert, als die beste Ehefrau von allen – meine! – dem Vorschlag von Freunden, gemeinsam ein Konzert einer Simon & Garfunkel-Cover Band in der Bonner 'Harmonie' zu besuchen, begeistert zustimmte. Obwohl ich in meiner Jugend Lieder von Simon & Garfunkel sehr gerne gehört sowie selbst mit der Gitarre begleitet habe und deren Texte bis heute – auf Abruf – weitestgehend vollständig mitsingen kann, hat sich mein Musikgeschmack doch derart geändert, dass ich von alleine niemals auf die Idee gekommen wäre, ein Konzert der Simon & Garfunkel Revival Band (nachfolgend kurz: SGRB) zu besuchen. Und dennoch begleitete ich meine Ehefrau – wenn auch völlig unvorbereitet (daher nur einzelne Fotos) – an einem äußerst kalten Januarabend in die Bonner Kult(ur)Kneipe.
Zunächst war ich überrascht, wie viele Menschen bereits eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn auf den Einlass warteten. Weit überwiegend 'Alte Säcke' wie ich, aber dennoch – weniger überraschend – auch zahlreiches weibliches Publikum (ähnliche Alterskategorien), die wahrscheinlich alle auf die wenigen Sitzgelegenheiten auf der oberen Galerie spekulierten. Als wir dann endlich den Konzertsaal betreten konnten, war tatsächlich die Galerie schon voll besetzt, während es insbesondere direkt vor der Bühne ungewohnt leer war. Dabei blieb es aber nicht: Schlussendlich war die Harmonie an diesem Abend sehr gut gefüllt (wenn nicht sogar ausverkauft).
SGRB: eine weitere 'boaring Cover-Band', die auf Gedeih und Verderben sowohl optisch als auch musikalisch auf Ähnlichkeit mit dem Original getrimmt ist? Der erste Eindruck ließ dies befürchten. Kurz nach 20:00 Uhr betraten mit dem Frontmann, Sänger und Gitarristen Michael Frank sowie dem Sänger Guido Reuter (nur) zwei Männer die Bühne, die vom ersten Eindruck her stark an Simon & Garfunkel erinnern: Frank, leicht gedrungen und mit hoher Stirn, die Gitarre vor dem Bauch, mit T-Shirt und Sakko stark an Paul Simon erinnernd, und Reuter, stoisch daneben stehend, etwas verklärterer Blick, die linke Hand in der Jeanshose, wie man es von Art Garfunkel her kennt. Aber: Vorurteil und erster Eindruck können täuschen – und haben es an diesem Abend auch getan.
Los ging es – etwas überraschend – nicht mit den klassischen S&G-Hits, sondern – vielleicht als Motto – mit "Old Friends". Und sofort hörte man, ja spürte man, die musikalische Verbundenheit von SGRB mit ihren musikalischen Vorbildern. Das ruhige, sehr melodiös vorgetragene Gitarrenspiel, der zweistimmige Gesang – perfekt intoniert und aufeinander abgestimmt – es begann bereits perfekt. Wenn man die Augen schloss, konnte man ins Träumen geraten!
Und dann, nach zwei drei Liedern, die Ankündigung von Frank, dass die beiden den Abend nicht alleine auf der Bühne bleiben werden, was angesichts der Vielzahl an Instrumenten, die auf der Bühne platziert waren, auch nicht wirklich verwunderte. Mit dem Schlagzeuger (und Sänger) Ingo Kaiser sowie dem Multiinstrumentalisten Sebastian Fritzlar (Keyboard, Ukulele, Gitarre, Bass, Solo-Drum) betraten zwei weitere Musiker die Bühne, die im weiteren Verlauf zu weit mehr wurden als die angekündigte »kleine Combo, unsere Kapelle, unsere Bigband«, die die beiden Protagonisten mitgebracht hätten. Sie bildeten nicht nur das musikalische Rückgrat, sondern bekamen mehrfach die Gelegenheit, auch solistisch überzeugend in Erscheinung zu treten. Und auch Reuter konnte im weiteren Verlauf des Abends mit seinem hervorragenden Spiel von Geige (gestrichen und gezupft), Akkordeon und Keyboard, dem Einsatz verschiedener Flöten und Kazoo sowie zahlreicher Rhythmusinstrumente seinen instrumentalen Beitrag zum Bigband-Erlebnis leisten.
Was folgte, war ein über zweistündiger Parforce-Ritt (incl. kurzer Pause) durch das durchweg bekannte Repertoire von Simon & Garfunkel, aber auch der beiden Vorbilder als Solo-Künstler, weitgehend sehr nah am Original intoniert, aber auch mit überraschenden Interpretationen. So wurde beispielsweise "Cecilia" zunächst in einer südamerikanisch angehauchten Version präsentiert, bevor im Anschluss die bekanntere Original-Version dargeboten wurde: Klasse!
Dazwischen oftmals recht launige Zwischen-Moderationen überwiegend von Frank, aber auch von Reuter, die das Publikum mehr als einmal zum Lachen brachten, und damit eine intensive Bindung beiderseits der Bühne schufen. Im Einzelnen möchte ich jetzt nicht näher hierauf eingehen, um einen durch diesen Bericht möglicherweise angeregten Konzert-Besuch nicht zu sehr zu spoilern. Denn – Achtung: Spoiler! – am Ende dieses Berichts werde ich den Besuch eines SGRB-Konzerts sehr empfehlen!
Lediglich auf einen Song möchte ich näher eingehen: Vor "50 Ways To Leave Your Lover" weist Frank auf dessen legendären Schlagzeug-Groove hin, der von dem einstigen Paul Simon-Drummer Steve Gadd entwickelt wurde (den sie angabengemäß im kommenden März in Berlin treffen werden!), und an dem in der Folgezeit »zahlreiche Drummer sich die Zähne ausgebissen hätten, außer einer: unser Ingo«! Er, sowie Fritzlar, entwickeln hieraus im weiteren Verlauf einen instrumentalen wechselseitigen Solo-Part bzw. klassische Funk-Einlagen, mit denen sie die beiden Front-Männer im wahrsten Sinne des Wortes quasi »von der Bühne fegen«, bevor diese nach – gefühlt – Stunden(!) wieder auf die Bühne zurückkehren und den Song gemeinsam zu Ende bringen. Sehr großes Kino!
Apropos Publikum: es war rundum begeistert, was in zahlreichem Szenen-Applaus sowie dem intensiven Mitsingen zweifelsfrei feststellbar war. So gestaltete sich das Konzert in weiten Teilen mehr zu einem Sing-along-Abend als es ein Konzert üblicherweise ist. Und so wurden zum Ende der Show lautstark Zugaben gefordert, die von den Protagonisten auch offensichtlich gerne gebracht wurden. Überhaupt: über die gesamte Dauer des Abends war die Spielfreude der Band jederzeit spür- und wahrnehmbar, was auch in einzelnen Show-Einlagen deutlich wurde, ohne in irgendeiner Weise übertrieben zu wirken. Sehr eindringlich interpretiert die erste Zugabe: "Bridge Over Troubled Water", eingangs nur mit Keyboard und Gitarre, bevor zum Ende hin Reuter und Kaiser das Ensemble wieder vervollständigten. Und als zum Ende hin "Cecilia" zum wiederholten Male präsentiert wurde, war klar, dass jetzt ein unvergesslicher Abend zu Ende gehen würde.
War ich anfangs – mangels Vorbereitung (s.o.) – aufgrund des bei den Moderationen hörbaren Dialekts davon ausgegangen, dass die Band aus dem Schwäbischen stammen könnte, musste ich – nach entsprechender Nacharbeit – feststellen, dass die Band, die von Frank vor etwa 30 Jahren gegründet wurde, in Erfurt beheimatet ist. Und so verwundert es nicht, dass die meisten der aktuellen Konzerte in den (seit über 35 Jahren) 'Neuen Bundesländern' stattfinden. Aber auch im übrigen Bundesgebiet sowie im angrenzenden Ausland kann man die SGRB live erleben (Konzerte sind bereits bis Februar 2027 terminiert). Und nach diesem Abend kann ich nur allen, die auch nur ein wenig Freude an den Liedern von Simon & Garfunkel haben, eindringlich zu einem Besuch raten. Auch wenn SGRB nicht die Originale sind: besser und begeisternder wird man diese grandiosen Lieder heute kaum mehr interpretiert bekommen.
Mein besonderer Dank gilt Manfred und Birgitt, die uns den Konzertbesuch vorgeschlagen haben, und der besten Ehefrau von allen, dass sie mich hierzu gedrängt hat – ich habe es keine Sekunde bereut!



2 Kommentare
Wolfgang
27. Januar 2026 um 18:29 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Cover-Bands, Tribute-Bands und ähnliche Bemühungen mögen zwar gut und überzeugend sein, doch kann ich mich hiermit überhaupt nicht anfreunden, weil ich solche Musik, mit der ich "groß geworden" bin, genau so in Erinnerung und lebendiger Gegenwart halte und halten möchte. Sehr interessant halte ich jedoch, wenn man bekannte Songs von bekannten Bands covert und ihnen ein eigenes Leben einhaucht. Das heißt, wenn es Bands/Künstler*innen sind, die sich solcher Songs annehmen und ein neues, eigenes Leben einhauchen. Als aktuelles Beispiel möchte ich hier die neue Veröffentlichung von THE DAMNED nennen, die sich auf ihre eigene Weise zehn verschiedener bekannter Songs angenommen haben. Mithin – Coverbands jeglicher Art sind für mich nach wie vor "ein rotes Tuch"…, unabhängig davon, wie gut das, wie im genannten Beispiel, auch sein mag….
JR
27. Januar 2026 um 9:39 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Was "Tribute-Bands" angeht bin ich immer sehr skeptisch, weil es ist ja nur eine Kopie. Selbst bin ich eigentlich eher Rock- und Blues-Fan. Songs und Lyrics von S&G haben mich jedoch immer sehr berührt.
Vielleicht besuche ich ja jetzt nach Deiner Kritik doch mal eine Cover-Band 🙂