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Simon McBride / Konzertbericht, 31.03.2025, Kent Club, Hamburg Altona

Simon McBride / Konzertbericht, 31.03.2025, Kent Club, Hamburg Alton

Klassentreffen beim Klassenbesten

Gerd hat es schon immer gewusst.
Gerd?
Aufmerksame Leser*innen unserer Netz-Postille 'kennen' den sympathischen Biobäcker aus dem hohen Norden als Macher des Guitar Heroes Festivals, welches zweimal im Jahr Saitenartisten gebiert, von denen selbst Genre-Nerds noch nie etwas gehört haben.
Und so ließ sich Gerd vor knapp zehn Jahren von seinem damaligen Kompagnon Arthur inspirieren und die beiden holten einen gewissen Simon McBride auf den musikalischsten Dachboden der Nation.

Simon wer?
Der Nordire aus Belfast dürfte bei seiner damaligen Deutschlandpremiere selbst den größten Freaks kaum ein Begriff gewesen sein, was aber den Protagonisten und sein Trio nicht davon abhielt, den Dachboden im übertragenden Sinne anzuzünden.
Gerd war ebenfalls Feuer und Flamme und zwei Jahre später gestaltete Simon McBride sogar den abschließenden Unplugged-Frühschoppen.

LED-Technik up to date

LED-Technik up to date

Es dauerte aber noch etwas, bis der Bewunderer seines Landsmanns Gary Moore die nächste Stufe seiner Karriere zünden konnte.
Vor drei Jahren sprang er für alle Außenstehenden überraschend für den verhinderten Steve Morse bei Deep Purple als Tourgitarrist ein und wurde wenig später genauso überraschend gar festes Mitglied bei den Hardrock-Legenden.

Nun galt es nicht mehr einen ehemaligen Kuhstall zu rocken, sondern vor tradierten Rockfan-Massen nicht nur Ritchie Blackmore vergessen zu machen, sondern auch noch die großen Fußstapfen des ausgesprochen virtuosen Amerikaners Steve Morse auszufüllen.
Beides gelang ihm mit Bravour und innerhalb der eher als konservativ geltenden Classic-Rock-Fanbase konnte er sich in erstaunlich kurzer Zeit ein Standing erspielen, welches sein direkter Vorgänger gefühlt nie erreicht hatte.

LED-Technik up to date II

LED-Technik up to date II

Jetzt ist es wieder an der Zeit, neben den Engagements bei Purple und für seinen Bandkollegen Don Airey an der eigenen Solokarriere zu schrauben und so konnte er vor kurzem sein fünftes Studioalbum mit Aufnahmen veröffentlichen, die noch vor seinem Einstieg bei Deep Purple entstanden waren.
Im Bauch der neuen Flora in Hamburg Altona befindet sich der sehr modern gestaltete Kent Club, der eine fast grotesk kleine Bühne sein eigen nennt, aber mit aktuellster LED-Technik darauf hinzuweisen versteht, wer den heutigen Montagabend zu rocken gedenkt. Ein offenbar nicht nur in der Stadt des großen Fußball-Nordrivalens problematischer Termin, denn das Fachpublikum ist in seiner Anzahl leider überschaubar. Dafür gleicht das kleine Gewusel einem erwartungsfrohen Klassentreffen mit großem Hallo der Wiedersehensfreude und lässt bemerkenswert wenige Deep Purple-Shirts erkennen.

Diese Freude des Wiedersehens muss ansteckend sein, denn das Feuerwerk, welches Simon McBride, Dave Marks und Marty McCloskey in den nächsten gut 100 Minuten entfachen, kommt einem Sturm gleich und erweist sich innerhalb dieser Bandreduktion als State-of-the-Art. Musikalisch im Mittelpunkt stehen natürlich die beiden letzten Werke Recordings 2020 – 2025 und The Fighter, ersteres wurde, wie auf der Bühne durchaus betont wird, in Hamburg aufgenommen, letzteres fiel in Sachen Promotion dem Purple-Einstieg zum Opfer.

Simon McBride in Fahrt

Simon McBride in Fahrt

Es mag vielleicht überraschen, aber so unprätentiös wie Simon McBride bei der Hardrockinstitution agiert, so vergleichsweise bescheiden und zurückhaltend tritt er auch im wesentlich kleineren Rahmen auf. Ein eher konspiratives Meeting unter drei Freunden, bei denen Tieftöner Dave Marks, ebenfalls in der Band von Don Airey aktiv, noch am ehesten die 'Show' macht und im Verbund mit seinen beiden Kollegen eine unglaublich kompakte wie gleichsam virtuose Einheit auf die kleine Bühne des Kent Clubs schweißt.

Nichtsdestotrotz sitzt McBride offenkundig der Schalk im Nacken, denn als Running Gag lässt er es sich im Verlauf des Abends nicht nehmen, mehrmals alte Klassiker der Rockgeschichte kurz anzudeuten, Purple dabei immer gerne genommen, um dann doch den Dreh zu seinem eigentlichen Vortrag zu finden. Beim alten Bryan Adams Gassenhauer "Kids Wanna Rock" etwa werden Essenzen von "Black Night" und "Speed King" verwoben, während "Smoke On The Water" erst in der Zugabe als ironisches wie ikonisches Schnipselchen den Rausschmeißer "Don’t Be A Fool" (Crossing The Line, 2012) veredelt.

Zuvor werden die Anwesenden mit wachsender Begeisterung Zeuge einer umwerfenden Musikalität auf den nicht vorhandenen Brettern der Bühne und erleben ein rauschhaftes, dynamisches und hochexplosives Zusammenspiel dreier Könner, die bei prädestinierten Bühnenvorlagen wie "Fat Pockets" oder "So Much Love To Give" vom aktuellen Album auch mal den Solospot zelebrieren können. Letzteren beansprucht naturgemäß der Hauptprotagonist häufiger und glänzt dabei durchgehend mit einem atemberaubenden Spiel zwischen erdiger Wucht und exzeptioneller Veredelung in Maßen komplexen Liedguts.Insofern strahlt am Ende nicht nur Gerd und dieses Klassentreffen darf für sich zufrieden konstatieren, einem Klassenbesten beigewohnt zu haben.

Wir bedanken uns sehr herzlich beim PR-Team der Karsten Jahnke Konzertdirektion GmbH für die freundliche Akkreditierung.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Olaf 'Olli' Oetken | RockTimes

Über den Autor

Olaf 'Olli' Oetken

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Hauptgenres (Hard Rock, Southern Rock, Country Rock, AOR, Progressive Rock)

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