Extrovertierte Kurzarbeit im schwungvollen Nolstalgiegewand
Das gehört sich ja nicht … also mit der Tür ins Haus zu fallen … zumal in heutigen Zeiten auch bitteschön nicht jeder ins Haus fallen soll … aber die hier zu rezensierende Scheiblette kann eigentlich nicht weniger sein, als die Nostalgiker-Platte des Jahres! Und beim Stichwort Nostalgie sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die 1950er und 1960er Jahre des vorigen Jahrhunderts gemeint sind. Aber es gibt einen Haken … dazu später mehr.
Tami Neilson wuchs in Kanada auf, war Bestandteil einer außerordentlich musikalischen Familie, welche dann auch konsequenterweise einen auf 'Kelly Family auf Country' machte, um sich dann der Liebe wegen in Neuseeland als Solokünstlerin zu verdingen. Hier perfektionierte sie ihre Country-Wurzeln mit der Hinzunahme von Soul und Rockabilly/Rock’n’Roll zu einer Melange, die Quentin Tarantino in Begeisterungsstürme versetzen würde.
2014 feierte sie mit dem Album "Dynamite!" in ihrer Wahlheimat den kommerziellen Durchbruch und setzt nach Meinung des Rezensenten mit dem Song "You Were Mine" ihres hier zu rezensierenden Albums, "ChickaBoom!", den vorläufigen Karrierehöhepunkt! Eine Beth Hart … beileibe kein 'Fußvolk' … würde sich danach die Finger lecken … zu kompatibel erscheint diese vehement in Szene gesetzte Amy Winehouse-Gedächtnsisnummer für den wesentlich bekannteren Kerzen-Derwisch … und ist doch derart einzigartig interpretiert, dass sämtliche Assoziationen verblassen. Geschrieben hat Tami Neilson dieses Prachtstück gemeinsam mit ihrem Bruder Jay, der ihr überhaupt als Co-Songwriter, Bassist und Rhythmusgitarrist mit Rat und Tat zur Seite stand.
Es bleibt auf jeden Fall festzuhalten, dass der Rezensent selten eine so authentisch nach den 1950er/1960er Jahren klingende Neuzeitproduktion gehört hat, die Twang, "Bonanza", Wanda Jackson, Ricky Nelson und eine grandiose Gesangsleistung derart überzeugend und schwungvoll unter einen Hut gebracht hat.
Die immer sehr extrovertiert gekleidete und frisierte Protagonistin dominiert auch ohne ihre auffällige Optik allein durch ihre Stimme dieses Album nach belieben und verbucht beim Rezensenten in dieser Hinsicht die absolute Höchstnote! Wer sich dann auch noch zwischen Amy Winehouse, Beth Hart, 1950er-Rockabilly, Pulp Fiction und Wüstensand wohl fühlt, ist hier genau an der richtigen Adresse und schreckt garantiert auch nicht vor solch einer Schmonzette wie "Any Fool With A Heart" zurück, welche dem seligen Ricky Nelson absolut zur Ehre gereicht hätte.
Bleibt noch festzuhalten, dass dieses Album mit deutlich unter 30 Minuten unverschämt kurz ist … und somit eher eine erweiterte EP darstellt … und die überragende Qualität von "You Were Mine" in keinem anderen Moment widergespiegelt werden kann.
Fazit:
Eine grandiose Stimme steckt Legenden wie Ricky Nelson oder Amy Winehouse, die normalerweise niemals in einem Atemzug genannt worden wären, locker in die Tasche … winkt einer Beth Hart fröhlich zu und muss sich doch die Kritik gefallen lassen, ein Album herausgebracht zu haben, welches mit "Sleep" ein unsägliches Gute-Nacht-Lied für die Feinde unseres Lebens beinhaltet und damit effektiv unglaublich kurze 23:54 sehr gut genießbare und unterhaltsame Minuten zu bieten hat. Das ist für ein Album zu wenig!
Line-up Tami Neilson:
Tami Neilson (rhythm guitar, vocals)
Jay Neilson (rhythm guitar, bass, vocals)
Delaney Davidson (lead guitar, vocals #7)
Joe McCallum (drums, percussion)
Brett Adams (lead guitar; #5)
Tracklist "ChickaBoom!":
- Call Your Mama (2:27)
- Hey Bus Driver! (2:13)
- Ten Tonne Truck (2:22)
- Queenie, Queenie (2:09)
- You Were Mine (3:44)
- 16 Miles Of Chain (3:29)
- Tell Me That You Love Me (2:03)
- Any Fool With A Heart (2:43)
- Sister Mavis (2:44)
- Sleep (2:19)
Gesamtspielzeit: 26:15, Erscheinungsjahr: 2020



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