Teramaze halten für Prog Metal-Fans in Europa das Raum-Zeit-Kontinuum zusammen: Um die sechzehntausend Kilometer Entfernung auszugleichen, arbeiten sie in Rekordzeiten an neuen Studioalben. Dass es wie für "The Harmony Machine" mal rund ein Jahr dauert nach dem letzten Album "Eli: A Wonderful Fall From Grace", wirkt schon fast lang, wenn man die Truppe um Dean Wells kennt. Und bei Social Media lassen die Herren ohnehin keine Langeweile aufkommen. Da zeigen sie, dass sie ziemlich lustige Knallerbsen sind und begleiten ihren eigen Arbeitsdrang mit einem gesunden Mix aus absoluter Ernsthaftigkeit und gesunder Selbstironie. »Remember to put your order in early for what you want the next album to sound like.« postete die Band am 22. April 2025, um zwei Tage später mal salopp bei der Community reinzuhorchen: »The Harmony Machine Any Good?«
Very good, thank you. So viel schon mal vorweg. Auch "The Harmony Machine" ist – fast schon wie gewohnt – Nachschube auf fulminant hohem Niveau. Im ersten, schnellen Eindruck ohne die ganze großen Überraschungseffekte. Oder geht allein schon die Tatsache, dass eine Band es schafft, 'ihre' Qualität in so verlässlicher Taktung zu produzieren, als Überraschung durch? Wohl nicht für Band-Kenner. Für solche wie auch für Newcomer bietet der Opener "Like A Cyborg" eingängigen, aber im Detail anspruchsvoll verspielten Prog Metal mit sehr scharfem, düsterem Riffing, großen Melodien mit intensiver Atmosphäre und immer wieder von Part zu Part raffiniert changierender Dynamik. Durchaus ein Hinhörer in diesem Song, der vorm Abdriften in eine KI-gesteuerte Zukunft warnt, ist ein Mittelteil mit Sprechgesang, ein Stück eindringlicher Metal-Rap. Und das Finale ist wirklich groß, weil alle Elemente genial miteinander verschmelzen – das ist Emo-Prog!
Die Trademarks der Band ziehen sich durch alle Songs durch. "Bullet To A Pharaoh" beeindruckt mit einem schwebenden Refrain, der überhaupt nicht leicht, sondern heavy ist – auch ein physikalisches Kunststück, nicht nur ein musikalisches. "Gloom" ist tatsächlich ansatzweise ein stilistischer Ausbrecher: schleppendes Tempo, ein recht straigher Dark-Melodic-Rocker mit Alternative-Einflüssen und betont rauem Gesang des sonst meist sehr cleanen Nathan Peachey, der sich also wandelbar zeigt. "End Of It All" zieht das Tempo dann wieder mächtig an. Die Melodielinien im Chorus sind unfassbar ausschweifend und mutig; das geht durch Mark und Bein, begleitet übrigens von Gitarren, die im gleichen Moment alles andere als nur unterstützende Akkorde spielen, sondern extrem aktiv sind. Details sind einfach das Ding dieser Gruppe.
So konstant der Sound der Band auch durch die Bank klingt – mit "Perfect World" ist ein weiteres Stück auf ungewöhnlicher Spur unterwegs, nämlich AOR-angehaucht. Erneut reißt die nächste Nummer, "Desire Colurs N Lust" den Hörer heftig und mit Härte zurück in die typischen Teramaze-Gefilde. Und auch "Black Sound" ist so was von Teramaze durch und durch mit seinen düsteren Riff-Walzen und Instant-Ohrwurm-Statements in den Gesangsmelodien. Der Titeltrack kommt ganz am Ende und ist mit knapp neun Minuten auch der dickste Brocken. Und "The Harmony Machine" markiert mit recht epischer Struktur und als am wenigsten eingängige Nummer auch den idealen Schlusspunkt. Auch hier setzt die Band mit eher zurückgenommenem Tempo wieder ein Ausrufezeichen.
Jetzt wurden alle Songs in ihrer Reihenfolge auf dem Album erwähnt – mit einer Ausnahme, die herausgehoben werden will: "Sinister", Track fünf von neun. Dass Teramaze trotz ihres sehr markanten 'Signature-Sounds' und Alben fast wie am Fließband alles andere als Einheitsware abliefern, zeigt neben all den stilistischen Auffälligkeiten auch diese qualitative. Denn "Sinister" sticht aus aller großen Klasse nochmal heraus und ist mit seinen irren Schwerkraft-Wechseln hypnotisierend gut. So ist dieses Album 'typisch Teramaze', und doch bei genauerem Hinhören eines ihrer bislang stärksten Werke – insgesamt vielleicht Nummer zwei nach Sorella Minore. Denn "The Harmony Machine" wächst beim Hören und bietet dabei dann doch ein paar mehr Überraschungen als nur ein weiteres Album dieser überraschend konstanten Band zu sein. Châpeau!
Line-up Teramaze:
Dean Wells (vocals, guitars, keyboards)
Nathan Peachey (vocals)
Andrew Cameron (bass guitar)
Chris Zoupa (guitars)
Nick Ross (drums)
Tracklist "The Harmony Machine":
- Like A Cyborg (6:16)
- Bullet To A Pharaoh (5:31)
- Gloom (4:30)
- Ending Of All (4:39)
- Sinister (5:20)
- Perfect World (4:19)
- Desire Colours N Lust (5:21)
- Black Sound (6:41)
- The Harmony Machine (8:58)
Gesamtspielzeit: 51:39, Erscheinungsjahr: 2025



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