Dass wir es bei The Kinks mit einer der größten englischen Bands und Ray Davies mit einem der größten englischen Songwriter aller Zeiten zu haben, dürfte wohl unbestritten sein. Die Band hat sich nie aufgelöst, verabschiedete sich jedoch nach einem Konzert im Jahr 1996 in eine zeitlich nicht festgelegte Pause, die … naja, die bis heute anhält. Ständige Streitereien und Querelen innerhalb der Band sorgten schon seit den frühen Sechzigern immer wieder für Schlagzeilen und die vielen Wechsel im Line-up kamen somit nicht von ungefähr. Selbst wenn die beiden Davies-Brüder Ray und Dave in Interviews der letzten drei Jahrzehnte immer wieder davon sprachen, dass eine Reunion nicht ausgeschlossen sei … der Verfasser dieser Zeilen glaubt schon lange nicht mehr dran. Aber wie dem auch sei, im Jahr 2023 erschienen die beiden, von den Brüdern und Drummer Mick Avory selbst zusammengestellten Compilations "The Journey – Part 1" sowie "The Journey – Part 2", die die Jahre bis einschließlich 1976 abhandelten. Beim dritten und letzten Teil, "The Journey – Part 3", geht es nun um die Zeit von 1977 bis 1984.
Zunächst kratzte sich der Rezensent verwundert am Kopf und fragte sich, was denn dann eigentlich mit den Platten von 1986 bis 1993 ("Think Visual", "UK Jive" sowie "Phobia") ist. Von der Band nicht gemocht oder als nicht gut genug empfunden? Eher unwahrscheinlich … bis dann langsam ein kleines Lichtlein aufging und die Erinnerung zurückkam, dass Mick Avory die Combo 1984 verlassen hatte. Okay, zwar eine ungewöhnliche Vorgehensweise, aber was war bei The Kinks schon gewöhnlich? Jedenfalls startet dieser dritte Teil mit der Zeit, als die Band oder besser gesagt Ray Davies ihre/seine Phase mit Konzeptalben wie "Preservation 1" sowie "… 2", "A Soap Opera" oder auch "Schoolboys In Disgrace" abgeschlossen hatte und sich wieder kürzeren und geradlinigeren Rock-Songs zuwandte. Ebenfalls bemerkt werden sollte, dass die hier enthaltenen Tracks nicht chronologisch geordnet sind und somit startet die erste Scheibe mit der Nummer "Catch Me Now I’m Falling" vom Album "Low Budget" aus dem Jahr 1979).
Verkaufs- bzw. chartsmäßig hatten die Engländer in ihrer Heimat seit Lola (1970) keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen und die kommenden Jahre verliefen, was die Erfolge betraf, insgesamt sehr schleppend. Mit dem Album "Sleepwalker" (1977) wurde jedoch ein neuer Angriff mit Hauptaugenmerk auf den Großmarkt USA gestartet, der tatsächlich auch gelang. Und selbst, wenn Stücke der Marke "Livin' On A Thin Line", "Come Dancing", "(I Wish I Could Fly Like) Superman" oder "A Rock’n’Roll Fantasy" wie gemacht für den US-Markt waren, so waren sie jedoch nie derart gefärbt, nicht auch weltweit bestehen zu können. Während in Amerika der Rubel so richtig zu rollen begann und die Band dort auch pausenlos auf Tour war, wurde sie in ihrer Heimat weiterhin regelrecht ignoriert. Bis dann 1983 die Single "Come Dancing" weltweit nahezu explodierte und unterstützt durch 'Heavy Rotation' bei MTV in sehr, sehr vielen Ländern – ja, sogar in England mit einem beachtlichen Platz 12 – mindestens in die Top20 kam. Aber auf dem ersten Silberling sind auch noch andere Songperlen der Marke "Misfits", "Low Budget", "Do It Again" oder auch "Better Things" enthalten.
Für die zweite enthaltene Scheibe hat man, wie bereits erwähnt, die letzten drei Studioalben unberücksichtigt gelassen und dafür das Konzert vom 11. Juli 1993 in der Londoner Royal Albert Hall verewigt, dessen Tracklist dann tatsächlich wie eine 'Best of' aus dreißig Jahren zusammengestellt ist. Da ist von "Dedicated Follower Of Fashion" über "Apeman", "Celluloid Heroes", "Days", "I’m Not Like Everybody Else" bis zu "You Really Got Me", "Sunny Afternoon" und "Death Of A Clown" in bester Soundqualität eigentlich alles enthalten, was das Herz begehrt. Von den ganz großen Songs fehlen mysteriöser Weise lediglich "Lola" sowie "Waterloo Sunset". Dafür wurden mit "Only A Dream", "Phobia" sowie "The Informer" ein paar neuere Tracks eingebaut. Nichtsdestotrotz gibt es von dieser Band genau genommen keinen schlechten Song. Höchstens welche, die man ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger mag.
Auf jeden Fall eine klasse Zusammenstellung mit dem Bonus des bisher unveröffentlichten Live-Konzerts. Mein Fazit kann also auch nur sein, dass man mit "The Journey 3" wie auch bei den ersten beiden Parts überhaupt nichts falsch machen kann.
Line-up The Kinks:
Ray Davies (rhythm guitars, lead vocals)
Dave Davies (lead guitars, background vocals, lead vocals)
Mick Avory (drums)
Bob Henrit (drums)
John Gosling (organ, piano, synthesizer)
Ian Gibbons (keyboards)
Mark Haley (piano, keyboards, background vocals – CD 2)
Andy Pyle (bass)
Jim Rodford (bass, percussion)
Ron Lawrence (bass)
Tracklist "The Journey – Part 3":
- Catch Me Now I’m Falling
- (I Wish I Could Fly Like) Superman
- A Rock’n’Roll Fantasy
- Sleepwalker
- Living On A Thin Line
- Come Dancing
- Around The Dial
- Do It Again
- Better Things
- Destroyer
- Low Budget
- Misfits
- One Of Our DJs Is Missing
- Till The End Of The Day
- Where Have All The Good Times Gone
- Low Budget
- Apeman
- Phobia
- Only A Dream
- Scattered
- Celluloid Heroes
- I’m Not Like Everybody Else
- Dedicated Follower Of Fashion
- The Informer
- Death Of A Clown
- Sunny Afternoon
- You Really Got Me
- Days
Gesamtspielzeit: 49:24 (CD 1), 53:16 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2025 (1977-1984)



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